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Die Patin des Pop

Die Zahl ihrer Imagewandel ist Legion: Edelpunk, Grande Dame, Hippie-Mama. Madonna Louise Veronica Ciccone erfindet sich alle paar Jahre neu. Christiane Rebmann hat Madonna über die Jahre immer wieder getroffen - ein Rückblick auf eine große Karriere, die noch nicht zu Ende ist.

Kein schönes Geburtstagsgeschenk: Die Meldung, es gäbe ein Sexvideo von Madonna und ihrem angeblichen Lover, dem Baseballspieler Alex Rodriguez. Die Queen of Pop hatte sich eh schon nicht besonders auf ihren 50. Geburtstag gefreut. "Das ist für mich kein großes Ding" antwortete sie auf die Frage, was dieser Tag für sie bedeute. Der 16. August 2008 sei für sie "ein Datum wie jedes andere."

Berlin - L.A. - New York - Cannes - Cardiff

Sie ist auch viel zu beschäftigt. Gerade macht sie sich für ihre "Sticky-and-Sweet"-Tournee fit, die am 23. August im britischen Cardiff beginnt. So stählt sie täglich ihren ohnehin schon gut durchgestylten Body in mehrstündigen Trainingsrunden. Auch der Terminkalender in den Monaten davor hatte nicht gerade so ausgesehen, als wolle sie sich für den Rückzug aufs Altenteil einstimmen. Anfang Februar flog sie zur Berlinale, um ihr Regiedebüt "Filth and Wisdom" vorzustellen. Dann legte sie in L.A. letzte Hand an ihre neuen Songs und machte auch gleich noch Promotion für das neue Album "Hard Candy". Anschließend jettete sie nach New York, um dort ihre Aufnahme in die Rock'n'Roll Hall of Fame zu feiern.

Kurze Zeit später ging's nach Cannes, wo Madonna ihren Dokumentarfilm "I Am Because We Are" über Aidswaisen in Malawi vorstellte. Diese Frau ist umtriebig wie ein Duracellhäschen - Sarkozy lässt grüßen. Kein Wunder, dass Gerüchte über ihren angeschlagenen Gesundheitszustand die Runde machen. Die täglich neuen Geschichten über ihre kriselnde Ehe taten ein Übriges. Und dann veröffentlichte auch noch Madonnas kleiner Bruder Christopher seine als "Enthüllungsbuch" angekündigte Autobiografie "Life with my Sister Madonna", die allerdings keine wirklich überraschenden Neuigkeiten über seine Schwester enthält. Manche raunen sogar, Madonna habe an dem Buch selber mitgewirkt.

Selbst die ganz Jungen finden Madonna noch cool

Selbst wenn sich die unappetitlichen Gerüchte bewahrheiten würden - Ihrem Ruf täte das nicht ernsthaft Abbruch. Die erfolgreichste Künstlerin im Popgeschäft gilt immer noch als relevant und ist auch immer noch als Vorbild gut - auch nach mehr als 25 Jahren im Popgeschäft. Madonna hat nicht nur Künstlerinnen ihrer eigenen Altersgruppe inspiriert. Auch die nachfolgende Generation nahm sie zum Vorbild. So schwärmte beispielsweise die R&B-Sängerin Mariah Carey am Anfang ihrer Karriere: "Ich bewundere Madonna. Weil sie eine starke Frau ist. Und weil sie tut, was sie will. Außerdem ist sie eine sehr fähige Geschäftsfrau." Selbst die ganz Jungen finden Madonna noch cool. Die 16-jährige Australierin Gabriella Cilmi, die gerade dazu ansetzt, ihr Idol mit dem lässig frechen Song "Nothing's Sweet About Me" in den Charts zu überholen, sagt bewundernd: "Madonna hat so viel Power, und sie hat sich immer wieder neu erfunden."

