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Seeed sind wieder da

1. Oktober 2012, 08:28 Uhr

Nach sieben Jahren präsentieren Seeed ihr neues Album. Der Solo-Erfolg von Sänger Peter Fox soll einen zusätzlichen Schub geben. Die Songs kommen aber nicht bei allen Fans gut an.

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Seeed melden sich nach langer Pause zurück©

Jeder für sich ist nur das Gesicht hinter einer Maske. Zusammen sind sie Seeed. Elf Musiker, elf Charaktere. Die wenigsten würden sie auf der Straße erkennen. Dabei hat die Berliner Band seit ihrer Gründung 1997 bereits etwa 700.000 Alben verkauft. Die letzte Seeed-Platte liegt allerdings schon sieben Jahre zurück. In der Zwischenzeit versuchte sich ein Teil der Band an Solo-Karrieren. Den Durchbruch schaffte nur Pierre Baigorry alias Peter Fox. Nun treten Seeed wieder gemeinsam ins Rampenlicht. An diesem Freitag erscheint das vierte Studioalbum mit dem Titel "Seeed". Im November und Dezember geht's auf Tour.

Der Ursprung der knalligen Bässe und lockeren Reggae-Beats liegt mitten in Berlin-Kreuzberg. Aus einer Seitenstraße geht's in den Hinterhof, von dort aus im Aufzug nach oben. Hier sind Seeed zuhause. Eine aufgeräumte Küche, frisches Obst auf dem Tisch. Proberäume, Studios. In diesen Räumen kamen die Bandmitglieder auch zuletzt immer wieder mal zusammen. "Ich hab es überhaupt nicht als Pause empfunden", sagt Frank Dellé, einer der drei Sänger. Auch er war zwischenzeitlich auf Solo-Tour, spielte jedoch vor ein paar hundert Leuten, während Peter Fox mit Top-Hits wie "Alles neu" oder "Stadtaffe" die Charts stürmte.

Auch deshalb hat Pierre Baigorry mit dem Künstlernamen Peter Fox eine besondere Position in der Band. Bei Diskussionen habe er eine Art Veto-Recht, erzählt Dellé. "Das hilft, schnell zum Punkt zu kommen." Neid oder Missgunst soll es deshalb aber nicht gegeben haben - im Gegenteil. "Es hat keine Nachteile, nur Vorteile", sagt Saxofonist Moritz Delgado. Die Bekanntheit von Peter Fox könnte dem neuen Seeed-Album und der bevorstehenden Tour sogar noch einen extra Schub geben.

Seeed ist ein Gemeinschaftsprojekt

Wenn Seeed zusammen auf der Bühne stehen, soll es allerdings nicht um den Einzelnen gehen. "Seeed kennt jeder, aber keiner weiß genau, wer dabei ist", sagt Dellé. Dadurch genießen die Musiker und ihre Familien deutlich mehr Privatsphäre als andere Stars. Und das soll wenn möglich auch so bleiben. Einzelporträts lassen die Musiker nicht so gerne von sich machen. Auf den neuen Bildern zum Album tragen sie Masken. Was zählt, ist die Gruppe. Der Albumtitel "Seeed" ist da nur die logische Konsequenz. "Seeed, das bringt es auf den Punkt." Eine Band, die jahrelang mit elf Leuten zusammenhalte, erklärt Dellé. "Das ist die Message, 'Seeed', fertig."

Wer deshalb eine reine Neuauflage früherer Hits wie "Dickes B", "Ding" oder "Aufstehn" erwartet, könnte nach dem Hören allerdings enttäuscht sein. Als Seeed Ende August mit "Beautiful" die erste Single präsentierte, gab es auf der eigenen Facebook-Seite nicht nur positives Feedback. "Das ist nicht Seeed", schrieb ein Besucher der Seite. "Schon traurig, dass sie ihrem Stil nicht treu geblieben sind", schrieb eine andere. Die Musiker selbst sehen das alles gelassen. "Es ist nur eine Facette von unserem Album", sagt Delgado. "Wenn man das Album hört, merkt man: Wir sind immer noch dieselben."

Eine Big Band mit Big-Band-Sound

Dellé geht sogar noch einen Schritt weiter: "Wir sind Musiker, wir machen das, wo wir Bock drauf haben." Es sei wichtig, sein eigenes Ding zu machen. Die Leute dürften zwar meckern, aber "wenn du dich davon leiten lässt, machst du nichts Neues mehr". "Beautiful" ist eines seiner Highlights auf der neuen Platte. Die Bläsersätze erinnern fast schon an Frank Sinatra oder James Brown. Seeed als Big Band mit Big-Band-Sound: eine Kombination aus jazzigen Elementen und elektronischen Sounds.

Andere Songs wie "Augenbling" oder "Seeeds Haus" erinnern da schon eher an den Seeed-Sound, mit dem die Band 2006 den Bundesvision Song Contest gewann und mehrere Echo-Preise abräumte. Da geht es zum Beispiel um anziehende Blicke und rauschende Partys - aber auch um eine große Portion Liebe. "Es gibt viele Lovesongs", verrät Dellé. Eine Schmuse-Tour müssen die Fans deshalb aber nicht befürchten.

David Kluthe, DPA

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