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Vor zehn Jahren starb Kurt Cobain

Kurt Cobain, der sich vor zehn Jahren erschoss, zählt zu den einflussreichsten Musikern der 90er Jahre. Mit seiner Band Nirvana machte er den Grunge populär.

Es gibt keine Grabstelle, zu der Nirvana-Fans am 5. April zum 10. Todestag ihres Idols Kurt Cobain pilgern können. Die Behörden von Seattle im US-Staat Washington verweigerten der Grunge-Legende eine offizielle Grabstätte. Man fürchtete einen Ansturm von hysterischen Verehrern, wie am Pariser Grab des Doors-Sängers Jim Morrison, der - wie Cobain - im Alter von 27 Jahren aus dem Leben schied. Cobains Witwe, Courtney Love, soll die Asche an mehreren Stellen verstreut haben.

Auch der Anbau über der Garage, wo sich der Rockmusiker eine Kugel durch den Kopf schoss, ist längst abgerissen. Einige Nirvana-Fans wollen wie damals, als die Todesnachricht Tausende verstört auf die Straßen trieb, auf einem Platz in Seattle ihres Rock-Helden gedenken. Fernseh- und Radiosender in Europa und den USA planen um den Todestag herum Ehrungen mit Cobains Hymnen wie "Smells like Teen Spirit". Die Zeitschrift "Rolling Stone" lässt den Grunge-Star in einer Sonderausgabe zum 50. Jahrestag des Rock'n'Rolls als "unsterbliche" Rockgröße weiterleben. Auf der Liste der 50 Besten, neben Janis Joplin, Otis Redding und Buddy Holly, belegt Cobain den 27. Platz.

Der "John Lennon einer neuen Generation"

Einige Kritiker würdigten Cobain nach seinem Tod als "John Lennon einer neuen Generation". Dabei war der meist depressive, oft unter Drogen stehende Musiker einem breiteren Publikum gerade drei Jahre bekannt und hatte mit seinen Nirvana-Kollegen nur vier Alben herausgebracht. Doch mit seinen Songs über zerbrochene Liebe, Gewalt, Drogen und Hoffnungslosigkeit hatte er sich zum Wortführer einer desillusionierten Generation hochgespielt - und zudem eine neue Musikrichtung geschaffen: den Grunge-Rock.

Provokativ und unpopulär

Die Kultband, die ihr erstes Album "Bleach" 1989 veröffentlichte, wollte provokativ und unpopulär sein. Die Bandmitglieder trugen alte Klamotten und schufen damit unfreiwillig den Grunge-Stil, der von Modedesignern kopiert wurde. Während Cobain Kommerz, Erfolg und das ganze Musikgeschäft verabscheute, wurde das Hitalbum "Nevermind" millionenfach verkauft.

Seine Tochter brachte ihm Freude

Cobain flüchtete sich in Drogen und wurde von Depressionen, Magenschmerzen und Selbstmordgedanken gequält. Seine turbulente Ehe mit Rockröhre Courtney Love brachte keine Ruhe. Nur seiner im August 1992 geborenen Tochter Frances Bean, seiner "engelhaften Freude", schrieb er einen heilsamen Einfluss zu. "Falls er jemals 30 werden sollte, wäre ich überrascht", sagte selbst seine Mutter Wendy O'Connor. Wenige Wochen vor seinem Freitod räumte Cobain in einem Interview ein, "jeden Tag an Selbstmord zu denken". Einer seiner letzten Songs hieß denn auch: "I Hate Myself And I Want To Die" (Ich hasse mich und will sterben).

War es Mord?

Im März 1994 trat Nirvana in München zum letzten Mal auf. Wenige Tage danach fiel Cobain nach einer Überdosis Beruhigungsmitteln und viel Alkohol in einem römischen Hotel in ein Koma. Eine anschließende Entziehungskur in Kalifornien brach er kurz vor dem Selbstmord ab. Fünf Jahre später fragte ein britischer Dokumentarfilmer in dem Streifen "Kurt und Courtney", ob es vielleicht Mord war, der von der Witwe eingefädelt wurde, weil Kurt an Scheidung dachte.

Courtney Love hat Cobains Selbstmord nie überwunden

Erst vor zwei Jahren legte Love einen bitteren Gerichtsstreit mit den früheren Nirvana-Mitgliedern Krist Novoselic und Dave Grohl um die Veröffentlichung eines bis dahin nicht gespielten Songs bei, in dem Cobain kurz vor seinem Tod "Pain" (Schmerz) besingt. Wegen Drogen- und Medikamentenmissbrauchs ist Love ständig in den Schlagzeilen und vor Gericht. Die vielen Skandale haben sie das Sorgerecht für Tochter Frances Bean gekostet. Sie habe Cobains Selbstmord nie überwunden, heißt es häufig unter Experten.

"Er ist so ein Arschloch. Ich möchte, dass ihr alle laut Arschloch sagt." Das war Loves Aufforderung an die Fans bei einer öffentlichen Trauerfeier kurz nach Cobains Tod. Nirvana-Bassist Novoselic fand damals nettere Worte. "Wir wollen Kurt so in Erinnerung behalten, wie er war: einfühlsam, großmütig und lieb. Seine Musik bleibt uns für immer und ewig erhalten."

Barbara Munker, DPA/DPA

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