Das macht wohl den größten Teil ihres Erfolges aus. Keine Künstlerin ist so vielseitig wie Madonna Veronica Louise Ciccone. Sie ist Musikerin, Tänzerin, Schauspielerin, Regisseurin, Kinderbuchautorin, Labelchefin und Designerin. Seit sie 1982 mit ihrem Discohit "Everybody" erste Erfolge verbuchen konnte, hat sie sich ständig verändert. "Das, was gewesen ist, interessiert mich nicht. Ich häute mich, während ich mich weiter entwickle", sagt sie.

Als Reporterin wusste man all die Jahre nie, auf welche Madonna man gerade treffen würde. Das konnte der maskenhaft geschminkte Marlene-Dietrich-Klon sein, der 1992 das Album "Erotica" und den Nacktbildband "Sex" bewarb. 1995 präsentierte die Künstlerin sich dagegen weich und weiblich, passend zu ihrem Balladenalbum "Bedtime Stories", im eleganten schwarzen Designer Kleid und mit zurückgebundenen Haaren. 1998 erschien sie ganz unauffällig in schwarzem Pulli und Hose zum Gespräch. Als sie zwei Jahre später zum Interview im Büro ihrer Firma Maverick in L.A. einlief, sah Madonna aus wie ein Flohmarkt-Fashion-Victim: Sie hatte ihren hochschwangeren Körper in eine knallgelbe Zotteljacke und eine braungrüne Tarnmuster-Armee-Hose gezwängt. Zum Termin 2008 in Beverly Hills präsentiert sie sich in schlichter Eleganz, mit schwarzem Top, schwarzer weiter Hose und ungeschminktem Gesicht.

Dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus

In ihren Videoclips und bei öffentlichen Auftritten gab sie mit ihrem Styling immer sehr punktgenau formulierte Statements ab. Und schaffte es dabei, immer wieder neue Trends zu setzen. Madonna gelang dabei das Kunststück, Musik und Kleidung so zu verbinden, dass sie das jeweilige Lebensgefühl nicht reflektierten, sondern dem Zeitgeist vorgriffen. Zum Beispiel 1998, als sie den Neohippie-Look propagierte und sich auf Fotos in Blümchenbluse und Jeans präsentierte. Das Wort Hippie mochte sie allerdings nicht hören. "Hippies sind schrecklich", blaffte sie damals mit einer Mischung aus Belustigung und Beleidigtsein, "Die rasieren sich ja nicht mal die Beine. Und sie tragen keinen Nagellack und kein Make Up. Die letzten Langweiler."

Madonna hat zwar immer wieder behauptet, ihre Kleiderwahl sei keinesfalls berechnend. Aber sie hat sich doch in all den Jahren immer wieder ganz bewusst neu inszeniert. Egal, ob sie sich zu "Like A Virgin" in weiße Spitze kleidete, zu "Justify My Love" in eine schwarze lederne Sadomaso-Montur warf oder sich im Musicalfilm "Evita" züchtig hochgeschlossen als argentinische Präsidentengattin Eva Perón präsentierte. Letztere - damals eher untypische - Verkleidung begründete sie übrigens mit der Faszination, die die umstrittene Argentinierin auf sie ausübte: "Evita Perón ist eine Art Ikone für mich. Sie hatte einen sehr starken Einfluss auf die Weltpolitik. In den 40er Jahren hatten es die Frauen in den lateinamerikanischen Ländern mit ihrer Machokultur ja besonders schwer. Und Evita hat sich durchgeboxt. Ihre Familie gehörte weder zum aristokratischen noch zum politischen Adel. Das waren bettelarme Bauern."

