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Ideenklau bei Neonazis?

Immer wieder distanziert sich Frei.Wild von rechtem Gedankengut. Nun wirft ausgerechnet eine Nazi-Band den Südtirolern vor, Teile aus ihren Songs gestohlen zu haben. Der Fall geht vor Gericht.

Die Band Frei.Wild muss sich vor dem Hamburger Landgericht wegen Urheberrechtsverletzung verantworten

Die Band Frei.Wild muss sich vor dem Hamburger Landgericht wegen Urheberrechtsverletzung verantworten

Für die einen sind es harmlose Songs über Heimatliebe, für die anderen ist es provokanter Patriotismus: Die Südtiroler Rockband Frei.Wild sorgt regelmäßig für Wirbel in der Musikszene. Im Februar zogen Sponsoren des "With Full Force"-Festivals ihre Unterstützung zurück, weil die Rockband dort auftreten sollte. Im März kam es zum Eklat beim Musikpreis Echo, weil mehrere Musiker derselben Kategorie - darunter die deutsche Elektropop-Gruppe Mia. und die Chemnitzer Rocker von Kraftklub - ihre Nominierung zurückzogen. Dem Erfolg der Band hat das keinen Abbruch getan, im Gegenteil: Ende April schaffte es Frei.Wild zum ersten Mal ihrer Karriere mit einer Sonderedition ihrer Platte "Feinde deiner Feinde" auf Platz eins der Album-Charts. Nun droht der Band der nächste Skandal.

Rechte Vergangenheit von Frei.Wild-Frontmann

Jens H., ein laut "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") wegen Volksverhetzung vorbestrafter Rechtsextremist, erhebt gegen die Südtiroler den Vorwurf der Urheberrechtsverletzung. Er ist laut eigener Aussage Mitglied der Neonazi-Band Stahlgewitter, eine der populärsten Gruppen dieses Genres. Ihre Texte glorifizieren den Nationalsozialismus und Antisemitismus, weshalb sämtliche sieben CDs in Deutschland indiziert sind.

Laut dem "SZ"-Bericht soll Frei.Wild einen wesentlichen Bestandteil eines der Stahlgewitter-Lieder geklaut haben. Konkret geht es um einen markanten Gitarrenriff zu Beginn des Songs, der angeblich im Lied "Schenkt uns Dummheit, kein Niveau" vom 2010 veröffentlichten Frei.Wild-Album "Gegengift" übernommen wurde. Die umstrittene Stelle dauert nur wenige Sekunden, doch die Ähnlichkeit ist frappierend. Nun wird der Fall am Hamburger Landgericht verhandelt.

Brisant: Komponist des Frei.Wild-Songs ist Sänger und Frontmann Philipp Burger, der zuvor bei einer rechtsextremen Skinhead-Band namens Kaiserjäger Mitglied war. Er macht keinen Hehl daraus, dass er früher rechtsextrem war und sich in der Partei "Die Freiheitlichen" engagiert hat, einer Art Schwesterpartei der rechtspopulistischen FPÖ. Mittlerweile hat sich Burger in einigen Interviews von seiner Vergangenheit distanziert. Von der Band Stahlgewitter habe er aber noch nie etwas gehört, wie ein Frei.Wild-Sprecher der "SZ" mitteilte. Zudem haben die Südtiroler "bis zur Geltendmachung der bezeichneten Ansprüche keinerlei Kenntnis" von der Neonazi-Band gehabt.

Verräter der rechten Szene

Ist der übernommene Riff nur ein Zufall oder dreister Ideenklau? Laut einem von Jens H. im Oktober 2010 beauftragten Gutachter wurde die umstrittene Passage "unverkennbar übernommen", eine "zufällige Doppelschöpfung" sei demnach unwahrscheinlich. Aus seiner Sicht stelle das Lied eine Urheberrechtsverletzung dar. Die Einschätzung kommt H. gelegen: Er wolle "gegen diese Kapelle" vorgehen, heißt es in dem Bericht. In der rechten Szene werden Frei.Wild als Verräter gesehen, die mit stark patriotischen Texten lediglich die Verkaufszahlen in die Höhe treiben wollen.

Der Ausgang des Verfahrens ist offen: Ein vom Gericht beauftragter Zweitgutachter hat den Plagiatsvorwurf mit der Begründung zurückgewiesen, dass der mutmaßlich übernommene Gitarrenriff für die entsprechende Passage nicht wesentlich sei. Denn im Gegensatz zu Erstgutachter, der nur eine vom Gesang befreite Instrumentalversion untersuchte, bekam der zweite Experte die Originalversion des Songs zu hören, in der die umstrittene Stelle von Gesang überlagert ist. Ob Jens H. am finanziellen Erfolg der Band teilhaben wird, bleibt zweifelhaft. Zur mündlichen Verhandlung kommt es am Hamburger Landgericht laut "Spiegel Online" am 18. Juli 2013.

cf

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