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21. Mai 2008, 18:10 Uhr

Nackt sein reicht nicht

Einfach ausziehen reichte dem russischen Popduo t.A.T.u nicht. In ihrem aktuellen Musikvideo wird gleich noch eine Schwangere exekutiert. Im russischen TV lief das Video zensiert - im Internet gibt es nun die ganze Version. Von Judith Lövenich

t.A.T.u-Sängerin Lena im Video

Sängerin Lena Katina räkelt sich auf einem Bett und zieht sie sich splitternackt aus - so zu sehen im Video zum Song "Betiy Plaschik" (auf Englisch "White Robe") der russischen Band t.A.T.u. Seit einigen Tagen kursiert das Video im Internet und sorgt dort für heiße Diskussionen. Es handelt sich um eine unzensierte Version eines Musikclips, der schon seit Monaten - wesentlich harmloser - im russischen Musikfernsehen läuft. Darin provozieren t.A.T.u aber nicht nur mit nackter Haut. Das düstere Video gipfelt darin, dass Sängerin Julia Volkova in einem Bunker mit rundem Babybauch und in Unterwäsche an eine Art Marterpfahl gebunden und von einem uniformierten Exekutionskommando erschossen wird. Dazu sind Schaulustige geladen, denen die Ermordung als Amüsement dargeboten wird.

Provokation pur oder politisches Statement?

Will die Band mit den provokanten Szenen gegen Abtreibung oder die Todesstrafe demonstrieren oder greifen sie in die Marketing-Trickkiste, um sich ins Gespräch zu bringen? t.A.T.u ließen stern.de über ihr Management ausrichten, dass sie mit den Sex- und Gewaltszenen tatsächlich eine Botschaft vermitteln wollen. "Das Video ist gegen Gewalt, Gewalt die um uns herum ist. Das ist ein fast unmögliches Bild - eine schwangere Frau, die Leben in sich trägt, zu erschießen - wegen nichts" so Katina. Das Video sage etwas über die Welt aus, "eine Welt, in der zu leben, schmerzt." Aber dann beschwichtigt die Sängerin ihre Worte - und auch das düstere Video: "Ich glaube an Liebe. Ich glaube, Liebe ist stärker als Gewalt."

Die Liebesbotschaft war für das russische Musikfernsehen nicht so offensichtlich. "Es gab Sender, die sich weigerten es zu spielen", so Volkova. Deshalb bleibt Lena Katina in der offiziellen Version fürs Fernsehen weitgehend bedeckt und auch der Slip angezogen. Das hielt das t.A.T.u-Management allerdings nicht davon ab, die unzensierte Version auf die offizielle Webseite der Band (mit dem Hinweis "Nicht gucken, wenn du unter 14 bist") und auf die Maxi-Single-DVD (mit dem Hinweis " Diese Doppel-Disk enthält einzigartige Inhalte, die in der Zukunft nicht veröffentlicht werden") zu packen, die derzeit in Russland zu kaufen ist.

Und eben diese Version landete nun bei Youtube. Offiziell hat das t.A.T.u-Management damit nichts zu tun: "Wegen des expliziten Inhalts haben wir entschieden, das Video nicht bei Youtube einzustellen." Doch auch wenn t.A.T.u das Video nicht selbst hochgeladen haben - es war über die Homepage der Band sehr leicht zu bekommen. Seit Volkova nackt online zu sehen ist, sind die zwei unzensierten Videos (englische und russische Version) zusammen bereits fast eine Million Mal bei Youtube angesehen worden. Perfektes Vorspiel für die Veröffentlichung des Albums "Waste Management", das in Kürze in Russland veröffentlicht wird und für den Herbst in Englisch geplant ist.

Lesbisch zu Marketingzwecken

"Sex sells", das wussten t.A.T.u bereits bei ihrer Bandgründung 1999. Zuerst traten sie als lesbische Schulmädchen auf, knutschten bei Konzerten und nahmen sich Vibratoren mit auf die Bühne. So wurden sie zur erfolgreichsten russischen Pop-Band aller Zeiten.

Auch in einem ihrer alten Musikvideos haben t.A.T.u auf krasse Bilder gesetzt, um aufzufallen. Im Video zu "All about us" musste sich Volkova vor einem Vergewaltiger retten, um ihn am Ende zu erschießen. Erst Sex - dann Gewalt. Das Ganze wiederholt sich in "White Robe" - und damit es noch etwas spannender wird, gibt es eine zensierte und eine unzensierte Version. Und die Version, über die nun auch hierzulande alle sprechen, ist natürlich die unzensierte.

Von Judith Lövenich
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
bR4iNST0RM (22.05.2008, 13:43 Uhr)
@ 0c3z0
Ganz genau! Wie schon bei den Gladiatoren im alten Rom: Spiele für das Volk! Und wenn es mit dem Tod endet, um so besser. Das ist auch in unserer "modernen" Welt nach wie vor Gegenstand! Der Mensch ist halt noch zu jung, um aus der Geschichte wirklich zu lernen. Traurig aber Fakt. Und es gibt bestimmt einige Hohlbratzen denen nichts mehr zu viel ist. Irgendwann sind wir wieder bei den Gladiatoren. "Retro" ist ja momentan eh "in". Der Mensch ist nur ein "zivilisiertes" Urvieh.
0c3z0 (22.05.2008, 12:24 Uhr)
Abtreibung/Todesstrafe????
So skandaloes wie geschrieben fand ich das Video lange nicht. Doch abgesehen davon waere interessant zu wissen was eigenltich im Text gesagt wird? Weiss das die Autorin ueberhaupt? Oder macht sie ihre Statement Todesstrafe/Abtreibung einfach mal so.
Ich bringe mit dem Video weder Todesstrafe noch Abtreibung in Zusammenhang. Fuer mich ist es eher die Verbildlichung unserer Gesellschaft in der Gewalt immer mehr zum Entertaiment wird, oder das Bild einer abgestumpften Geschellschaft die alles Extreme fuer den eigenen "Kick" konsumiert ohne dabei die dahinterstehende reale Gewalt zu sehen. Oder einfach eine Geselschaft die lieber zusieht/ zum Teil Gefallen daran fidet, wenn jemandem Gewalt angetan wird, anstatt dagegen etwas zu tun, etc.
bigcpoint (22.05.2008, 02:25 Uhr)
Alltag
Sieht man mal, was den Russen so durch den Kopf geht.
muc68 (22.05.2008, 00:00 Uhr)
was bitteschön ...
ist daran skandalös?
VIEL LÄRM um ZIEMLICH WENIG!
langsam-reicht-es (21.05.2008, 22:21 Uhr)
chatawackeloderwashootschachtel
zum Vorgänger: wenns dir nicht gefällt,brauchst es auch nimmer anschauen.
Und was das mit "Schmuddel-Stern" zu tun hat,erschließt sich mir auch nicht.
Hast deine Tabletten nicht genommen weil du was durcheinanderbringst?
Aber im Ernst- ist für meinen Geschmack ein zu heftiges,nichtssagendes Video.
Der Song dazu hört sich für mich nicht schlecht an.
chatahootchee (21.05.2008, 20:15 Uhr)
SCHMUDDEL-STERN.DE
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