Diese etwas vereinfachende Analyse fasst ganz gut zusammen, wie Madonna tickt. Auch sie hat sich hoch gekämpft. "Sie ist extrem ehrgeizig, fleißig und perfektionistisch. Das unterscheidet sie von anderen Künstlern", sagt Presseagentin Liz Rosenberg, die Madonna seit mehr als 25 Jahren betreut. So wurde Madonna zur erfolgreichsten Frau im Musikbusiness. Ihr Vermögen wurde im Jahre 2006 auf 600 Millionen Dollar geschätzt. Sie hat allein in Deutschland mit ihren 19 Alben insgesamt 49-mal Goldstatus erreicht. Sie hat sieben Grammies gewonnen und führt mit 20 MTV-Video-Awards die Liste der Gewinner an. Gerade schloss sie einen Vertrag mit Universal ab, der ihr angeblich einen knapp dreistelligen Eurobetrag sichert - ein echtes Kunststück angesichts der Endzeitstimmung in der Musikszene. Madonna kommentiert den Abgang von der Firma, die immerhin half, ihre Karriere aufzubauen, ganz unsentimental: "Mein Vertrag mit Warner lief aus. Und wer weiß, ob es in ein paar Jahren überhaupt noch Plattenfirmen gibt. Ich bin doch nicht blöd."

Sie braucht den Wechsel

Das ist die andere Seite der Medaille. Konstanz ist nicht so ihr Ding. Loyalität auch nicht. In ihren Beziehungen wirken sich ihr Ehrgeiz und der notorische Kontrollzwang eher negativ aus. Christopher Ciccone stellt seine Schwester in "Life with..." denn auch als süchtig nach Aufmerksamkeit und letztlich beziehungsunfähig dar.

Nach diversen Affären heiratete Madonna 1985 den Schauspieler Sean Penn, dem sie ihr Album "True Blue" gewidmet hatte. Die Ehe ging schon 1989 wieder auseinander. Madonna suchte Trost in immer wieder neuen Affären, zum Beispiel mit dem US-Schauspieler Warren Beatty. Es ist zu vermuten, dass einige der Verbindungen, über die spekuliert wurde, nur aus Publicitygründen kolportiert wurden. Wie weit die Beziehung mit John F. Kennedy Jr. ging, wird heute noch in einschlägigen Presseorganen diskutiert. Und Madonnas Kollege Lenny Kravitz, mit dem sie 1990 den Erotikhit "Justify my love" aufnahm, dementierte später leicht gereizt eine Affäre: "Es nervt. Sowie ich mit einer Frau arbeite, behauptet alle Welt, ich sei mit ihr im Bett gewesen. Madonna und ich waren eher wie Bruder und Schwester. Ich bin sowieso nicht ihr Typ."

Madonna ist ein Kontrollfreak

Ihr Beuteschema skizzierte Madonna 1992 im Interview so: "Humor ist wichtig. Wenn ein Mann witzig ist, darf er sogar Cowboystiefel tragen oder ein bisschen dick sein." Sie kicherte und schob dann nach: "Obwohl - wenn ein Mann mollig ist, heißt das doch, dass er sich nicht unter Kontrolle hat."

Glaubt man Christopher Ciccones Ausführungen in seinem Buch, dann litten Madonna und ihre fünf Geschwister nicht nur unter dem frühen Krebstod der Mutter - sie starb, als Madonna fünf war. Es gab und gibt in der Familie wohl auch den Hang zum Alkoholismus und anderen Süchten. Insofern ist der Ciccone Clan in zwei Partien geteilt - auf der einen Seite die Suchtgefährdeten, auf der anderen die Kontrollfreaks. Madonna gehört zu Letzteren.

Die Drogenprobleme des drei Jahre jüngeren Christopher waren mit ein Grund, warum Madonna ihren Bruder aus dem Team warf. Den privaten Kontakt zu ihm soll sie auch abgebrochen haben. Denn immerhin hat sie inzwischen noch drei Kinder, die sie vor negativen Einflüssen schützen möchte.

