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16. Juli 2009, 08:57 Uhr

Das Comeback von Nadja Benaissa

Seit zehn Jahren gelten sie als Deutschlands erfolgreichste Frauen-Band. Allerdings scheint die Musik bei den No Angels dieser Tage eher Nebensache - alles dreht sich um die HIV-positive Nadja Benaissa. Das wollen die Bandmitglieder mit einem neuen Album ändern. Resteverwertung auf einer Berliner Bühne. Von Sophie Albers

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Die No Angels: Nadja Benaissa, Sandy Mölling, Lucy Diakovska, Jessica Wahls© Sören Stache/DPA

Es sind die zynischsten Pressevertreter, die am Mittwochabend bei verschwitzten Temperaturen vor einem Berliner Kino warten. Um 19 Uhr sollte der Einlass beginnen. Eine Minute nach sieben pöbelt eine Frau in halbironischem Ton: "Können wir mal rein hier. Es fängt an, übel zu riechen". "Ist doch scheiße, aufmachen", stimmt ein Mann ein. Ein paar der Umstehenden kichern schwach. Es ist einfach zu warm. Ein Sicherheitsmann im Anzug blockiert die Tür und blickt lächelnd, aber ängstlich in die Körpermenge, aus der Kameras in verschiedenen Größen ragen. Ein schaulustigtes Pärchen stellt sich dazu und ruft "Was gibt's 'n hier?" "Hier gibt's die No Angels", sagt ein Mann und dreht sein rot verschwitztes Gesicht sofort wieder Richtung Tür. "Die gibt's noch?"

Deutschlands erfolgreichste Girlband, die schon lange eine Frauenband ist, hat sich ein Kino ausgesucht, um ihr neues Album vorzustellen, das im September erscheinen soll. "Welcome to the Dance" heißt es, ist die vierte Studioproduktion und ein weiterer Versuch, an den großen Erfolg anzuknüpfen, den die Castingband der TV-Show "Popstars" Anfang des Jahrtausends einmal hatte, aber trotz Trennung (2003) und Wiedervereinigung (2007) nie wieder erreichte.

Alle wollen Nadja Benaissa sehen

Die Fotografen und Kameraleute sind mittlerweile im Kinosaal und rangeln sich in der ersten Reihe vor der schmalen Bühne. "Wo werden sie stehen? Sagen Sie uns, wo sie stehen werden", will ein Bildjäger von einer Frau mit Pferdeschwanz wissen. Die weiß es auch nicht. Sagt, der Ablaufplan sei ihr nicht bekannt, was einen kleinen Tumult auslöst. Derweil schwärmt eine Vertreterin des Labels Universal, das die No Angels vertreibt, ein paar Reihen weiter hinten, was für ein großartiges Album den Mädchen gelungen sei. Sie sagt es, ohne mit der Wimper zu zucken. Dabei weiß sie wie alle anderen in diesem Kino auch, dass niemand wegen des Albums gekommen ist.

Einziger Grund für das rege Interesse der überschaubaren Menschenmenge ist No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa. Die 27-Jährige war im April diesen Jahres unter großem Medienaufsehen und juristischer Verantwortungslosigkeit festgenommen worden, weil sie HIV positiv ist und angeblich wissentlich einen Mann angesteckt hat. Der Haftbefehl ist wieder aufgehoben, das Verfahren ist anhängig. Doch zynischerweise kommt dieser Fokus der Öffentlichkeit nun der Band zu Gute. Lucy, "die Lesbe", und Sandy, "die alleinerziehende Mutter", regen nicht mehr auf.

Die Kameraträger in der ersten Reihe werden in die zweite Reihe geschickt, damit sich der Labelabteilungschef und der Manager der Band - ein neuer nach dem Grand-Prix-Fiasko - in die erste Reihe setzen können. Das Album wird vorgespielt, während auf der Leinwand Bilder von den No Angels zu sehen sind: PR-Fotos, Bilder vom Videodreh, kleine Interviews mit Produzenten. Es sei ein amerikanisches Album geworden, hat der Manager einleitend erklärt und erzählt, dass man Geld gespart habe, weil sein Schwager Zahnarzt sei und er so einem der Produzenten, der auch schon Rihanna Erfolg gebracht habe, die Arbeit mit einem neuen Gebiss entlohnen konnte. Kaum einer lacht. Alle wollen Nadja sehen. Die Kameraleute reden durcheinander, schreiben SMS, und nach fünf der kristallklar produzierten Dancefloor-Stücke ruft jemand "Ende, Ende, Ende".

Doch das ist nicht der Deal. Zehn Stücke - die immer wieder hart am Ideenklau bei den Pussycat Dolls oder auch Timbaland vorbeischrammen - müssen sie durchstehen, bis Nadja Benaissa die Bühne betritt.

