. .
Musik-News
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
14. Oktober 2008, 14:35 Uhr

Wer hören will, muss zahlen

Der Musikfan ist anspruchsvoll. Er will möglichst viele Songs am besten gratis überall hören können. Einziges Problem: Die Plattenfirmen und Künstler hätten gerne ein bisschen Geld dafür. Der Konflikt scheint derzeit lösbarer denn je. Von Johannes Gernert

Künstler wie Kanye West und DJ Steve Aoki gehen auf Myspace Music Tour© Frank Micelotta/Getty Images

Jamie Kantrowitz projiziert die deutsche Zukunft auf eine Leinwand. In den USA ist diese Zukunft schon Gegenwart. Kantrowitz, knapp über 30, Vizechefin von Myspace International, sitzt im Büro des Sozialnetzwerks in Berlin-Mitte. Sie hat einen Laptop aufgeklappt, der auf der Rückseite voller bunter Aufkleber ist. Neben Kantrowitz sitzt der Deutschland-Chef des Labels Sony BMG und schaut auf die Leinwand. Kantrowitz loggt sich in ihren Myspace-Account ein, und man sieht eine Liste mit allen Songs, die sie zuletzt gehört hat. Sie tippt den Namen für eine neue Playlist ein: "Berliner Rocks". Der Sony-Chef lacht.

Kantrowitz geht auf die Seite des US-Rappers T.I., dort sind alle seine Alben aufgeführt, jeder Titel. Sie entscheidet sich für "Whatever you like" und zieht das Stück in ihre Playlist. Bis zu 100 Songs lang kann die Liste werden. Die Auswahl ist riesig. Alle vier Major-Labels haben ihre Kataloge zur Verfügung gestellt. Von Amy Winehouse bis ZZ Top sind tausende Künstler mit ihrem gesamten Werk vertreten. Kantrowitz klickt auf den Myspace-Player, der als neues Browser-Fenster aufpoppt. Aber auch wenn sie sich bei Myspace abmeldet, kann sie "Whatever you like" von T.I. und sämtliche andere Titel beim Surfen anhören. Gratis.

Versuch einer Versöhnung

Das neue Angebot, das Kantrowitz hier vorführt, heißt Myspace Music. Es ist gerade in den USA gestartet, und es könnte ein Schritt in Richtung Versöhnung sein. Einer Wiederannäherung zwischen Musikliebhabern und Plattenindustrie. Der Graben ist tief: Die einen haben sich daran gewöhnt, dass Musik dank des Internets in rauen Mengen verfügbar ist und wollen dafür möglichst wenig zahlen. Die anderen sind beleidigt, dass die ehemaligen Kunden kaum noch CDs kaufen und kämpfen gegen die Gratis-Kultur im Netz, indem sie Online-Piraten in Grund und Boden klagen.

Zwar profitieren die Labels auch von einer steigenden Zahl von Download-Verkäufen - gerade erst hat eine Studie ergeben, dass in Deutschland insgesamt zwölf Millionen Songs in Internet-Shops verfügbar sind, acht Millionen davon beim Marktführer iTunes. Demnach sind 30 Prozent mehr Titel als im Vorjahr heruntergeladen worden. Die Einbrüche im CD-Geschäft aber kann das lange nicht wettmachen.

200 Millionen User

Bei Myspace Music arbeiten Myspace und die größten vier Labels nun zusammen. Auch eine Indie-Firma ist dabei, mit den anderen wird gerade noch zäh verhandelt. Die Versöhnung sieht so aus: Die mehr als 200 Millionen registrierten User bekommen ein riesiges Angebot an Songs, das sie online gratis hören können. Währenddessen wird über Banner Werbung gezeigt. Auch der Myspace-Player ist gesponsert: In Amerika gibt es einen Toyota Tuesday, das ist der Tag an dem die neuen Stücke heraus kommen. Über die Werbung verdienen die Labels Geld.

Jamie Kantrowitz, Vizechefin von Myspace International© Myspace

Ein alternatives Geschäftsmodell, sagt Kantrowitz: "Sie können sich so ein neues Wirtschaftsumfeld aufbauen". Außerdem hat die Industrie auch etwas davon, wenn dank des Internet-Shops von Myspace Music die Download-Zahlen weiter steigen. Neben jedem Song findet sich ein "Buy-Button". Der versöhnliche Teil für den Kunden: Die Titel aus dem Shop sind Kopierschutz-frei. Er kann damit machen, was er möchte und muss sich nicht mit verschiedensten Formaten wie AAC, WMA oder M4a herumärgern, die nicht mit jedem MP3-Player harmonieren.

