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18. September 2008, 15:52 Uhr

Komponist Mauricio Kagel ist gestorben

Einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart ist tot: Mauricio Kagel starb im Alter von 76 Jahren in Köln. Sein Name ist vor allem mit dem Musiktheater verbunden. Er galt als einer der eigenwilligsten Vertreter der Neuen Musik und schreckte selbst vor Toilettenspülungen als Untermalung nicht zurück.

Mauricio Kagel wurde 76 Jahre alt© DPA

Mauricio Kagel war einer der produktivsten zeitgenössischen Komponisten, aber nur wenige Deutsche kennen sein umfangreiches Werk näher. Das mag daran liegen, dass er Stücke schrieb, die man nicht mitsingen kann: "Neue Musik", die gewöhnlich auf Harmonien, durchgehende Rhythmen und "schöne Melodien" verzichtet. "Etwas anstrengend", war eine oft gehörte Reaktion von Konzertbesuchern. In der Nacht zum Donnerstag starb er 76-jährig in Köln, wo er fast ein halbes Jahrhundert lang gelebt hatte.

Über 200 Werke komponierte der gebürtige Argentinier allein in Köln, zudem produzierte er etliche Hörspiele und Filme und schrieb dazu viele Essays, nicht nur zu musikalischen Fragen. "Hier lässt es sich sehr gut arbeiten", meinte Kagel zu seinem Wirken in der Domstadt.

Der 1931 in Buenos Aires geborene Kagel, dessen jüdische Familie in den 1920er Jahren aus Russland geflohen war, kam 1957 als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Köln, damals ein führendes Zentrum der Musikavantgarde. Er arbeitete als Dirigent, Librettist und Regisseur in eigener Sache, wirkte als Pädagoge und begleitete während seiner langjährigen Professur für Neues Musiktheater an der Kölner Musikhochschule mehrere Generationen angehender Komponisten auf ihrem künstlerischen Weg.

"In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Niveau der Musikstudenten enorm gesteigert", zog er im vergangenen Jahr zufrieden Bilanz. Das habe nichts mehr zu tun mit den Studenten, die er gekannt habe, als er jung gewesen sei: "Wirklich faszinierend."

"Absurder Spaßmacher des Musiktheaters" Als "schillernd und vielseitig" wurde das Oeuvre des Deutsch-Argentiniers bezeichnet. "Humorvoll" könnte man hinzufügen. So setzte er in seiner "Phantasie für Orgel und Obligati" eine Toilettenspülung ein. Die britische Zeitung "The Guardian" hat ihn einmal als den "großen absurden Spaßmacher des Musiktheaters" bezeichnet.

Unvergesslich auch die Fluxus-Aktionen der späten 1950er Jahre, in denen der Avantgardist gemeinsam mit Jospeh Beuys, John Cage, Nam June Paik und Karlheinz Stockhausen für Aufsehen sorgte. Populär allerdings wurde er nie, seine Stücke wurden nach ihrer Uraufführung nur selten wieder gespielt, und nur ein kleiner Teil seines Oeuvres ist auf Tonträgern verewigt worden.

Daran seien die Kritiker nicht ganz unschuldig, meinte Kagel mehr als einmal. "In meinen Auseinandersetzungen mit einem Teil der deutschen Musikkritik habe ich niemals vergessen, in welch guter Gesellschaft ich mich befinde", sagte er einmal und verwies auf Mozart, Schubert und Strawinsky, Wagner, Mahler und Schönberg. "Und in welcher Gesellschaft befinden sich die Rezensenten?"

Die "Frankfurter Allgemeine" attestierte ihm 2001 "jugendliche Neugier im Alter". Er selbst sagte: "Solange der Kopf arbeitet, solange man Ideen und vor allem Lust hat, so lange mach' ich weiter. Der Erfindungsgeist kommt mit wachsendem Alter doch nicht zum Stillstand - im Gegenteil: Er wird noch raffinierter." Noch 2005 begeisterte die Uraufführung von "Fremde Töne und Widerhall" in München das Publikum - und diesmal auch die Kritiker.

Antje Lorscheider/DPA
 
 
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