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"Das war eine komische Geschichte"

Nicht nur ganz Recklinghausen stand hinter ihm: Haushoch gewann Thomas Godoj die Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar". Im Gespräch mit stern.de gibt er sein Erfolgsrezept preis und gesteht, welche Boygroup er auf Kassette hat.

Auf einer Skala von Eins bis Zehn - wie schräg ist der Rummel für Sie, der gerade um Ihre Person gemacht wird?

Zehn. Alles sehr neu, alles sehr lehrreich. Es ist viel, und auch stressig, man bekommt wenig Schlaf. Aber es macht Spaß. Den Sieg habe ich bisher noch nicht so ganz verarbeiten können, weil ich gar keine Zeit hatte, das alles Revue passieren zu lassen.

Nach dem Finale von DSDS wurden die Anrufer-Zahlen der einzelnen Sendungen bekannt gegeben: Sie lagen die ganze Zeit mit bis zu über 50 Prozent vorne.

Da war ich auch überrascht. Ich musste ja in zwei Sendungen nach vorne, obwohl mein Weiterkommen offensichtlich gar nicht auf der Kippe stand. Das war eine komische Geschichte.

Sie haben ja bereits in mehreren Bands gesungen. Wann genau haben Sie mit der Musik angefangen?

Ich habe 2001 meine erste Band gegründet. Dann haben wir in Recklinghausen einen Newcomer-Wettbewerb gewonnen und sind Publikums- und Jury-Sieger geworden.

Haben Sie in der Band die Songs geschrieben?

Wir haben das zusammen gemacht. Manchmal hatte ich eine Melodie im Kopf und wir haben gemeinsam daran gefeilt. Wir haben sehr viel Zeit im Proberaum verbracht.

Spielen Sie selber eigentlich auch Instrumente?

Ich kann ein paar Griffe auf der Gitarre, aber nicht so, dass ich gleichzeitig singen kann.

Ist es schwieriger, Songs zu singen, die man nicht selber gemacht hat?

Ja. Beim Covern kommt es eben immer drauf an, was man draus macht. Deswegen habe ich immer versucht, meine eigene Note rein zu bringen. Andererseits ist es wichtig, dass man das Stück noch wieder erkennt. Das war aber auch sehr wichtig für die Gesangslehrer.

Zwischendurch haben Sie in der Sendung häufiger verwundert gesagt: "Ich mach doch nichts anderes als vorher." Gab es einen Moment, an dem Sie gedacht haben: "Diesen Wettbewerb kann ich jetzt gewinnen!"?

Nee, ich bin eher so ein Typ, der versucht, sich nicht verrückt machen zu lassen. Ich hab mir immer gesagt: "Bleib locker, konzentrier dich auf die nächste Show. Finde deinen Weg, irgendwie." Man darf sich nie zu früh freuen. Auch jetzt nicht, auch als Sieger nicht. Man weiß einfach nicht, was auf einen zukommt und wie sich das entwickelt.

Wie wäre es Ihnen denn am liebsten?

Na ja, jetzt ist erst mal das Album geplant. Wir haben mit dem Management und der Plattenfirma Songs ausgesucht und werden eine gemischte Platte machen - mit deutschen und englischen Liedern.

Und wird es eine Band geben, mit der Sie auf Tour gehen?

Genau. Ich werde mir eine Band zusammensuchen. Gitarrist und Schlagzeuger kommen von meiner ehemaligen Band Wink.

Stichwort Bandauflösung: War für Sie von dem Moment an klar, dass Sie alleine weiter Musik machen würden?

Nein, das war mir überhaupt nicht klar. Ich war erstmal total down. Weil man soviel Zeit investiert hat und so viel Herz. Jedes mal, wenn sich eine Band trennt, ist das, als ob eine Beziehung auseinander geht. Die Band hat sich nicht aufgelöst, weil wir uns gestritten hätten - es waren, wie fast immer, finanzielle Gründe. Ob man mit mäßigem Erfolg weiterhin in einer Band spielen will, ist ja auch eine Entscheidung für ein gewisses Leben. Manche sagen: "Mann, zwei Jahre schon ohne Geld zu verdienen". Aber da muss man Geduld haben und durchhalten. Und natürlich auch finanzielle Abstriche machen. Heutzutage ist das nun mal so: Wenn du in Clubs auftreten willst, muss du erst mal in Vorkasse gehen und ein gewisses Kontingent an Karten kaufen. Am Ende kann man froh sein, wenn man plus minus null raus kommt. In Recklinghausen gibt es eine Band namens Heartbreak Motel, die spielen schon seit 7 Jahren zusammen. Die cruisen immer noch durch die Weltgeschichte mit ihrem kleinen Bulli. Und obwohl die richtig gut sind, spielen die fast für nix. Davor habe ich tiefen Respekt. Alle wollen Musik haben, aber keiner will dafür zahlen. Und wenn man keine große Fan-Base nachweisen kann, interessieren sich die Plattenfirmen einfach nicht für dich.