Die Plattenfirmen gehen mit dem massiven Streaming-Angebot, das es so im Netz bisher nicht gab, ein enormes Risiko ein. In gewisser Weise akzeptieren sie damit die Gratis-Kultur. Im Gegenzug werden sie an den Einnahmen beteiligt. Es gibt erste Anzeichen, dass die Annäherung funktionieren könnte. Etwa eine Milliarde Songs haben Online-Hörer nach dem Start von Myspace Music in den USA per Streaming abgerufen, verkündet Kantrowitz.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
tomtom316 (14.10.2008, 20:15 Uhr)
Qualität vor Quantität
oder wie war das?
Bei der angebotenen Flut an minderwertigen Tonträgen zu horenden Preisen braucht sich doch keiner wundern wieso man sein Geld nicht mehr dafür ausgibt.
Ist doch das gleiche wie mit Kinofilmen. Wenn nichts gutes läuft gibt man dafür definitiv nicht sein Geld aus. Vielleicht müssen dafür aber erst manche Leute weniger verdienen um Ihre Lebensstandards zu halten damit sich etwas an der Denke ändert...
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Necros (14.10.2008, 19:34 Uhr)
Hoffentlich die Wende...
Für mich war Ende, als die Plattenfirma allen Ernstes behaupteten, für eine CD seien Preise um die 40 DM angemessen. Als ich dann noch CDs kaufen sollte, die ich nicht auf dem Computer oder im Auto abspielen konnte, hörte ich mit dem Kauf von CDs auf. Nun kaufe ich nur noch billig und selten gebraucht, bzw. von einigen Independant-Labels, die niemals die pure Abzocke versucht haben (früher waren es hingegen ca. 400 DM im Monat). Vielleicht bekommen die Firmen ja nochmal die Kurve, aber wenn ich an Leute wie Gorny und seine Lobbyisten denke, ist das eher unwahrscheinlich.
Josh67 (14.10.2008, 19:23 Uhr)
Qualität
Ich möchte gerne für meine Musik zahlen. Das tue ich auch.
Trotzdem kopiere ich einem Kumpel eine CD. Früher habe ich Kasseten benutzt. Da hat sich niemand dafür interessiert und die Musikindustrie wurde trotzdem Stinkreich!
Da hatte die Musik allerdings Qualität!!!
Auch die Stereoanlagen hatten Qualität.
Heute ist fast alles Schrott!!!
Meine CD´s bestelle ich Ausschlieslich in den USA oder Japan OHNE Kopierschutz. Eben wegen der Qualität.
flodo (14.10.2008, 19:14 Uhr)
Ein BISSCHEN Geld????
Schaut doch mal, was die Plattenbosse und "Sänger" verdienen... So lange die im Geld schwimmen - gibt es keine Gründe wieder die horrenden Preise (5-10€ für eine Maxi mit 3 Liedern) zu zahlen.
vegefranz (14.10.2008, 18:58 Uhr)
@johnny - radiohead
Thema Radiohead: "dumm und dämlich verdient" - das ist eine gute thematik. ich habe mich auch schon mehrfach in Diskussionen befunden, in denen keiner richtig wusste, ob es denen (ausser natürlich viel good will) Geld eingebracht hat. Wo findet man etwas dazu?
johnniedeamonic (14.10.2008, 18:28 Uhr)
.....
vor kurzem erst eine Auswertung heruntergeladener Dateien gesehen, 70% davon waren MP3's aber davon war der größte Teil älter als 15 Jahre (das ist zwar immernoch illegal, aber es wiederspricht dem Kommentar der Plattenkonzerne wonach sich alle "Neuen" Alben schlechter Verkaufen wegen den Downloads)
Den neuen kram will einfach nichtmal wer umsonst haben ;)
Man kann natürlich auch einen Aufstand wie Metallica machen,
ein Album nur auf Gold statt Platin bringen und dann die treuen Fans als Diebe beschimpfen wegen den downlaods, oder man macht es wie Radiohead, stellt das neuste Album kostenlos zum Download, mit der Option etwas Geld an die Interpreten zu Spenden und fängt an sich dumm und dämlich zu vedienen ohne die Konsumenten an af die man angewiesen ist zu beschimpfen....gibt halt immer 2 Seiten....
MEHR ZUM ARTIKEL
Fran Healy im Interview Travis steigen aus

Alle Jahre wieder zum Branchentreff Popkomm jammert die Musikindustrie über sinkende Verkaufszahlen und Piraterie. Travis-Frontmann Fran Healy hat die Zukunft gesehen: Im Gespräch mit stern.de prophezeit er den Untergang der großen Plattenfirmen und eine harte Zeit für junge Bands. mehr...

Popkomm 2008 Heavy Metal meets Multikulti

Mit 400 Künstlern aus 32 Ländern ist die Musikmesse Popkomm in diesem Jahr so international wie nie. Partnerland des Berliner Megaevents ist die Türkei. Und trotz unverstummten Totengesangs auf die Musikbranche haben sich mehr als 2300 Bands und Solokünstler auf dem Festival beworben. mehr...

Illegaler Datentausch Musikindustrie setzt auf Abschreckung

Die Vertreter der Musikindustrie jammern und versuchen alles, um den illegalen Download ihrer Waren im Netz zu stoppen. So initiieren sie jährlich tausendfache Strafverfahren gegen Urheberrechts-Verletzer. Jetzt wollen sie sogar die Internet-Provider zu Komplizen machen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft