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Bloc Party kommt von der Notlage zur Notlüge

Mit "Four" veröffentlicht die britische Band Bloc Party dieser Tage ihr viertes Album. Darauf überrascht das Quartett mit den wohl härtesten Riffs ihrer Karriere und mit neu gefundener Spielfreude.

Vier Jahre Pause, alle vier Mitglieder wieder an Bord, das vierte Album: "Four", das neue Werk von Bloc Party, trägt seinen Namen nicht ohne Grund

Vier Jahre Pause, alle vier Mitglieder wieder an Bord, das vierte Album: "Four", das neue Werk von Bloc Party, trägt seinen Namen nicht ohne Grund

Nach "Intimacy" (2008) wusste die Band selbst nicht genau, wie es weitergehen sollte. Angeblich suchten sie sogar nach einem neuen Sänger. Alles eine Notlüge, verrät Bassist Gordon Moakes. Jetzt hat die britische Indie-Rock-Band Bloc Party mit dem neuen Album "Four" ihre vierte Platte veröffentlicht.

Sind Notlügen eigentlich schlecht für das Karma? Letzten Winter, da hieß es plötzlich, Bloc Party seien auf der Suche nach einem neuen Sänger. Er habe den Rest der Band vor einem Aufnahmestudio in New York gesehen, ließ Sänger Kele Okereke verlauten, sei aber selbst nicht informiert gewesen. "Tja, das war geflunkert", grinst Bassist Gordon Moakes. Komischer Humor. "Kele hat eine Tendenz dazu, die Dinge in Interviews etwas auszuschmücken und zu übertreiben", startet Moakes den Versuch einer Erklärung. "Er hatte keine Lust, ein exklusives Statement zum neuen Bloc-Party-Album zu geben, also hat er sich diese Geschichte ausgedacht." Damals, im Winter 2011, wusste die britische Band nämlich selbst nicht so genau, wie es mit ihnen weitergehen würde.

Nach ihrem letzten Album "Intimacy" waren die vier Mitglieder "erschöpft, gelangweilt und voneinander distanziert", beschrieb es Okereke in seinem Blog. "Wir brauchten einfach eine Pause", sagt Moakes. "Während der ersten drei Alben kriegten wir einmal im Monat einen Kalender, der uns sagte, was wir die nächsten sechs Monate machen würden. Wir wollten, dass das aufhört und wir alle unsere Leben leben können. Keiner von uns wusste genau, wie lange diese Pause sein sollte, wir wussten nur, dass wir sie machen mussten."

Dramatisches Jahr 2011 bringt Stoff für Songs

Und so gingen 2010 alle vier ihren eigenen Weg. Gitarrist Russel Lissack trat der irischen Band Ash bei, Schlagzeuger Matt Tong zog nach New York und baute im heimischen Keller ein eigenes Studio und Kele Okereke zog ebenfalls in den Big Apple, widmete sich weiter seinem Soloprojekt und schrieb zudem an einem Buch, das 2013 erscheinen soll. Gordon Moakes derweil wurde Vater und gründete gemeinsam mit zwei Freunden die Band Young Legionnaire. "Ehrlich gesagt habe ich die anderen in der Zeit nicht oft gesehen", gibt Moakes zu. "Ich wollte immer mal zu einem Ash-Konzert gehen, schaffte es aber nie. Matt und Kele trafen sich in New York, glaube ich, ein paar Mal, aber das war's. Wir haben jahrelang in den gleichen Bussen, Flugzeugen und Konzerthallen gelebt, da fiel es uns nicht schwer, eine Zeit lang mal unser eigenes Ding zu machen."

Doch dann kam das Jahr 2011. "In Bezug auf die globale Geschichte eins der dramatischsten Jahre, das ich miterlebt habe", erklärt Okereke. "Es wurde unmöglich, vor der Welt die Augen zu verschließen, weil es schien, als würde die Geschichte sich jeden Tag neu schreiben. Also tat ich, was ich immer tue, wenn ich die Welt verstehen will, ich begann Texte zu schreiben." Okereke trommelte den Rest der Band zusammen. Als die vier erst einmal gemeinsam im Studio standen, ging alles plötzlich wie von selbst. "Die Pause hat unserer Freundschaft und der Einstellung gegenüber dem, was wir tun, definitiv gutgetan", so Moakes. "Nach zwei Monaten hatten wir über 20 Songs zusammen. Da wussten wir, dass wir ein neues Album machen würden."

Song über Lieblingsautor

Und die Ereignisse des Jahres 2011 fanden ihren Weg in die zwölf Stücke auf "Four": In "Kettling" zum Beispiel greift Okereke die Aufstände in London im letzten Sommer auf. "Es gibt eine Menge große Themen da draußen. Man kann sie verschweigen, oder sich ihrer annehmen", so Moakes. "Uns ging es bei unseren Platten schon immer darum, anzusprechen, was in unserer Welt und Gesellschaft passiert."

Dass die Songs oft wie kleine Kurzgeschichten wirken, ist übrigens kein Zufall. Nicht nur von der Arbeit an seinem eigenen Buch hat Okereke sich beeinflussen lassen - "Real Talk" basiert auf einer seiner Kurzgeschichten - sondern auch von anderen Autoren. So ist der Song "V.A.L.I.S." nach einem Buch von Sciene-Fiction-Autor Philip K. Dick benannt. Einer der Lieblingsautoren von Moakes übrigens. "Damals, als wir mit der Band anfingen, hatte ich sogar vorgeschlagen, dass wir uns 'We can build you' nennen, nach einem Roman von Dick", so Moakes. "In 'V.A.L.I.S.' geht es um die Idee, in die Zukunft blicken und mit der zukünftigen Version von einem selbst reden zu können."

Wenn das ginge, dann hätte sich der Kele Okereke aus der Zukunft bei seinem Alter Ego in der Gegenwart melden können - und ihm mitteilen, dass er sich die Notlüge hätte sparen können. Denn die Denkpause hat Bloc Party merklich gutgetan.

Bloc Party auf Deutschland-Tournee:
11.11., Hamburg, Docks
12.11., Stuttgart, Theaterhaus
13.11., Dresden, Eventwerk
15.11., München, Tonhalle

Nadine Lischick, Teleschau/TELESCHAU
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