Welche Musik haben Sie gehört, bevor Sie selbst angefangen haben?

Also ich hab früher immer Metal gehört. Auch Gothic-Rock, Type 0 Negative, Nirvana, sehr breit gefächert. Ich hatte auch mal eine Kassette von New Kids On The Block. Da war ich allerdings erst 13.

Verfolgen Sie das, was zum Beispiel in der "Bild"-Zeitung über Sie steht?

Naja, ich kauf sie mir nicht. Da wird so viel geschrieben, das verwirrt einen nur. Ich habe versucht, meine Sache gut zu machen und mich nicht aus der Reserve locken zu lassen. Ich hab mir gesagt: Was sollst du dich jetzt verrückt machen. Die Leute schreiben eh was sie wollen.

Man kann es sowieso nicht kontrollieren.

Ich glaube, vom Kopf her lebt man besser, wenn man das gar nicht erst versucht.

Sie sind gerade bei der Grand-Prix-Party aufgetreten. Sind Sie nervös vor so einem Auftritt?

Naja, ich hab ja vorher schon Musik gemacht. Mit meiner Band Cure of Souls standen auch schon vier- bis fünftausend Leute vor der Bühne. Das war so mein erstes Highlight. Und der Auftritt mit Wink vor 2000 Leuten in der Münchner Muffat-Halle.

Wie wichtig ist Live-Spielen für Sie?

Sehr wichtig. Das ist so das wichtigste an der Musik, meiner Meinung nach. CD ja, aber die Leute wollen halt auch sehen, wie das live rüberkommt. Ich glaube, dass sich die Musik dadurch auch besser verkauft. Wenn ich jetzt von mir ausgehe, dann möchte ich ja auch sehen, wie ein Künstler, von dem ich die CD habe, das auf der Bühne macht. Und wenn das dann enttäuschend ist, sag ich auch, da lass ich die Finger von. Für ein schönes Konzert bezahl ich persönlich auch gern mal etwas Geld. Klar kann auch mal was schief gehen. Aber das gehört ja dazu.

Im Fernsehen war häufig zu hören, dass Ihre Mutter Sie überredet hätte, zum DSDS-Casting zu gehen.

Ja, schon vor 2 Jahren, als es die Band noch gab. Aber da wollte ich ja nicht. Da zählte nur die Band, Band, Band.

Also war's im Nachhinein gut für Sie, dass die Band sich aufgelöst hat - sonst wären Sie jetzt nicht hier?

Das kann man so und so sehen, nicht wahr?

Und wie hat Ihre Mutter Sie schließlich überredet?

Sie ist eine leidenschaftliche DSDS-Guckerin und hat immer gesagt: "Thomas, mach doch auch mal mit" Und ich sagte: "Nein!" Und nach der Bandauflösung stand ich eben vor der Frage: Was machst du jetzt eigentlich? Ich hab 8 Semester Bauwesen studiert, war schon 7 Jahre aus meinem Beruf aus Maschinenbauzeichner raus. Ich habe mich gefragt, ob ich es jetzt weiter mit der Musik versuchen soll. Oder ob ich etwas "Vernünftiges" mache. Sprich Bauzeichner oder Hochschulabschluss.

Also gab es doch einen "Plan B"?

Nicht wirklich. Gut, vielleicht hätte ich mich irgendwann vernunftgemäß gegen die Musik entscheiden müssen. Aber ich habe immer für ein Leben als Musiker gekämpft. Und jedes Mal auch einen auf den Kopf gekriegt. Meine Meinung ist, dass es für neue Bands einfach zu schwierig ist, eine so große Fan-Base zu entwickeln, dass sich Plattenfirmen für einen interessieren. Wir haben auch diverse Newcomer-Wettbewerbe mitgemacht wo man 70 Euro Startgebühr zahlen musste. Das ist so ein Humbug. Da kann ich nur jeder Band empfehlen: Bitte nicht bewerben. Das bringt nichts.

Was würden Sie jungen Bands im Rückblick denn empfehlen?

Erstens sollte man sich grundsätzlich immer die Frage stellen: Will man Musik machen? Und dafür alles aufgeben? Und das gemeinsam durchziehen? Oder lässt man es lieber bleiben.

Und wenn man sich für Ersteres entscheidet?

Dann sollte man das auch durchziehen. Aber das ist eben wirklich schwierig. Weil man kaum Geld verdient, jede Menge Zeit investieren muss und sich niemals sicher sein kann, dass der Erfolg wirklich kommt. Jeder hat so seine Vorstellungen im Leben.

Wie sind die Reaktionen aus der Recklinghäuser Musikszene? Die Bands, die Sie noch von früher kennen - was sagen die zu Ihrem DSDS-Erfolg?

Ja, also die Recklinghäuser Bands sind ja alle eher so Richtung Metal-Core, Punk und Rock'n'Roll. Aber sie sind begeistert. Überrascht. Die stehen hinter mir.

Interview: Andrea Ritter
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