Same Shit/ Different Day

Dabei ist sie schon längst da. Als übergroßer Alicia-Keys-Verschnitt prangt sie auf der Leinwand, lächelt verführerisch und hat als einziger No Angel ein US-Chart-taugliches Aussehen. Das fällt auf, weil die Bilder sich dauernd wiederholen. "Same Shit/ Different Day" hat ein Pressevertreter auf dem T-Shirt stehen. Im nächsten Augenblick lächelt eine Foto-Nadja auf ihn herab. Auf ihrem grauen Shirt steht "Yes".

Endlich kommen die vier Frauen ganz real auf die Bühne. Sie machen mit dem gleichen Aufforderung-zum-Geschlechtsverkehr-Posieren weiter, wie es auch schon auf den Fotos zu den Songs zu sehen war. Nur Lucy - die statt Extrem-Mini konsequent Hosen trägt - macht einen auf Macho, greift sich in den Schritt oder zieht eine Billy-Idol-Schnute. Fragen sind nicht erlaubt. Alle spielen ihre Rollen: Sandy, die kühle Blondine genauso wie Jessica Wahls, die zurückhaltende Schönheit. Nur Nadja überstrahlt sie alle. Sie spielt die Rolle, in der sie eine Rolle spielt und weiß gleichzeitig, dass sie keine Rolle mehr braucht. Sie hat nämlich gerade überlebt. Ihr Lächeln könnte einer Abrissbirne trotzen.

Sie ist trotzdem hier

Für Nadja Benaissa ist dieser Abend ein Triumph: Die Welt weiß über sie Bescheid. Sie hat eine Krankheit, vor der sich alle fürchten, die die meisten Menschen mit siechendem Tod assoziieren. Sie wird vor Gericht gestellt. Sie wurde an die Medien verfüttert. Trotzdem ist sie hier. Strahlend, betörend und schön.

Als letzter Song und während die Fotos gemacht werden, ist immer wieder "One Life" zu hören. Die erste Single des Albums. "Ich habe nur ein Leben/ also lebe ich es", heißt es da. Sie werde "jetzt versuchen, das Beste draus zu machen", hat Nadja Benaissa gerade im Exklusiv-Interview mit stern TV gesagt.

