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Lady Gaga und die Schniedelfrage

Popstar Lady Gaga, bisher für ihre offensiv zur Schau gestellte Weiblichkeit bekannt, wird mit dem Bekenntnis zitiert, sie habe einen Penis - und zahlreiche Medien tragen dies weiter. Die Aufregung um die obskure Meldung verrät viel darüber, wie in der heutigen Zeit Aufmerksamkeit erzeugt wird.

Von Carsten Heidböhmer

"Ja, ich habe männliche und weibliche Genitalien. Ich habe einen kleinen Penis". Mit diesen Aussagen wird Popstar Lady Gaga in dem Internet-Blog "Gone Hollywood" zitiert. Die genaue Herkunft dieser Aussage wird nicht genannt, und neu ist dieses Statement auch nicht. Dennoch steigen zahlreiche Medien darauf ein. Ausgelöst wurde die Debatte durch ein Foto von Lady Gagas Auftritt in Glastonbury. Dort war die Sängerin in einem kurzen Kleid aufgetreten, das freie Sicht auf ihren Slip gewährte, unter dem sich eine leichte Beule abzeichnet - etwa ein Penis? Erst durch diese Spekulationen gelangte Lady Gagas altes Statement wieder an die Öffentlichkeit.

Viele Boulevardmedien zitieren nun die Aussage genüsslich, nicht ohne scheinbar kritisch nachzufragen: Ist das Bekenntnis etwa ernst gemeint - oder handelt es sich doch nur um einen weiteren PR-Gag der Inszenierungskünstlerin? Doch diese Frage zielt an dem wesentlichen Punkt vorbei. Viel interessanter als die Beantwortung dieser Frage - zu deren Klärung die Öffentlichkeit ganz offensichtlich nicht über die nötigen Einblicke verfügt - ist etwas ganz anderes: Der mediale Hype deutet an, wie man künftig überhaupt noch Aufreger produzieren kann.

Großes Vorbild Madonna

Bislang lief alles über mediale Inszenierungen. Lange Zeit galt hier Madonna als Meisterin des öffentlichen Rollen-Spiels. Ob als verruchte Jungfrau, als Marilyn-Monroe-Kopie, als Muttertier oder toughe Geschäftsfrau - Madonna war nie auf eine Rolle festzulegen und überraschte mit immer neuen Verwandlungen, mit denen sie regelmäßig an Tabus rührte. Mal provozierte sie mit blasphemischen Videos die Christen, dann inszenierte sie sich als peitschenschwingende Domina, dann wieder simulierte sie eine Masturbation und tausche öffentlich Küsse mit Frauen aus.

Lange Zeit schien es, als gebe es nach Madonna keine Tabus mehr zu brechen. Ihre Nachfolgerinnen wie Britney Spears oder Christina Aguilera bedienten sich schamlos und mit großem Erfolg der von Madonna etablierten Verwandlungsmöglichkeiten. Auch Lady Gaga begnügte sich bislang mit ihrem Status als gerade aktuellste Wiedergängerin von Madonna: Ihre stark angesexten Auftritte und provokanten Outfits verschafften ihr immer wieder die nötigen Schlagzeilen - doch richtig vom Hocker rissen sie niemanden. Das Feld der Inszenierung scheint seit Madonna abgegrast.

Will man heute noch für Aufsehen sorgen, so muss man sich von der (äußerlichen) Inszenierung abwenden und die Provokation in seinen Körper verlegen. In Zeiten, wo immer mehr Menschen ihre Freundschaften online pflegen und viele Stunden am Tag in virtuellen Welten abtauchen, ist die Inszenierung zur Selbstverständlichkeit geworden. Ob Madonna ihren Orgasmus auf der Bühne vorspielt oder sich zwei Menschen im Chatraum beim Cybersex Geschlechtsverkehr simulieren, ist dann gar nicht mehr so ein großer Unterschied. Wer heute die Medien zum Hyperventilieren bringen will, muss seinen Körper einsetzen.

Die starke Verbreitung von Tattoos und Piercings seit den 90er Jahren wies schon den Weg. Deutlich wird diese Tendenz auch an dem großen Bekanntheitsgrad des Independent-Musikers Pete Doherty - bei dem sich die Öffentlichkeit nicht sattsehen kann, wie er öffentlich seinen Körper mit Heroin vergiftet. Und die Verehrung, die Michael Jackson nach seinem Tod erfahren hat, lässt sich in diesem Licht noch ganz anders deuten: Jackson war der erste Star, der massive Eingriffe in seine Körperlichkeit vorgenommen hat, die weit über die inzwischen üblichen Schönheitsoperationen hinausgehen. Ein Schwarzer, der weiß wird, eine Frau mit Penis - nur wer unter verschärftem Körpereinsatz einen Mythos um sich kreiert, steigt zum Superstar auf.

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