Mama mit Ansage

Mitte der neunziger Jahre hatte sie öffentlich den Wunsch verkündet: "Ich will Mutter werden". 1995 erkundigte sie sich während eines Interviews beiläufig bei der Autorin dieses Artikels nach den Problemen, mit denen eine Frau konfrontiert wird, die Muttersein und Karriere verbinden will. Dann schwärmte sie von ihrem damaligen Freund, dem kubanischen Fitnesstrainer Carlos Leon. Sie beschränkte sich bei der Schilderung auf Qualitäten, die für eine Beziehung auf Dauer nicht wirklich tragfähig sind: "Carlos ist einfach zu schön, und das weiß er. Schwarze Augen, schwarze Haare, dazu sehr sehr lange Wimpern."

Die weitere Schilderung klang wie die Beschreibung eines Kindes: "Wenn Carlos ungezogen war, dann fängt er an zu weinen, und dann rollen ihm die Tränen die langen Wimpern runter. Und dann kann ich ihm einfach nicht böse sein. Er sieht zu schön aus, wenn er heult. Dieses Scheusal! Den Hundeblick beherrscht er perfekt." Kurz danach wurde sie von Carlos Leon schwanger. Berechnung oder nicht - Sie trennte sich von ihm, übernahm das Kind, sorgte aber dafür, dass die 1996 geborene Tochter Lourdes regelmäßig Kontakt zu ihrem leiblichen Vater hielt.

"Ich mag keine Weicheier!"

1998 dann Auftritt Guy Ritchie. Über den britischen Filmregisseur, den sie durch die Vermittlung ihres Kumpels Sting und dessen Frau Trudy Styler kennen gelernt hatte, wusste sie beim Gespräch im Jahre 2000 nur Positives zu berichten: "Guy ist so intelligent, und er hat einen starken Willen. Genau wie ich. Sie können sich also vorstellen, was bei uns abgeht. Ich mag nun mal keine Weicheier. Ich hasse Menschen, die ich herumschubsen kann. Ich brauche Männer, die mich herausfordern. Guy hat eine sehr ausgeprägte eigene Meinung." Und sie verriet, ihr neuer Partner schieße gern Tauben und Kaninchen und sei insofern auf keinen Fall p.c., also politisch korrekt.

Madonna war zu dem Zeitpunkt hochschwanger mit ihrem Sohn Rocco und glaubte offensichtlich, die große Liebe gefunden zu haben. Und sie versuchte, sich anzupassen. Das freche Mädchen aus Michigan, die urbane Manhattanerin aus Überzeugung mutierte plötzlich zur Anhängerin eines Lebensstils, wie sie der britische Landadel pflegt. Die Welt war amüsiert, als 2005 die Meldung die Runde machte, Madonna sei an ihrem Geburtstag beim Ausritt auf ihrem Landsitz Ashcombe House in der englischen Grafschaft Wiltshire vom Pferd gefallen und habe sich den Arm gebrochen.

Madonna und Guy: Beziehungsfrust statt Leidenschaft

Seit ein paar Monaten bröckelt das Bild vom harmonischen Ehepaar Madonna und Guy. Und beim Interview in L.A. Anfang dieses Jahres wirkte Madonna fahrig und deprimiert. Kein Wunder. Man brauchte sich nur den Song "Miles Away" von ihrem neuen Album "Hard Candy" anzuhören. Da singt sie sich den Beziehungsfrust von der Seele: "Du liebst mich mehr, wenn ich weit weg bin". Eine Erklärung hatte sie auch parat: "Ich singe hier von Paaren, bei denen beide Partner arbeiten, bei denen beide viel reisen und sich deshalb nicht oft sehen." Der Text klingt traurig, aber auch so, als stünde sie über den Dingen und sehe sich amüsiert von außen beim Leiden zu. "Ich kann diesem Problem der Beziehung auf Entfernung durchaus auch eine lustige Seite abgewinnen," erklärte sie, "Ich reiße oft diese Witze, wenn ich mit meinen Mann zusammen bin. Ich sage zu ihm: 'Du liebst mich mehr, wenn ich weit weg bin'". Und dann philosophierte sie: "Es ist ja manchmal einfacher, jemandem aus der Entfernung etwas Positives zu sagen, als wenn er direkt vor einem steht."

