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28. Dezember 2004, 14:59 Uhr

Von Prinzessinnen und Rabauken

Die Rückkehr etablierter Popgrößen, ungeanhnte Erfolge deutscher Bands und zwei Prinzessinnen - das zurückliegende Musikjahr brachte viel Abwechslung in die Charts.

Norah Jones gehört zu den erfolgreichsten Künstlerinnen des Musikjahres 2004© Richard Drew/AP

Es waren einmal zwei Pop-Prinzessinnen, die trug der Mainstream ganz nach oben in die Charts. Da gefiel es ihnen so gut, dass sie ganz lange dort verweilten. Der wahre Kern des Märchens ist, dass Anastacia und Norah Jones die erfolgreichsten Künstlerinnen des Jahres 2004 waren: Mindestens fünf Wochen waren sie mit ihren Alben auf Platz eins der deutschen Verkaufscharts und hielten sich lange, verstärkt von erfolgreichen Tourneen, in den Top 5. Bei den Männern gelang nur dem unvermeidlichen Robbie Williams Ähnliches: Mit seinem Live-Album dominierte er wochenlang zu Jahresanfang, mit seinen "Greatest Hits" zum Jahresende die Charts.

Überraschend nachhaltig war der Charterfolg einer verfemten Band, die eine ausverkaufte Abschiedstournee absolvierte und mit "Adios" drei Wochen Nummer 1 war: Die Böhsen Onkelz. Und natürlich landeten alle mit einem hinreichend großen Namen übers Jahr verstreut ganz oben, wenn sie ein Album auf den Markt warfen: Prince, Dido, George Michael, Alanis Morissette, Avril Lavigne, The Corrs, The Cure, Bryan Adams, Green Day, R.E.M., Eminem, Seal, U2... Als neuer Soulstar etablierte sich Joss Stone. Ray Charles starb im Alter von 73 Jahren.

Deutsche Künstler erfolgreich

Besser als ihr schlecht geredeter Ruf präsentierten sich die deutschen Künstler: Da zieht sich eine Spur bunter Vielfalt durch die wöchentlichen Verkaufscharts. Laith Al-Deen, Wir sind Helden, Dick Brave alias Sasha, Rosenstolz, die Sportfreunde Stiller, die Söhne Mannheims, die Fantastischen Vier, Samy Deluxe, Die Ärzte und die Toten Hosen sowie Rammstein platzierten sich allesamt in den Top 5. Silbermond und Juli kamen aus dem Nichts und etablierten sich mit "Perfekter Welle" und dem Aufruf zur Zeitverschwendung. Auch für 2Raumwohnung, Max Herre und Gentleman war in den häuslichen CD-Regalen Platz. Und ja, geben wir es zu, auch für Pur, Yvonne Catterfeld, Andrea Berg und De Randfichten sowie Reinhard Mey, BAP und die Scorpions...

Die Vielfalt ist zu einem großen Teil dem auf ein Rekordtief abgesenkten Umsatzniveau geschuldet - oder zu verdanken. Nie, so scheint es, war es einfacher, in die Charts zu kommen, weil man nie zuvor so wenig Alben dafür verkaufen musste. Die Musikindustrie brach in ihrem Frust zur Popkomm deshalb mal wieder eine Quotendebatte vom Zaun - als ob der Dudelfunk sie aus dem Tief spielen könnte, indem mehr aus deutschen Landen in den CD-Spieler kommt.

Rumänischer Sommerhit

Dabei legen die Popsender ja schon bereitwillig alles auf, was ein bisschen anders als das üblich-seichte Einerlei klingt. Maroon 5 kamen so ganz nach oben, den Sommerhit landete aber mit O-Zone eine Band, die rumänisch singt: "Dragostea Tin Dei" war zehn Wochen lang Nummer eins der Single-Charts. Das ist umso bemerkenswerter, weil Nelly Furtado mit ihrem Fußball-EM-Hit "Forca" am Start war und oft in Funk und Fernsehen zu hören war. Auf den Pop-Wellen nicht zu hören war "Dr Alte Holzmichl", der aber trotzdem in den Single-Verkaufscharts ein gutes Leben führte.

In 2004 wurde der Rock'n'Roll 50. Anlass genug, sich zu erinnern, was diese Musik groß machte: Es war vor allem ein Lebensgefühl. Und dieses Lebensgefühl wurde von Radio-DJs multipliziert, die eben nicht nur den angeblich besten Mix abspielten, sondern Künstler vorstellten, zu Wort kommen ließen und die von ihnen gespielte Musik einfach "lebten".

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