Lady Gaga und die Schniedelfrage

5. August 2009, 12:43 Uhr

Popstar Lady Gaga, bisher für ihre offensiv zur Schau gestellte Weiblichkeit bekannt, wird mit dem Bekenntnis zitiert, sie habe einen Penis - und zahlreiche Medien tragen dies weiter. Die Aufregung um die obskure Meldung verrät viel darüber, wie in der heutigen Zeit Aufmerksamkeit erzeugt wird. Von Carsten Heidböhmer

Lady Gaga, Penis, Madonna

Was sich hinter der Gesichtsmaske verbirgt, wissen wir. Doch jetzt spekulieren die Medien auch noch darüber, was sich in Lady Gagas Hose verbirgt©

"Ja, ich habe männliche und weibliche Genitalien. Ich habe einen kleinen Penis". Mit diesen Aussagen wird Popstar Lady Gaga in dem Internet-Blog "Gone Hollywood" zitiert. Die genaue Herkunft dieser Aussage wird nicht genannt, und neu ist dieses Statement auch nicht. Dennoch steigen zahlreiche Medien darauf ein. Ausgelöst wurde die Debatte durch ein Foto von Lady Gagas Auftritt in Glastonbury. Dort war die Sängerin in einem kurzen Kleid aufgetreten, das freie Sicht auf ihren Slip gewährte, unter dem sich eine leichte Beule abzeichnet - etwa ein Penis? Erst durch diese Spekulationen gelangte Lady Gagas altes Statement wieder an die Öffentlichkeit.

Viele Boulevardmedien zitieren nun die Aussage genüsslich, nicht ohne scheinbar kritisch nachzufragen: Ist das Bekenntnis etwa ernst gemeint - oder handelt es sich doch nur um einen weiteren PR-Gag der Inszenierungskünstlerin? Doch diese Frage zielt an dem wesentlichen Punkt vorbei. Viel interessanter als die Beantwortung dieser Frage - zu deren Klärung die Öffentlichkeit ganz offensichtlich nicht über die nötigen Einblicke verfügt - ist etwas ganz anderes: Der mediale Hype deutet an, wie man künftig überhaupt noch Aufreger produzieren kann.

Großes Vorbild Madonna

Bislang lief alles über mediale Inszenierungen. Lange Zeit galt hier Madonna als Meisterin des öffentlichen Rollen-Spiels. Ob als verruchte Jungfrau, als Marilyn-Monroe-Kopie, als Muttertier oder toughe Geschäftsfrau - Madonna war nie auf eine Rolle festzulegen und überraschte mit immer neuen Verwandlungen, mit denen sie regelmäßig an Tabus rührte. Mal provozierte sie mit blasphemischen Videos die Christen, dann inszenierte sie sich als peitschenschwingende Domina, dann wieder simulierte sie eine Masturbation und tausche öffentlich Küsse mit Frauen aus.

Lange Zeit schien es, als gebe es nach Madonna keine Tabus mehr zu brechen. Ihre Nachfolgerinnen wie Britney Spears oder Christina Aguilera bedienten sich schamlos und mit großem Erfolg der von Madonna etablierten Verwandlungsmöglichkeiten. Auch Lady Gaga begnügte sich bislang mit ihrem Status als gerade aktuellste Wiedergängerin von Madonna: Ihre stark angesexten Auftritte und provokanten Outfits verschafften ihr immer wieder die nötigen Schlagzeilen - doch richtig vom Hocker rissen sie niemanden. Das Feld der Inszenierung scheint seit Madonna abgegrast.

Will man heute noch für Aufsehen sorgen, so muss man sich von der (äußerlichen) Inszenierung abwenden und die Provokation in seinen Körper verlegen. In Zeiten, wo immer mehr Menschen ihre Freundschaften online pflegen und viele Stunden am Tag in virtuellen Welten abtauchen, ist die Inszenierung zur Selbstverständlichkeit geworden. Ob Madonna ihren Orgasmus auf der Bühne vorspielt oder sich zwei Menschen im Chatraum beim Cybersex Geschlechtsverkehr simulieren, ist dann gar nicht mehr so ein großer Unterschied. Wer heute die Medien zum Hyperventilieren bringen will, muss seinen Körper einsetzen.