Sie sagte das mit einer Bestimmtheit, als glaubte sie, dass alle Menschen so ticken. Und dann fügte sie mit metallisch kühler Stimme hinzu: "Wir sind beide erwachsener geworden. Wir haben nicht mehr diese idealistische Erwartung an eine Beziehung. Ich habe den Traum aufgegeben, dass er der perfekte Ehemann ist. Er hat die Erwartung aufgegeben, dass ich die ideale Ehefrau bin." Sie versuchte, ihre Aussage zu relativieren und schob nach: "Das heißt nicht, dass wir uns gleichgültig sind. Wir empfinden jetzt eher eine tiefe Zuneigung für einander. Wir sind jetzt Freunde. Es hat eine ganze Zeit gebraucht, bis wir so weit waren. Man kann sich von einer Minute auf die andere in jemanden verlieben. Aber es braucht schon einige Zeit, bis man den anderen mag." Das klingt nach Resignation, nicht nach Leidenschaft.

Abwiegeln und Nicht-ganz-aus-der-Welt-Schaffen

Madonnas Pressesprecherin Liz Rosenberg dementierte pflichtgemäß die Scheidungsgerüchte - nach dem Motto: Krise - welche Krise? Das ist ihr Job. Sie macht ihn seit einem Vierteljahrhundert, und sie macht ihn gut. Sie hat es immer wieder geschafft, mit der richtigen Mischung aus Abwiegeln und Nicht-ganz-aus-der-Welt-Schaffen das Interesse an ihrer Klientin lebendig zu erhalten. In diesem Fall konnten alle Dementis die Spekulationen nicht eindämmen.

Zum Beispiel darüber, dass sich Madonna und ihr Mann auch auseinandergelebt haben könnten, weil Guys Filmprojekte nach dem großen Erfolg seines Films "Lock, Stock And Two Smoking Barrels" seit einiger Zeit unter chronischer Erfolglosigkeit leiden. Wie sagte Madonna noch im Jahr 2000 im Interview? "Ein Mann ist für mich erst dann richtig attraktiv, wenn ich weiß, dass er sich selbst genug ist und sich um sich selbst kümmern kann. Man kann eine Beziehung nur am Leben erhalten, wenn man sich gegenseitig respektiert und bewundert und eine gewisse Ehrfurcht vor dem anderen hat. Ich kann keinen Respekt vor jemandem haben, der nicht mit sich selbst zurecht kommt. Ich hätte das Gefühl, dass ich besser bin als er. Und das ist keine gute Dynamik."

"Die Mutterschaft hat mein Herz geöffnet"

Genau gegen diese Dynamik kämpft sie wohl seit einiger Zeit. Doch diesmal gibt es sehr gewichtige Gründe gegen eine Trennung. Immerhin haben Madonna und Guy inzwischen drei Kinder: Die elfjährige Lourdes, den siebenjährigen Rocco und den zweijährigen Adoptivsohn David aus Malawi. Seit sie Mutter sei, habe sie an sich starke Veränderungen bemerkt, stellte Madonna fest: "Ich habe an mir eine ganz neue weiche Seite entdeckt", sagte sie nach der Geburt ihres ersten Kindes. Auf ihrem Album "Ray Of Light" war das sehr deutlich zu hören. Bei unserem damaligen Treffen in Los Angeles dozierte sie über diese Veränderungen am Beispiel des Textes im Song "Frozen": "Ich habe erkannt, dass ich zuviel Zeit damit verschwendet habe, mich verletzt und ärgerlich zu fühlen, statt das zu genießen, was ich habe. Ich habe mein Herz geöffnet. Ich lasse jetzt ganz neue Emotionen zu."

