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Bohlens Sänger ist tot

Ein Star war er nicht, doch er gestaltete die 80er Jahre mit wie wenige andere Musiker - als eine der Stimmen von Modern Talking und Blue System. Mit seiner eigenen Band Systems in Blue ließ er den Sound von damals weiterleben - nun ist Rolf Köhler in Hamburg verstorben.

Von Alexander Kühn

Seinen Namen kannte kaum jemand, seine Stimme hatte schon der halbe Erdball gehört. Rolf Köhler war 14, als seine Mutter starb; eine Zeit, über die er auch mit Freunden kaum sprach. Kurz danach ging er on the road. Seine Leidenschaft waren Rock 'n' Roll und Heavy Metal, sein Geld verdiente er als Chorsänger, als einer der gefragtesten in Deutschland. Er arbeitete für Marius Müller-Westernhagen und Peter Kraus und ging auf Tournee mit Roger Whittaker. "Wenn’s um Geld geht, Sparkasse" - auch das war Köhler. Unzähligen Werbesongs gab er eine Stimme, darunter der des Suppenhändlers Unox, mit Köhlers berühmtem "s", das stets so scharf angeschossen kam, dass es jeden Tontechniker das Fürchten lehrte.

Für die "Bravo"-Leser gab es ihn nie

Von 1984 bis 2000 arbeitete Köhler für so ziemlich alles, was Dieter Bohlen produzierte: Engelbert, Al Martino, Bonnie Tyler. Sein bedeutendster Einsatz jedoch war es, Teil des Kastraten-Chors von Modern Talking gewesen zu sein; Blue System, Bohlens zweites großes Projekt, prägte er mit rauchigem Gesang. In seinem Studio im niedersächsischen Brake hatte Köhler die Goldenen Schallplatten aufgehängt, die er für seine Mitarbeit an den Erfolgen von Modern Talking und Blue System bekommen hatte. Offiziell, für die Millionen "Bravo"-Leser und Verehrer des Duos Bohlen/Anders, gab es ihn in diesen Bands nie - genau so wenig wie seine Chorkollegen Detlef Wiedeke und Michael Scholz.

Vor einigen Jahren, anlässlich des Comebacks von Modern Talking, waren die drei Sänger an die Öffentlichkeit gegangen: Von Bohlen selbst, so erklärten sie, stamme kein einziger Ton auf den Schallplatten - was der bis heute bestreitet. Die Plattenfirma zahlte jedem der drei daraufhin 100.000 Mark, ein Taschengeld, verglichen mit den Einnahmen, die diese ihr beschert hatten.

Den Stil der 80er mitgeprägt

2003 schlossen Köhler, Wiedeke und Scholz sich erneut zusammen. Als kleinen Gruß an den Kollegen Bohlen nannten sie ihre Band: Systems in Blue. Das erste Album klang wie eine Zeitreise um zwei Jahrzehnte zurück, in die Dekade der weißen Socken in Turnschuhen und der gepolsterten Schultern. Wenn Köhler sang und man die Augen schloss, glaubte man den wallehaarigen Bohlen vor sich zu sehen. "Wir hängen vielleicht noch ein bisschen mehr an den 80ern als Dieter es jetzt tut", sagte Rolf Köhler vergangene Woche in seinem letzten Interview. "Wir stehen einfach auf diese alte Musik! Wir waren Zeitzeugen und haben diesen Stil mitgeprägt." In Interviews frotzelten er und seine Kollegen immer wieder, Bohlen könnte sich gern als Gastsänger zur Verfügung stellen.

In Deutschland war der Erfolg von Systems in Blue überschaubar, zu Konzerten in Israel und Sibirien kamen dagegen Tausende Fans, die den Sound hören wollten, der vor 20 Jahren um die Welt gegangen war. Noch vor Weihnachten, so war es geplant, sollte das zweite Album der Band erscheinen.

Am Donnerstag vergangener Woche nahm Köhler seinen letzten Solopart dafür auf. Zwei Stunden später brach er zusammen. Schlaganfall. Am Sonntagabend starb er im Krankenhaus Hamburg-Altona, mit 55 Jahren. "Wir haben viel zu früh unseren besten Freund verloren", schreiben seine Bandkollegen auf der Internetseite von Systems in Blue. "Die ihm gebührende Anerkennung seiner großen musikalischen Leistung hat er zu Lebzeiten nicht erfahren. Aber unzählige Menschen haben ihn geliebt und seine Freundschaft geschätzt."

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