Die starke Verbreitung von Tattoos und Piercings seit den 90er Jahren wies schon den Weg. Deutlich wird diese Tendenz auch an dem großen Bekanntheitsgrad des Independent-Musikers Pete Doherty - bei dem sich die Öffentlichkeit nicht sattsehen kann, wie er öffentlich seinen Körper mit Heroin vergiftet. Und die Verehrung, die Michael Jackson nach seinem Tod erfahren hat, lässt sich in diesem Licht noch ganz anders deuten: Jackson war der erste Star, der massive Eingriffe in seine Körperlichkeit vorgenommen hat, die weit über die inzwischen üblichen Schönheitsoperationen hinausgehen. Ein Schwarzer, der weiß wird, eine Frau mit Penis - nur wer unter verschärftem Körpereinsatz einen Mythos um sich kreiert, steigt zum Superstar auf.

KOMMENTARE (10 von 10)
 
juergen51 (06.08.2009, 10:18 Uhr)
das zeigt....
doch nur ,das es heute nur noch mainstreamjournalisten oder aushilfsschreiber gibt.
vor 20 jahren war der stern mal gut aber heute unterscheidet er sich nicht viel von der blöd-und anderen sg.zeitungen.
schade drum
germinal (06.08.2009, 00:12 Uhr)
Jörges
Weiß eigentlich der Jörges, welcher Mist hier im Netz vom stern geschrieben wird? Ist er sich darüber im Klaren, daß sein Zwischenruf in einem Blatt erscheint, welches um Aufmerksamkeit giert, wie ein kleiner Junge mit ADHD? Oder ist das hier etwa die "Bunte"?
Oder gehört das hier alles ins Sommerloch (um auf diesem Niveau zu bleiben :-))))))
Oder sind die Verantwortlichen alle im Urlaub?
MRP66 (05.08.2009, 22:27 Uhr)
Dachte ich mir doch gleich...
Gaga is ne Transe! Ich habe schon ein paar in den USA fotografiert, die Ähnlichkeiten sind nicht abzustreiten.
Die waren auch alle ein bisschen Gaga :)
Mindsplitting (05.08.2009, 21:17 Uhr)
Das ist mit Abstand
Der abgewrackteste, Sinnloseste und Niveauloseste Artikel den ich jeh auf Stern gelesen habe.
Wenn ihr als seriöses NAchrichtenmagazin erhalten bleiben wollt würde ich die News direkt löschen. Sowas liest man eigentlich nur bei Bild und Shortnews und geredet wird darüber eigentlich auczh nur bei vorpubertären Vorschulkindern.
mighty_bender (05.08.2009, 18:19 Uhr)
@Thomba55
Aha. Und wer ist die graue Eminenz hinter dem Mädel? Ich bin kein Fan, aber dass sie live singen kann, lässt sich recht fix nachvollziehen. Google ist dein Freund...
hraban (05.08.2009, 17:41 Uhr)
Lieber Herr Heidböhmer...
... ich wollte auch meinen Kommentar zu ihrem Artikel abgeben. Aber mir fällt einfach nix dazu ein. Hab den Artikel 2-3x durchgelesen -ne! Aber trotzdem Respekt: wie man aus so einer Belanglosigkeit eine ganzseitige Abhandlung machen kann und sich Parallelen aus 25 Jahre Popgeschichte aus irgendeiner Gehirnwindung zieht, ne wirklich: Respekt!
jo--jo (05.08.2009, 16:57 Uhr)
Die Lady...
... ist "gaga" :)
HardCheck (05.08.2009, 16:56 Uhr)
LadyGAGA
wer ist das?
muss ich die kennen?
kann sie die wirtschafskrise besiegen? oder besser! wenn die welt sich über solche leute noch einen kopf macht, kann es gar nicht so schlimm um uns stehen!
hoffentlich kommt bald mal wieder ein großer krieg! dann können wir danach von vorne anfangen...
Thomba55 (05.08.2009, 16:41 Uhr)
das ganze erinnert
mich sowieso sehr an Frank Farian. Die Älteren wissen vielleicht noch: Boney M. und Milli Vanilli als Marionetten und der gute Frank sang das Playback. Ich sag nur Ma Ma Ma Ma....
tepes (05.08.2009, 16:03 Uhr)
nicht nur die Boulevardmedien
fallen darauf rein, liebe STERN-Redaktion ;)
auch wenn ihr es ein bißchen kritischer sieht, ihr berichtet darüber und macht indirekt Werbung für diese Sängerin (oder Sänger, ist mir eigentlich auch egal!!)
Tja, es gibt schon schlaue Leute da draußen, die genau wissen, dass man heute kein Talent mehr braucht, sondern nur Aufmerksamkeit.
POP-Musik ist halt keine Kunst, wie andere Musikrichtungen, sondern reines Entertainment.
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