Saufabende mit dem Rat Pack, Beziehungsdramen mit Frau und Geliebten, fliegende Champagnerflaschen - Frank Sinatra genoss die Höhepunkte seiner Karriere mit exzessiven Partys in seiner Villa "Twin Palms" in Palm Springs. Eine Spurensuche zum 10. Todestag der Legende. Von Jessica Braun

Sänger, Spieler, Lebemann: Frank Sinatra© picture-alliance
Das Waschbecken im Badezimmer hat einen Sprung. In der Toilette neben dem Pool hängen noch Porträts des Vorbesitzers. Und seine Musikanlage, ein monströser Kasten voller Technik, die schon zur Zeit der ersten Mondlandung veraltet war, wurde nie aus dem Wohnzimmer entfernt. Hätte die über 60 Jahre alte Villa "Twin Palms" mit Blick auf die Felsmassive von Palm Springs jemand x-beliebigem gehört, wären all diese Alterserscheinungen sicher längst entfernt worden. Doch das 1947 gebaute Anwesen gehörte Frank Sinatra.
Mittlerweile hat eine Agentur das Anwesen aufgekauft und vermietet es an Gäste. Wer das ehemalige Anwesen Frank Sinatras bucht, kann im Master-Bedroom vor dem Kamin lümmeln, während "Strangers in the Night" aus Sinatras alter Musikanlage klingt. Auch ein Butler wird gestellt.
Als er das Anwesen 1947 in Palm Springs bezog, war Frank Sinatra einer der größten Sänger, Schauspieler und Entertainer des vergangenen Jahrhunderts. Ein Herzensbrecher, ein Geschäftsmann und ein Choleriker. Doch wer mit ihm zu tun hatte, konnte sich seinem Charme nur schwer entziehen.
Francis Albert Sinatra wurde 1915 in Hoboken, New Jersey geboren. Seine Eltern waren italienische Auswanderer, er ihr einziges Kind und ein wenig verwöhnt. Dass er Sänger werden wollte, wusste Sinatra schon früh, er hatte Talent: Mit der Gruppe "The Hoboken Four" gewann er 1935 einen Talentbewettbewerb.
Der Beginn seiner Karriere. Ein paar Jahre später, als er und Humphrey Bogart sich zum ersten Mal in Hollywood begegneten, soll dieser zu Sinatra gesagt haben: "Alle sagen, du hast eine Stimme, die Mädchen ohnmächtig werden lässt. Mach mich mal ohnmächtig." Tatsächlich wurde jedes seiner Konzerte von einem Background-Chor aus weiblichem Gekreische begleitet.
Sinatra genoss diese Aufmerksamkeit, heiratete jedoch mit 24 Jahren seine Jugendliebe Nancy Barbato. Auch deshalb, weil seine Mutter ihn dazu drängte. Eine Freundin erinnert sich an den Hochzeitstag: "Er sah aus wie der traurigste Mann der Welt."
Mit Nancy und den Kindern, Tochter Nancy und Sohn Frank Jr. bezog er das rechtzeitig zum Silvesterfest fertig gestellte Haus in der Wüste. 150.000 Dollar hatte es gekostet. Dank seines Plattenvertrages mit Columbia und eigenen Sendungen im Radio konnte er sich diese für damalige Verhältnisse hohe Summe leisten.
Für Palm Springs und auch Las Vegas Frank wurde Sinatra zu einem Stern, der die Städte in bis dahin nie gekanntem Glanz erstrahlen ließ. Wo er war, waren auch immer die anderen: Sein Freund Humphrey Bogart und dessen Frau Lauren Bacall. Ava Gardner und Marilyn Monroe. Später auch das Rat Pack, wie man es heute kennt: Dean Martin, Sammy Davis Jr., Peter Lawford und Joey Bishop. Die Kennedys. Die Mafia.
Doch während in Vegas nur noch Weniges an "The Voice" erinnert, hat sich Palm Springs den Charme der alten Tage bewahrt. Vor den in Pastellfarben gestrichenen Flachdachbungalows - oft Entwürfe berühmter Architekten der 30er bis 50er - wachsen liebevoll angelegte Kakteengärten. Das "Colony Palms Hotel", früher in Mafiahänden, ist zwar frisch renoviert, aber sieht noch genauso aus wie zur Zeit der Prohibition, als man Alkohol nur im hauseigenen "Speakeasy", einer illegalen Kneipe, konsumieren durfte.
Auch das "Chop House", ein luxuriöses Steakhaus, stand schon da, als Sinatra in sein Wüsten-Hideaway zog. Und Mel Haber, der Besitzer des pittoresken Hotels "Ingleside Inn", kann sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen man mit der täglichen Zeitung auch die Information geliefert bekam, "ob Mr. S. gerade in der Stadt war, oder nicht." Es war, als hätte Palm Springs einen heimlichen König.
Und so weiß jeder in der Stadt, der alt genug ist, um Sinatra gekannt zu haben, eine Geschichte über ihn zu erzählen. Es sind Geschichten über legendäre Saufabende, wilde Partys und ausufernde Streits.
So wie der, den Sinatra mit seiner zweiten Frau Ava Gardner führte und von dem das Waschbecken im Badezimmer noch immer zeugt. "Ava war Franks weibliches Pendant", erinnert sich sein ehemaliger Butler George Jacobs.