Im stern-Interview spricht Paul McCartney über die Freundschaft mit George Harrison und das Leben mit einer jungen Frau, die die Beatles nicht kannte.
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Nachdenklicher Ex-Beatle: Paul McCartney© Foto: Mark Seeliger / MPL Com
Natürlich ist man nervös. London, Soho Square, ein dunkelbraun getäfeltes Büro. Man rutscht auf dem Stuhl herum und überlegt, ob man ihm das alles sagen soll. Dass man bis heute »Yesterday« und »Let it be« auswendig kann, ohne je den Text gelesen zu haben. Dass man sich bei »For No One« noch an die Minute erinnert, in der man es zum ersten Mal gehört hat. Und während man wartet, summt man im Kopf »Something«, was einem immer noch einfällt, wenn man einem Mädchen hinterherschaut, »something in the way she moves...«
Das war von George Harrison, dem stillen Beatle, der nun nicht mehr lebt. Man schaut auf die Bilder an der Wand des Büros, Fotos der vier in Indien, George Harrison hatte sie dorthin gebracht - John Lennon in Felljacke, Ringo Starr mit coolen Koteletten und Brille, George Harrison mit diesem nachdenklichen Gesicht, laut lachend. Paul McCartney.
Bilder des Triumphs und der Täuschung, weil damals, Ende der 60er Jahre, die einstige Boy-Band Beatles schon innig zerstritten war und McCartney und Harrison weit entfernt getrennte Wege gingen. Paul McCartney ist heute 59, zählt zur ganz kleinen Klasse der britischen Milliardäre, und wie er so in grüner Cordhose, schwarzen Nike-Air-Laufschuhen und zwei übereinander gezogenen T-Shirts vor einem steht, sieht er aus wie ein Mann, der immer freie Tage hat. Gelassen, federnd, milde.
Als ich George dort sah, ging es ihm natürlich schon nicht mehr besonders gut, aber er war immer noch mein Freund George, wie ich ihn kannte. Er machte Scherze, lachte viel, war eben wie immer mein Bruder. Ich habe mit Olivia, seiner Frau, gesprochen, sie war sehr gefasst, aber ich möchte hier über die genauen Umstände seiner Krankheit nichts sagen, weil das privat ist und nur Georges Familie etwas angeht. Ich kann nur sagen, dass ich sehr, sehr traurig bin. Ich habe meinen kleinen Bruder verloren.
An all die Abenteuer, die wir als Beatles erlebt haben. George und ich sind zusammen in Liverpool aufgewachsen, sein Vater war Busfahrer, meiner Feuerwehrmann. Anfang der Sechziger gingen wir nach Hamburg mit diesem irrsinnigen Kleine-Jungs-Traum, eines Tages in der besten Pop-Band der Welt zu spielen. George war immer derjenige, der mich und John auf den Boden zurückholte, wenn wir kurz davor waren abzuheben. Ohne George wäre ich heute nicht der, der ich bin.
Dabei war es George, der mit seinem außergewöhnlichen Humor und seiner großen Menschenkenntnis die Beatles zusammenhielt. Ich werde ihn unendlich vermissen.