Das Muttersein ging Madonna mit demselben Elan an wie ihre Karriere. "Ich habe noch nicht einen Tag ohne meine Tochter verbracht", erklärte sie einmal. Da war Lourdes immerhin schon eineinhalb Jahre alt. In ihrem Drang, ihrer Tochter eine optimale Bildung zu verschaffen, schleppte sie diese schon als Dreijährige durch Museen auf aller Welt und stellte bewundernd fest: "Lola ist viel wacher, als ich es damals war. Ich hätte im Alter von drei Jahren nicht sagen können, wer Picasso oder Matisse ist. Ich wusste gar nichts. Ich glaube, ich war hirntot."

Madonna erzieht ihre Kinder mit einer gewissen Strenge - und überraschenden Regeln. Um unerwünschte und unkontrollierbare Einflüsse zu vermeiden, hat sie ihren drei Kids das Fernsehen verboten. "So haben sie mehr Zeit zum Spielen, Lesen oder einfach nur Nachdenken", erklärt sie. Wenn sie über ihre Kinder spricht, wird ihre Stimme weicher. Wenn es um die Kids geht, ist sie auch verwundbarer als bei anderen Themen.

Engagement gegen Aids - und ein Adoptivsohn aus Malawi

Als sie vorletztes Jahr den kleinen David Banda aus Malawi adoptierte, überschlugen sich die Hassmeldungen mit dem Tenor, Madonna sei mal kurz zum Kinder-Shoppen nach Afrika gejettet. "Wir waren damals fassungslos, mit wie viel Schmutz man sie bewarf", erinnert sich Liz Rosenberg, "dabei wollte sie doch nur diesen kleinen Jungen retten, dessen Vater sich nicht um ihn kümmern konnte oder wollte. Madonna hat mit fünf ihre Mutter verloren. Als sie nach Malawi kam, sah sie sich plötzlich von sehr vielen Kindern umringt, die alle keine Mutter mehr hatten. In diesem Fall wegen Aids." Die Medienschelte ist mittlerweile weitgehend verstummt. Der kleine David entwickelte sich - laut Bericht der zuständigen Adoptionsbehörde - sehr positiv, und die neuen Eltern Ciccone Ritchie dürfen ihn bis auf weiteres bei sich behalten.

Dabei hatte der leibliche Vater des Jungen zwischendurch Bedenken angemeldet. Der gläubige Christ wollte unter anderem vermeiden, dass sein Sohn beschnitten wird. Seine Befürchtungen sind nicht an den Haaren herbei gezogen. Denn Madonna ist seit einigen Jahren Kabbala-Anhängerin.

Jedes Jahr eine neue Heilslehre

Ihren Glauben wechselte sie eine Zeitlang so häufig wie ihr Styling. Sie wurde katholisch erzogen, lehnte sich aber am Anfang ihrer Karriere gegen die Kirche auf. Sie legte sich mit dem Vatikan an, als sie in ihrem Videoclip zu "Papa don't Preach" einen von der Statue zum Leben erweckten schwarzen Jesus küsste. Anfang der 90er Jahre entdeckte sie den Santería-Kult, wo man unter anderem Sonnenblumen mit Honig bestreicht. "Santería hat mich ruhiger gemacht. Ich bin durch eine kubanischen Freunde darauf gekommen. Aber letzten Endes sind das heidnische Rituale, die nichts zu meiner spirituellen Entwicklung beigetragen haben", sagte sie 1998.

Da war sie schon längst passionierte Yoga-Praktizierende. Sting hatte sie darauf gebracht. "Als Madonna uns eines Tages besuchte, schneite sie ins Wohnzimmer, als ich dort gerade meine Yogaübungen machte", erinnert sich der britische Popstar. Sie fragte: 'Was ist das denn?' Ich sagte: 'Das ist Yoga. Das solltest du auch mal ausprobieren.' Ich schickte sie zu meinem Lehrer. Sie wurde dann eine sehr fortgeschrittene Yogi", fügt er mit einem gewissen Respekt hinzu.

