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10. Mai 2006, 12:00 Uhr

"Setzt den Präsidenten ab!"

Rockhaudegen Neil Young gibt den zornigen alten Mann: Sein neues , hastig produziertes Album "Living with War" fordert die Bush-Administration heraus - mit verzerrten Gitarren und unzweideutigen Textzeilen.

Revolution der Rentner: Neil Young© Rick Wilking/Reuters

Neil Young ist ins Studio gegangen, hat am Gitarrenverstärker die Taste "Overdrive" gedrückt und dann seinen Ärger rausgehauen: "Living With War" ist eine politische Kampfansage an George W. Bush - mit hart treibendem Rock und verzerrten Gitarren. Hinzu kommt ein schwungvoll mitsingender Chor, der jede Zeile, die Young mit dünner Stimme singt, doppelt unterstreicht.

Der alte Rock-Haudegen hat die Zeitläufte schon seit jeher musikalisch begleitet - und dabei häufig seine politische Position geändert: 1970 stellte er sich mit dem Song "Ohio" über eine Studentenrevolte jener Tage gegen die repressive Gewalt der Nixon-Regierung. Den Fall des Eisernen Vorhangs kommentierte er mit mit der Freiheitshymne "Rocking In The Free World". Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 betätigte er sich mit dem Song "Let's Roll" dann als zornigen Patrioten und unterstützte den Krieg gegen den Terror.

Keine Feinheiten, keine Platitüden

Doch inzwischen findet er den Krieg doch wieder nicht so gut. Seine Meinung über George W. Bush tut er mit deutlichen Worten kund: "Let's Impeach The President" ("Entlasst den Präsidenten") und "Looking For A Leader" ("Auf der Suche nach einem Leader") lassen auch nicht die Spur einer Zweideutigeit zu. Dennoch hat Young nicht einfach ein Alt-68er-Agitprop-Rock-Album gemacht - und genau das ist bei aller textlichen und musikalischen Schlichtheit sein großes Kunststück. "Living With War" langweilt nicht mit Platitüden, obwohl man sie der Young'schen Holzschnitt-Lyrik leicht nachweisen könnte. Dieser schnörkellose Rock reißt mit, auch wenn der Mann schon 60 Jahre alt ist.

Immerhin: Die jungen dynamischen DJs vieler US-Radiosender spielen "Looking For A Leader" rauf und runter, wie Young auf seiner Webseite stolz mitteilt - entgegen aller Prognosen über das Verhalten der Medien im Mainstream-Amerika. Neil Young rocks - die nächste Revolution machen wohl die Rentner.

Mehr über Neil Young ... und sein neues Album ist auf seiner Website zu finden:
www.neilyoung.com
Ein Interview, das Young dem US-Sender CNN zum neuen Album gegeben hat, ist zu sehen unter:
www.youtube.com

AP
 
 
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