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Rasender Protest: Pussy Riot in Frankfurt

Frankfurt/Main - «Riot! Riot!», schreien sie in die Menge. «Jeder kann Pussy Riot sein!» Pussy Riot, das russische Frauen-Protest-Kollektiv, wurde mit staatskritischen  Guerilla-Aktionen berühmt.

Pussy Riot Theatre

Maria Aljochina war zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Foto: Boris Roessler

«Riot! Riot!», schreien sie in die Menge. «Jeder kann sein!» Pussy Riot, das russische Frauen-Protest-Kollektiv, wurde mit staatskritischen  Guerilla-Aktionen berühmt.

Heute stehen Mitglieder der Gruppe auf der internationalen Bühne. Als «Pussy Riot Theatre» traten sie am Mittwochabend zum ersten Mal in auf. 

Mit dabei: Maria Aljochina, die 2012 verhaftet und wegen «Rowdytums aus religiösem Hass» zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt wurde. «Riot Days» heißt das nur gut einstündige Programm, eine rasende Mischung aus Konzert, Videodokumentation, Performance und Lesung. Tragen sie damit ihren Protest hinaus in die Welt - oder vermarkten sie nur ihre Geschichte? 

Aljochinas Buch «Tage des Aufstands» kommt gerade frisch aus der Druckerpresse. Darin berichtet sie in kurzen Abschnitten, die sich abwechseln mit Tagebuchnotizen und Zitaten, über die Jahre zwischen Band-Gründung 2011 und Haftentlassung 2013. Über -Schikane und eine politische Justiz, Transporte und Straflager, Hungerstreiks und Einzelhaft, aber auch darüber, wie die Gruppe entstand und was sie bis heute antreibt.

«Wir waren getrieben vom Glauben - der plötzliche Glaube daran, dass Veränderungen möglich sind», heißt es im Buch und auf der Bühne. «Wir glauben, dass wenn man Putin nur ordentlich mit einer Nadel in den Arsch sticht, er von seinem Präsidentensessel aufspringt und zum Teufel hüpft» und mit ihm sein System «in die staubige Ecke der Geschichte kullert». 

In der Performance werden große Teile des Textes nacherzählt, nachgespielt, nachgebrüllt - auswendig, in rasendem Tempo und auf Russisch. Dazu wummern Technobeats und Saxofonklänge. Mit Aljochina auf der Bühne stehen eine Frau und zwei Männer, die Musiker, Tänzer und Chor zugleich sind. Im Hintergrund laufen Videos von Pussy-Riot-Aktionen, Filmschnipsel und Zeichnungen illustrieren den Bericht, dazwischen werden Sätze aus dem Text eingeblendet.

Das Ganze ist laut, schnell und staccato. Wer das Buch nicht kennt oder der eingeblendeten englischen Übersetzung nicht folgen kann, hat schlechte Karten - aber nicht verloren. Denn dann ist «Riot Days» immer noch ein gutes Konzert. Wasser aus Plastikflaschen ins Publikum spritzen, Zigaretten und nackte Oberkörper liefern ein bisschen Punk-Attitüde. 

In ihrem Heimatland ist es ruhiger geworden um die Frauen. 2016 haben sie ein Video veröffentlicht, das auf einen als korrupt geltenden russischen Staatsanwalt gemünzt ist: «Gehorche, dann kannst du ungestraft Leute umlegen!», rappt eine der Frauen darin, gekleidet als faschistoide Staatsanwältin. In diesem August protestierten zwei Mitglieder in Sibirien für die Freilassung eines inhaftierten ukrainischen Filmemachers und wurden kurze Zeit von der Polizei festgehalten.

Im Vergleich zu den Ereignissen vor fünf Jahren kaum der Rede wert. Ohne Genehmigung und Ankündigung bunt maskiert an öffentlichen Orten einen schrillen Auftritt hinlegen und das Video im Netz teilen - das war das Konzept der Band, bei der die Musik eher eine Nebenrolle spielte. Im Mittelpunkt stand der Protest. «Putin pisst sich ein», sangen sie auf dem Roten Platz, «Gottesmutter, Jungfrau, jage Putin davon» in der Christ-Erlöser-Kathedrale. 

Die Performance im zentralen Gotteshaus Moskaus dauerte 40 Sekunden und brachte zwei Mitglieder von Pussy Riot für zwei Jahre hinter Gitter. In werden sie dafür als Helden des Widerstands gefeiert. «Wir haben eine Stimme. Wir haben die Wahl», ruft Aljochina am Ende des Auftritts in die Menge. «Es gibt keine Freiheit, wenn man nicht täglich für sie kämpft.» 

dpa

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