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8. November 2011, 11:54 Uhr

Das berühmteste Lächeln der Musikwelt

1967 wollten die Beach Boys eine Platte veröffentlichen, die alles Bisherige in den Schatten stellen sollte. Nach 44 Jahren hat "Smile" doch noch den Weg in die Öffentlichkeit gefunden - damit wird eines der bestklingenden Kapitel der Musikgeschichte endlich geschlossen. Von Carsten Heidböhmer

Smile, Beach Boys, Brian Wilson, Smile-Sessions

Nun hat "Smile" doch noch das Licht der Welt erblickt© Capitol Records (EMI)

Um das Schicksal des Albumprojekts "Smile" ranken sich mindestens so viele Legenden wie um die Ermordung John F. Kennedys. In den Jahren 1966/67 wurde keine Platte so sehnsüchtig erwartet wie die der Beach Boys. Musikkritiker, die vorab Ausschnitte des Albums zu hören bekamen, lobten das Werk in höchsten Tönen. Wilson, der musikalische Kopf der Gruppe, wurde wie ein Gott verehrt. Um nichts Geringeres als die Zukunft der Musik handele es sich hier, so die schwärmerischen Kommentare. Doch dann geschah - nichts. Das Album erschien einfach nicht. Über die Jahre wuchs der Mythos dieser Platte in unermessliche Höhen.

Es dauerte 37 Jahre, bis es die berühmteste unveröffentlichte Platte aller Zeiten erstmals ihren Weg in die Plattenläden fand: 2004 spielte Brian Wilson mit seiner Band den Songzyklus im Studio ein. Damit bekam man eine ungefähre Vorstellung, was "Smile" hätte werden können. Warum hat es so lange gedauert?

Jahrelang kursierten "Smile"-Bootlegs

Drogensucht, psychische Probleme und das Scheitern an der Umsetzung dieses ambitionierten Projekts verhinderten damals die Veröffentlichung. Immer wieder kursierten im Laufe der Jahre illegale Kopien, sogenannte Bootlegs, mit Material aus den "Smile"-Sessions. Dies hielt das Interesse an diesem Album über Jahrzehnte wach und nährte den Mythos. Einen Nachteil haben diese Aufnahmen jedoch: Sie waren in der Form nie zur Veröffentlichung bestimmt. Die aufgenommenen Stücke sollten keine selbstständigen Songs werden, sondern dienten als Rohmaterial, das Brian Wilson zu neuartigen Collagen verarbeiten wollte. Ihm schwebte ein komplettes Album im Stile von "Good Vibrations" vor, dem bis dato größten und aufwändigsten Hit der Beach Boys.

Hatte Wilson auf früheren Alben jedes Stück als unabhängige Einheit behandelt, so gab es für ihn bei "Smile" keine Grenzen mehr: Musikalische Themen sollten auf Albumlänge immer wieder auftauchen und so einen inneren Zusammenhang schaffen. Sein Vorhaben, eine "Teenage Symphony to God" zu schaffen, macht von daher Sinn: Das Album sollte einen großen symphonischen Bogen spannen.

Fragmente, keine Songs

Die zwei Dutzend fragmentarischen Musikstücke, die die seit Jahren auf Bootlegs verbreitet werden, wollte Brian Wilson zu einem zusammenhängenden Ganzen formen. Da man nur erahnen kann, wie die Fragmente zusammengeführt werden sollten, ist es nicht mehr möglich, zu rekonstruieren, wie das Album klingen sollte. Das ist die Krux an den erhaltenen Studioaufnahmen.

Daran ändert auch die offizielle Veröffentlichung von "Smile" nichts, 2004 neu eingespielt von Brian Wilsons Tour-Band, mit der er das Werk zuvor bereits live auf die Konzertbühne gebracht hatte. Für den Künstler selbst war es ein Happy End. Nach fast vier Jahrzehnten erblickte "Smile" doch noch das Licht der Welt. Und es war keinesfalls ein schlechtes Album, ganz im Gegenteil: Wilsons Stimme war zwar ein wenig in die Jahre gekommen, doch im Großen und Ganzen trug sie die Stücke noch. Die Songs haben die Jahre ohnehin mühelos überdauert, sind es doch allesamt zeitlose Klassiker, die mit zunehmendem Alter eher noch wachsen. Was damals eine musikalische Sensation gewesen wäre, gab auch 37 Jahre später noch ein formidables Album ab. Es blieb die Frage: Wie hätte das Original-Album damals geklungen?

Wilson setzte das Puzzle neu zusammen

Es hat noch einmal sieben Jahre gedauert, bis auch dieses Geheimnis endlich gelüftet wird. 2011 beschloss Brian Wilson, ein langes und quälendes Kapitel in seinem Leben endgültig zu schließen: Er nahm sich noch einmal die alten Bänder von den "Smile"-Sessions vor, setzte das Puzzle neu zusammen und veröffentlicht nun die Musik, die eigentlich schon 1967 hätte erscheinen sollen.

44 Jahre, nachdem sie eingespielt wurden, sind die "Smile-Sessions" in verschiedenen Versionen erschienen - als einfache CD, als Doppel-CD oder als opulentes Box-Set. Damit kann man endlich komplett in den musikalischen Klangkosmos eintauchen, an dem Brian Wilson damals gearbeitet hat. Für den Musikhörer wie für Wilson ist es ein Segen: Endlich kann ein lange offenes Kapitel der Musikgeschichte geschlossen werden. Es handelt sich dabei nicht um irgendein Kapitel - es ist eines der bestklingenden aller Zeiten.

Die Homepage des Künstlers www.brian-wilson.de

Von Carsten Heidböhmer
 
 
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