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18. Januar 2007, 08:48 Uhr

Die Meisterin des sanften Lauschangriffes

Ihre ersten beiden Platten verkauften sich millionenfach. Jetzt erscheint ihre drittes Album. Im exklusiven stern.de-Interview erzählt Norah Jones über Musik in der Werbung, die Produktion ihres neuen Albums, Ipod-Kultur und ihr Politikverständnis.

Mehr als 18 Millionen Alben verkaufte die 27-jährige Norah Jones bereits© Danny Clinch/EMI

Frau Jones, der Erfolg Ihrer Platten war sozusagen nicht zu überhören, weil sie auch in Flugzeugen, Hotelhallen oder Fahrstühlen gespielt wurde. Nutzt es der Musik, wenn sie zum Geräuschteppich wird?

Es freut einen natürlich zunächst, wenn die eigene Musik so gemocht wird, klar. Aber mir geht es wie Ihnen, Pop-Musik ist heute eben überall. Wenn sie in Hotels auf die Toilette gehen, im Supermarkt und im Fernsehen, egal auf welchem Kanal. Man muss Musik heute fast nicht mehr kaufen, weil man sie sowieso immer und überall hört.

Johnny Cashs Song "Hurt" wurde sogar in einer Werbung für Turnschuhe benutzt. Gehört solche Musik dahin?

Ich hatte eine harte Zeit, als sehr viele Firmen anfragten, ob sie meine Songs in der Werbung einsetzen dürften. Ich wollte das nie, weil ich dachte, es täte meinen Songs nicht gut. Aber es hat sich geändert, sehr viele Künstler erlauben das heute. Und ich glaube, es tut dem Fernsehen und der Werbung gut, wenn wenigstens gute Musik gespielt wird. Hat doch alles zwei Seiten.

Bob Dylan musizierte für einen Werbespot einer Bank...

Ich fand es seltsamer, als er Werbung für die Dessous-Firma "Victoria's Secret" machte. Aber dann habe ich gedacht, hey, das ist Bob Dylan, was kann ihm besseres passieren?

In welcher Werbung könnten Sie sich Norah-Jones-Songs vorstellen?

Kann ich nicht sagen, ich hatte wirklich viele Anfragen, aber ich muss das Gefühl bekommen, dass es zusammenpasst. Manchmal wollen sie auch nur den Song, den jemand anders dann singt, manchmal nur die Melodie, ich konnte mich bisher noch nicht entscheiden. Aber wissen Sie, ein Grund dafür, dass es viele Künstler heute machen, liegt auch darin, dass eine Menge guter Musik nicht im Radio gespielt wird. Und wenn die Werbung gute Musik populär macht, habe ich nichts dagegen. Überlegen Sie doch mal, wie oft Ihnen Musik in der Werbung gefallen hat. Ich glaube, jedem fällt dazu etwas ein.

Welche Folgen hat Ihrer Meinung nach die Ipod-Kultur? Musik wird nicht mehr in Plattengeschäften sondern per Mausclick am Computer gekauft.

Ich muss gestehen, dass ich das auch mache. Das Problem ist aber, dass die Menschen zwar viele, aber nur einzelne Songs kaufen. Ich mag Alben, ich weiß selbst, wie viel Arbeit, Ideen und Mühe dahinter steckt, zehn oder zwölf Lieder auf einem Album zusammenzustellen, das ist ja ein Kunstwerk. Und wenn dann jemand nur Lied vier, sechs und neun kauft, fühlt man sich missverstanden. Und Sie sehen ja auch, wie verzweifelt die Plattenindustrie versucht, Alben mit Bonus-Material und Extra-Songs aufzuwerten, damit sie gekauft werden. Ich habe das nie verstanden. Wenn ich Extra-Lieder hätte, wären sie auf dem Album und nicht irgendwie im Anhang. Ich habe ja schon Probleme aus meinem neuen Album eine Single auszusuchen. Ich finde alle Songs wichtig und nicht einen wichtiger als die anderen.

Glauben Sie denn, dass der Ipod Musik wieder populärer gemacht hat?