Im Song "Shanti" von ihrem 98er Album "Ray Of Light" sang sie Sanskrit-Gebete aus dem 13. Jahrhundert. "Diese Gebete spreche ich vor meinen Ashtanga-Yogaübungen. Außerdem habe ich eine Zeitlang Sanskrit studiert, weil mich der Klang der Wörter fasziniert", erzählte sie und referierte dann erstaunliches: "Yoga verändert die DNS Struktur. Es verändert dich total: Dein Aussehen, wie du dich fühlst, wie du gehst und sprichst. Es sickert in dein Leben."

Vom Yoga zur Kabbala

Inzwischen widmet sie sich dem Studium der Kabbala. Einen großen Vorteil hat ihre neue Passion: Madonna spannt jetzt immer freitags aus. Denn das schreibt die Kabbala vor. Und so macht der Workaholic Madonna wenigstens einmal in der Woche Pause. Darüber ist auch ihre Pressefrau Liz Rosenberg erleichtert. "Madonna kann sich nicht gut zurücklehnen", erzählt sie besorgt. "Ich würde es ja zu gern sehen, dass sie einfach mal nichts tut. Dass sie nur da sitzt, aus dem Fenster guckt und sich ausruht." Aber so ist die 1,56 m große Frau aus Michigan nicht strukturiert. Sie arbeitet ständig - an ihren Projekten und an sich selbst. Sie ist ernsthafter geworden, beschäftigt sich seit einigen Jahren auch intensiver mit Politik. Und so legte sie sich 2003 mit den Republikanern in den USA an, weil sie sich in ihrem Album "American Life" gegen George W. Bush und den Irakkrieg aussprach. Im Song "4 Minutes to Save The World" von ihrem neuen Album "Hard Candy" fordert sie, dass wir alle mehr gegen den Klimawandel tun.

Außerdem engagiert sie sich seit zwei Jahren für die Hungernden im südostafrikanischen Staat Malawi. Sie drehte den Dokumentarfilm "I Am Because We Are" über die Situation der Aidswaisen dort und hat auch schon Veränderungen festgestellt: "Vor allem auf dem Landwirtschaftssektor hat sich einiges verbessert. In den letzten Jahren wurde sehr viel Aufmerksamkeit auf Malawi gerichtet. Die Menschen wissen inzwischen, wo das Land liegt. Es ist gut, dass die Regierung dort weiß, dass die Welt sie beobachtet."

Am 16. August wird Madonna 50. Der richtige Zeitpunkt, um sich mit dem Alter auseinander zu setzen? Als ich sie kürzlich darauf ansprach, entgegnete sie fast trotzig: "Wichtig ist dieser Termin nur für alle anderen. Für mich ist es einfach nur ein weiteres Jahr. Die Zahlen verändern sich. 50 ist eine Zahl wie 49 oder 51. Wir sind bloß konditioniert, das anders zu sehen."

1995 hatte sie noch ganz anders auf die Frage nach dem Alter reagiert. Allerdings hatte sie da noch ein paar weitere Jahre voraus gedacht. "Mit 70 werde ich genau so rebellisch und anspruchsvoll sein wie jetzt", prophezeite sie, "Ich sehe mich als alte Frau, die eine Kunstgalerie führt und andere Künstler unterstützt. So wie Peggy Guggenheim oder Dorothy Parker. Ich werde eine Horde kreativer Menschen zusammen trommeln. Und dann unterhalten wir uns über Kunst, Musik und Reisen. Und dazu gibt's Cocktails oder Tee." Von einem Lebenspartner war in ihrer Zukunftsvision nicht die Rede. Peggy und Dorothy kamen auch ohne aus.

Christiane Rebmann

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