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Van Morrison geht zurück zu den Blues-Wurzeln

Berlin - Regelmäßig neue Alben, oft auf Tournee: Wie seine Zeitgenossen Neil Young (71) und Bob Dylan (76) zeigt Van «The Man» Morrison keinerlei Lust auf die Altrocker-Rente.

Van Morrison

Eigenwilliger Querkopf: Van Morrison. Foto: Georg Hochmuth

Regelmäßig neue Alben, oft auf : Wie seine Zeitgenossen Neil Young (71) und Bob Dylan (76) zeigt Van «The Man» Morrison keinerlei Lust auf die Altrocker-Rente.

Dass dabei nicht immer Neues oder Bahnbrechendes herauskommt wie vor vierzig, fünfzig Jahren - wen kümmert's bei einem so agilen, nach wie vor brillanten Ü70er. Dies gilt nun auch für «Roll With The Punches», das laut Plattenfirma 37. Studiowerk des für viele Experten weltbesten weißen -Sängers.

Und Rhythm 'n' Blues ist es auch, was der 72-jährige Morrison nach gelungenen Ausflügen in Soul-Pop («Keep Me Singing» von 2016) und Jazz («Born To Sing: No Plan B» von 2012) diesmal abliefert.

Das selbstproduzierte Album klingt wie aus einer anderen Zeit - und zugleich völlig zeitlos. Vergleichbar, so meint der Meister, sei es am ehesten mit «Too Long In Exile» (1993). Damals wurde der Nordire unter anderem begleitet von der Zwölftakt-Legende an der Gitarre und präsentierte neben eigenen Songs auch mehrere Blues-Coverversionen.

Der Lohn für diese erdig-raue Mixtur war seinerzeit Charts-Rang 4 in Großbritannien, eine der höchsten Platzierungen für . Den Kontakt zu den Hitparaden hat er seither nie ganz abreißen lassen - so erreichte das erstklassige, etwas wehmütige Alterswerk «Keep Me Singing» voriges Jahr in Deutschland Platz 6 und kam auch im weltgrößten Tonträgermarkt USA in die Top Ten.

Morrison durchlebt also die goldene Spätphase einer phänomenalen Karriere, auch wenn er den Ruhm von Für-die-einsame-Insel-Alben wie «Astral Weeks» oder «Moondance» bisweilen etwas bräsig verwaltet. Und er hat seine berühmt-berüchtigte schlechte Laune nicht verloren (zum Glück, sagen manche, die ihn als Grantler vor allem gegen die Musikindustrie schätzen).

«Ich mag es einfach nicht mehr, Platten zu machen», sagte er gerade erst in einem seiner seltenen Interviews dem britischen Musikfachblatt «Uncut». Und moserte gleich weiter: «Ich habe Spaß daran, die Stücke aufzunehmen, aber dann dieses Abmischen und der ganze Rest, das ist so langweilig. Die Leute würden nicht glauben, wie langweilig das ist.»

Immerhin: Die Songs auf «Roll With The Punches» liebt er innig, gerade die hier gecoverten Uralt-Lieder wie «Stormy Monday» (T-Bone Walker), «I Can Tell» (Bo Diddley) oder «Automobile Blues» (Lightnin' Hopkins). Das hört man den Aufnahmen an. Top-Musiker wie der langjährige Wegbegleiter Georgie Fame, Chris Farlowe, Paul Jones und Gitarren-Altmeister Jeff Beck verleihen den 15 Stücken - so gut abgehangen einige davon sein mögen - einen herrlich lässigen «Punch» (passend zum Boxkampf-Artwork der Album-Vorderseite). 

«Jedes dieser Lieder erzählt eine Geschichte, und ich performe sie nur», sagt Morrison. «Das wurde vergessen über die Jahre, weil die Leute die Dinge zu sehr durchdringen wollen. Ich war ein Performer, bevor ich anfing, selbst Songs zu schreiben, und ich fühlte immer, dass ich genau das tun sollte.»

Insofern geht der 2015 von der Queen zum Ritter geschlagene Brite hier ein Stück weit zurück zu seinen Wurzeln im Belfast der 50er und 60er Jahre - noch bevor er sich mit der jungen Rhythm-'n'-Blues-Band Them auch als Songwriter auf den Weg zum Weltruhm machte. Die Rückbesinnung mit «Roll With The Punches» ist für den immer wieder großartigen Blues-Interpreten Van Morrison auch mit über 70 noch hörbar Herzenssache.

dpa

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