Von Sophie Albers
 
 
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No Angels
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Administrator (16.07.2009, 14:20 Uhr)
@schuschara
Liebe schuschara,
vielen Dank für Ihren Hinweis auf die falsche Bildunterschrift - wird korrigiert.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
berlin79 (16.07.2009, 14:01 Uhr)
@Vincent_Vega & schuschara
Vielen Dank für diese Beiträge. Es sind bisher die einzig vernünftigen hier.
Bei den anderen Beiträgen sieht man mal wieder wie beschränkt die Masse "denkt". Armes Deutschland.
Vincent_Vega (16.07.2009, 13:51 Uhr)
An alle HIV-Phobiker
Ja, HIV ist eine schlimme Krankheit, sie läßt sich zur Zeit wenigstens so behandeln, dass AIDS sich auf lange Zeit rauszögern läßt.-
JA, Nadja hätte vor dem Geschlechstsverkehr was sagen müssen; wer aber daraus zu folgern meint, das sie mit allen möglichen Mäbnnern in die Kiste hüpft, geht entweder von seinem eingenem unbefriedigtem Sextrieb aus oder ist neidisch, dass sie trotz der Medienhetze zumiendst bei den "No Angels" obenauf ist.
Andersherum: das nähere Umfeld Benaissas wußte wohl Bescheid. Wer sich bei ihr angesteckt hat, wußte entweder, was er tut oder war nur eine Kurzzeitbekanntschaft und hätte wissen müssen, dass man auch dann ein Kondom benutzt.
Die schöne "Kondome helfen gegen HIV"-Werbung gibt es nämlich nicht erst seit gestern sondern seit über zwanzig Jahren.
schuschara (16.07.2009, 13:37 Uhr)
Ein schlimmer Artikel
Also ich weiß ja nicht wer diesen Artikel geschrieben hat, aber er ist echt schlecht. Da will jemand die No Angels schlecht machen und kann noch nicht einmal die Namen richtig schreiben. Unter dem Foto steht nähmlich Jennifer Wahls - die jedoch eigentlich Jessica Wahls heißt und ich hielt eigentlich die Leute von "Stern" für schlau. Aber da habe ich mich wohl getäuscht. Ich war auch gestern da bei der Präsentation. Die Lieder sind kein Pussycat Dolls Klau! Sie haben einen amerikanischen Touch und das ist auch gut so. In Deutschland gibt es soviele Schlechte Musiker, die No Angels beweisen Mut und haben etwas neues geschaffen. Die Lieder sind genial mit tollen Beats. Vergleichbar mit den Liedern der Black Eyed Peas und Rihanna. Und mit diesen Hingiganten kann man nicht jeden Vergleichen. Was die Fotografen bei der Präsentation angeht...die sind doch überall wie Tiere. egal ob auf dem roten Teppich, bei einer Pressekonferenz oder halt beim Photocall - sie beschweren sich immer über alles. Ich arbeite schon sehr lange als Kamerafrau und bekomme es jedesmal wieder aufs neue mit wie sich diese sogenannten "Pressefotografen" benehmen. Manchmal schäme ich mich auch dafür, dass ich dazu gehöre....und man sollte auch nie vergessen, dass ihn dieser Photocall wieder den Lebensunterhalt bezahlt hat!
butcher99 (16.07.2009, 13:17 Uhr)
Sack Reis
ist in China umgefallen
Annalena91 (16.07.2009, 12:58 Uhr)
Einfach nur peinlich diese tickende Bombe...
Diese Frau gefährdet das Leben Anderer, indem sie sich von allen möglichen Männern durch... lässt und das ohne Schutz, obwohl sie weiß, dass sie eine ansteckende und tödliche Krankheit hat. HIV ist keine Grippe!
Für mich ist diese Frau unterstes Niveau, gibt sich aber gleichzeitig als Gamour-Diva in den Medien. Dieser Auftritt zeigt für mich nur, dass sie sich keiner Schuld bewusst ist und keine Reue zeigt, so selbstsicher und zynisch, wie sie in die Kamera grinst...
Wohlgemerkt: der Haftbefehl wurde wegen mangelnder Wiederholungsgefahr aufgehoben! Das bedeutet lediglich, dass man während der Ermittlungen nicht in Haft muss. Das Verfahren läuft jedoch weiter, weil der Grund für die Ermittlungen (eine Strafbarkeit!!!) keinesfalls entfallen ist.
Dies sollen sich die Menschen einmal klar machen...
Immerhin ist diese Frau nun gebrandmarkt und so schnell wird sie ungeschützt keinen mehr gefährden können!
Die infizierten Männer tun mir einfach nur leid... So toll wird es nicht gewesen sein, dass es das wert war...
Malt (16.07.2009, 11:35 Uhr)
Frauen....
...wird im Showbiz scheinbar sogar vesuchter Mord respektive gefährliche schwere Körperverletzung verziehen... einen Mann hätte man vermutlich schon gesteinigt, wenn er genau das gleiche gemacht hätte. Ich erinnere mich da an einen Andreas Türk, dem sogar aufgrund bloßer Vorwürfe gekündigt wurde, obwohl er später vor Gericht frei gesprochen wurde... aber so ist das bei uns: eine Frau kann mit der bloßen Behauptung, ihr wäre etwas angetan worden, eine Karriere den Bach runter gehen lassen, wenn einem Mann von einer Frau etwas angetan wird, dann heißt es, er wäre ja selber schuld.
Der-nette-Nachbar (16.07.2009, 11:04 Uhr)
Schöne Menschen dürfen alles?
Die Frau ist eine vermeintliche Mörderin. Sie hat vorsätzlich aufgrund eigener Interessen andere Menschen in Lebensgefahr gebracht.
..
Das mancher sie sexy findet ist ja ok. Aber es sollte noch genug Blut im Hirn verbleiben, das man ihre Taten nicht vergisst.
.
Diese Frau gehört weg vom Fenster.
Bisher kein Wort der Entschuldigung.
Nur "Ich (armes Tuktuk) trage diese Riesen-Last..." usw. Egoismus pur.
tepes (16.07.2009, 10:04 Uhr)
tolle Heldin!!
die den Leute geklaute Musik vorspielt und so den Jugendlichen das Geld aus der Tasche zieht, während zeitgleich damit von Ihrer Straftat abgelenkt wird. (nicht die Krankheit verurteile ich!, sondern dass sie ungeschützen Sex hatte, obwohl sie es wusste-sehr heldenhaft) und das mit erotik- Bildern Das sagt mir doch, dass die Frau immernoch nichts gelernt hat und den weg weitergeht, den Sie mal gewählt hatte, als Sie ihre Seele und Ihr talent an RTL2 und ihrer Castingshow "Popstars" verkauft hatte.
Was Sie daran Heldenhaft finden, werden wahrscheinlichnur nur Sie wissen...
rynaldo (16.07.2009, 09:50 Uhr)
Gebt denen endlich eine Casingshow in SAT1...
... und lasst sie in der Mülltonne verschwinden. So was braucht kein Mensch.
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