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3. Januar 2008, 11:50 Uhr

"Eine Frage der Balance"

In seinem früheren Leben als alleinstehender Künstler hat Seal nie viel von Terminkalendern gehalten. "Ich hasste es, Termine zu planen", sagt der 44-jährige Popsänger. Nun, mit Topmodel-Ehefrau Heidi Klum an seiner Seite setzt er auf diese Disziplin, um zwei Karrieren und Vaterpflichten unter einen Hut zu bringen.

Seal ohne Heidi? Ein seltenes Bild, das man im Frühjahr wieder öfter zu sehen bekommt. Dann plant Seal seine Tour© Ralf Juergens/Getty Images

"Es ist eine Frage der Balance, etwas, was Heidi und ich gut hinbekommen. Es ist nicht einfach, aber Terminplanung und Prioritäten sind entscheidend. Wenn man Kinder und zwei Karrieren hat, muss man im Voraus planen, um alles hinzubekommen." Und natürlich viel miteinander reden. Die fünfköpfige Familie lebt derzeit sowohl in den USA als auch in Deutschland, Leni geht bereits in die Schule und Henry in den Kindergarten, Johan ist noch zuhause. Es wird darauf hinauslaufen, sich bald für einen Wohnsitz zu entscheiden, deutet Seal an. "Heidi und ich sprechen oft darüber. Wir müssen das ausknobeln."

Seit Mai 2005 ist Seal verheiratet, und er hat über diesen Lebensabschnitt in seinem Album "System" bis hin zu dem mit seiner Frau gesungenen Duett "Wedding Day" nachgedacht. "In vielerlei Hinsicht ist es eine Biografie. Nicht notwendigerweise eine Autobiografie, aber gleichwohl eine Biografie. Das ist das Besondere an dem Album, es ist eine Gelegenheit, ein musikalisches Tagebuch zu machen. Dieses Album gibt meine Ansichten über die Welt und etwas von meinem persönlichen Leben preis - es wäre nicht wahr, wenn es nicht so wäre."

Grammy-Nominierung für das aktuelle Album

"Es ist eine Art Bilanz, ein Tagebuch bis zu diesem Punkt, wie ich die Welt sehe. Ich habe es 'System' genannt, weil Systeme so eine große Rolle in unserem Leben spielen: Wir kommen aus einem häuslich-familiären System in ein Schulsystem, dann weiter in ein Sozial- und Wirtschaftssystem. Wir werden regiert, es gibt ein politisches System. Wir entwickeln unser eigenes emotionales System, dann erschaffen wir wieder ein häuslich-familiäres System und der Kreis schließt sich wieder. Ich finde es aber interessant, dass man nicht Opfer irgendeines Systems sein muss und die Fähigkeit hat, Systeme zu ändern. Nicht in allen, aber in vielen Fällen haben wir die Möglichkeit, das System zu ändern. Wir haben die Wahl, aus dem System auszusteigen. Nimm die Obdachlosen in Amerika, sie sind aus dem System entfernt worden. Sie mögen das nicht, sie können es nicht ertragen. Tatsächlich kommen sie von einem System in ein anderes."

Lieder wie 'Loaded', 'Dumb' und 'Rolling' erzählen vom Kampf um einen eigenen Platz und individuelles Glück. Die Single 'Amazing' ist gerade für den Grammy in der Kategorie bester männlicher Pop-Gesang nominiert worden. Entstanden sind neun der zehn Lieder des Albums auf der Gitarre, und Seal verspricht für die im Frühjahr geplante Tournee eine völlig andere Show: Das Thema werde "System" sein, es werde viele Videos und natürlich Klassiker wie "Killer", "Crazy" und "Love Divine" geben.

"In zwei Jahren wird es keine Platten und Plattenfirmen mehr geben"

Auch Seal hält die Live-Show inzwischen für wichtiger als den Tonträger CD. "Was Radiohead (mit dem kostenlosen Album-Download) gemacht haben, verändert das gesamte Geschäftsmodell, die gesamte Industrie. In zwei Jahren wird es keine Platten und keine Plattenfirmen mehr geben, es wird nur noch Inhalt (Content) geben. Das war's dann!"

Ein wichtiger Ausgleich auch vom beruflichen Stress sind für Seal seine Kinder geworden. "Sie geben so viel, weil sie dir erlauben, herunter zu kommen. Sie erlauben, dir, selbst wieder ein Kind zu sein - und zugleich Elternteil. Das ist die allerschönste, wunderbarste Situation, die man haben kann. Die meisten Leute verstehen das nicht, meinen, man müsse selbst auf etwas verzichten. Da ist auch was dran, aber tatsächlich ist es das Gegenteil." In seinem Booklet-Text zum Album zitiert Seal seinen Vater: "Kein Zustand ist dauerhaft." Ob er darin auch eine Gefahr sieht, sein persönliches Glück zu verlieren? "Ich habe daran immer in schweren Zeiten gedacht, habe mir gesagt: Es wird sich ändern", sagt Seal. "Wenn etwas gut in deinem Leben ist, gilt auch - no condition is permanent. Es kann noch besser werden. Es soll nicht heißen, etwas Gutes kann sich in etwas Schlechtes entwickeln. Wenn aber etwas schlecht ist, denke ich immer, es wird sich noch zum Guten wenden."

Seal wird am 26. Januar in der ZDF-Show "Wetten, dass" auftreten. Termine für seine Tournee sind noch nicht bekannt gegeben.

Uwe Käding/AP

"System"

"System" Treibende Grooves und eine unverwechselbare Stimme: "System" ist Seals fünftes Album (VÖ 16.11.07) Produziert wurde die Platte von Stuart Price, der auch für Madonnas "Confessions On A Dancefloor" verantwortlich war und für seine Coldplay- und No Doubt-Remixe mit jeweils einem Grammy ausgezeichnet wurde. Liebhaber gut gemachter Popmusik kommen mit "System" voll auf ihre Kosten. Auch auch auf dem Album: das Duett "Wedding Day" mit Heidi Klum

 
 
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