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Handwerker mit Herz und Hut

Mit nur 45 Jahren ist Roger Cicero überraschend gestorben. Er hat es geschafft, Jazz für die Charts kompatibel zu machen und fuhr sogar für Deutschland zum ESC. Er selbst sah sich vor allem als Handwerker.

Roger Cicero ist tot

2007 nahm Roger Cicero für Deutschland beim European Song Contests teil. Im Alter von nur 45 Jahren ist der Swing-Sänger an den Folgen eines Hirnschlags gestorben.

Sein Vater wollte immer, dass er etwas Anständiges lernt und Anwalt wird. Doch das kam für Roger Cicero nie infrage: Er sei für diesen Beruf "zu ehrlich", sagte der Musiker einmal im Gespräch mit dem stern. So schlug er eine künstlerische Laufbahn ein - und wurde Deutschlands berühmtester Swing-Sänger. Seine Bekanntheit ging weit über den Kreis der Jazzhörer hinaus. Erfolgsgeheimnis bestand in der Kombination aus handwerklich gut gemachtem Swing, eingängigen Popmelodien und intelligenten deutschen Texten.

Seine Begegnung mit dem Texter Frank Ramond und Komponist Mathias Hass, die zuvor schon Annett Louisan groß rausgebracht hatten, verhalf ihm zum Durchbruch. Von nun an ging seine Karriere steil bergauf: Jedes seiner fünf Alben schaffte ab 2006 unter die Top 5 der deutschen . Es gelang Cicero vor allem, jüngere Hörer für diesen vermeintlich verstaubten Sound zu begeistern. 2007 gewann der Sänger mit "Frauen regier’n die Welt" den deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest und erreichte aber nur den 19. Platz in Helsinki. Geschadet hat das seiner Karriere nicht: 2009 schaffte er den Sprung auf die große Leinwand und spielte eine Nebenrolle in dem Kinofilm "Hilde" - ein Biopic über Hildegard Knef mit Heike Makatsch in der Hauptrolle. Weitere Fans gewann er 2014 durch seine Teilnahme an dem TV-Format "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" von Xavier Naidoo.


Roger Cicero stammt aus einer Musikerfamilie

Dass Cicero Musiker wurde, war ihm in die Wiege gelegt. Denn auch wenn sich sein Vater einen Anwalt gewünscht hatte, musste er für die Berufswahl seines Sohnes Verständnis aufbringen. Denn der gebürtige Rumäne Eugen Cicero war selbst ein berühmter Jazzmusiker, er spielte unter anderem in der SFB Big Band von Paul Kuhn. So konnte er letztlich nicht verhindern, dass Roger schon sehr frühzeitig diesen Weg einschlug: Mit elf Jahren trat er im Vorprogramm der Schweizer Sängerin Helen Vita auf, fünf Jahre später war er als Pianist des RIAS-Tanzorchesters erstmals im Fernsehen zu sehen.

Die Kontakte seines Vaters hat er dabei nie genutzt, Roger wollte es aus eigenen Kräften schaffen - und vertiefte seine Kenntnisse in mehreren Studien, zunächst am Konservatorium in Trossingen, später folgte das Studium des Jazzgesang an der Kunsthochschule im niederländischen Hilversum. Gerade weil er sein Handwerk so gründlich gelernt hatte, lief Roger Cicero nie Gefahr, dass seine populären Songs zu seicht gerieten. 

"Wenn ich ohne Hut unterwegs bin, werde ich weniger erkannt"

Sein Markenzeichen ist der Hut: Roger Cicero war in der Öffentlichkeit nie ohne seinen Trilby zu sehen. Darunter verbarg er jedoch nicht eine schwindende Haarpracht. Neben dem hohen Wiedererkennungswert hatte die Kopfbedeckung einen praktischen Vorteil: “Wenn ich ohne Hut unterwegs bin, werde ich weniger erkannt. Das ist ganz herrlich“, verriet er im stern-Interview.

Sein Großvater väterlicherseits war rumänisch-orthodoxer Priester. Auf ihn selbst hat diese Prägung nicht abgefärbt: "Ich bin kein sehr religiöser Mensch", sagte er 2007 dem stern. Er halte sich aber für einen spirituellen Menschen. 

Im November 2015 war der Sänger wegen Erschöpfung zusammengebrochen. Doch davon sei er wieder genesen, wie sein Management im Januar verkündete. Für April war die Fortsetzung seiner unterbrochenen Tournee geplant. Daraus wird nun nichts.  Gründonnerstag ist Roger Cicero im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen eines Hirnschlags gestorben. Er hinterlässt einen sieben Jahre alten Sohn. Von der Mutter hatte sich Cicero 2013 nach siebenjähriger Beziehung getrennt.

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