Ja, ganz sicher. Jeder nutzt und hört doch mehr Musik, wenn er sie in einem kleinen Kasten überall dabei hat, im Auto, beim Sport, bei Freunden. Ich weiß nicht genau, wie viele Stücke ich auf meiner Festplatte habe, aber es ist ein gutes Gefühl diese große Auswahl zu haben.

Die Musikindustrie hofft aber, mit dem digitalen Geschäft den Markt besser kontrollieren zu können.

Das hofft sie, es wird ihr aber nicht gelingen.

Robbie Williams hat angekündigt, seine Musik nur noch im Internet zu veröffentlichen.

Ja, ich verstehe was er damit meint. Das Internet ist ein wundervoller Marktplatz für alle. Jeder kann seine Musik ausstellen und jeder kann sie zu Hause hören. Mein Problem ist etwas altmodisch: Ich bevorzuge Vinyl-Platten. Sie klingen besser.

Sie leben das, wovon Millionen andere träumen. Wie ist es, so berühmt zu sein?

Ich empfinde mich nicht als berühmt oder als Celebrity. Und ich glaube, die Menschen um mich herum sehen mich auch nicht so. Meine Musik hat mehr Erfolg als andere Musik, das ist das einzige, was mich unterscheidet. Ich bin ganz froh, mich aus diesem anderen Zirkus herauszuhalten. Aber ich sehe auch im Fernsehen diese Talent-Shows und sehe, wie verzweifelt da junge Leute berühmt werden wollen. Manche haben auch Talent, aber viele nicht. Und das kann ziemlich traurig sein, wenn einer nur singt, um berühmt zu werden und nicht singt, um zu singen. Wenn jemand die ganz einfache, kommerzielle Popmusik mag, wenn er nur auf die Bühne will, kann das ja okay sein. Popmusik ist da eine Maschine und wenn man einfach Teil der Maschine sein will, mag das funktionieren. Aber wenn jemand wirklich seine eigene Musik machen will, geht das in solchen Shows nicht gut.

Liest man die Kritiken Ihrer Musik spürt man den Kritiker leiden, der nicht weiß, wo er sie einordnen soll. Jazz? Country? Pop? Wo sehen Sie sich am liebsten?

Keine Ahnung, ich kann das nicht sagen. Das ist ihr Job. Ich würde sagen, ich singe Songs. Mehr nicht.

Lesen sie Kritiken Ihrer Hörer auf Amazon.com?

O Gott, Amazon ist auch so eine Errungenschaft des Internets, jeder fühlt sich plötzlich als Musikkritiker. Ich habe da schon abenteuerliche Sachen gelesen.

Auch die der Jazz-Puristen, die Ihnen vorwerfen zu kommerziell zu sein?

Ich mache meine Musik ja nicht, um diesen Jazz-Priestern zu gefallen. Wenn ich kommerzielle Musik machen wollte, müssten das ganz andere Songs sein.

"Not Too Late"

"Not Too Late" Zusammen mit ihrem Freund, dem Bassisten Lee Alexander, hat Norah Jones ihr drittes Album im Studio der eigenen Wohnung aufgenommen: 13 Songs, und sie plätschern wie ein Sommerregen (VÖ: 26. Januar 2007)

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
Diggsagg (20.01.2007, 09:09 Uhr)
Sicherlich...
... ist Norah Jones eine sehr talentierte Musikerin, die dazu noch gut aussieht. Allerdings finde ich es etwas daneben, sie nur in die Jazz-Schublade zu stecken. Aber das machen auch nur meist die, die Jones für Jazz halten, obwohl sie sich auch sehr stark im Country bewegt. Spricht man von "richtigem Jazz" sollten wohl eher Künstler wie Miles Davis, John Coltrane, Art Pepper oder Charlie Parker genannt werden - und nicht Pop-Musiker wie Norah Jones oder Diana Krall.
bR4iNST0RM (18.01.2007, 11:51 Uhr)
Wow!
Wie kann ein einzelner Mensch nur so viele tolle Dinge vereinen?! Überragende Stimme, talentiertes Auftreten und wundervolles natürliches Aussehen! Einfach nur Wow!
Ich glaub ich bin verliebt! ;)
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