Ein Hauptmann, zwei Streifenpolizisten

16. Mai 2007, 15:32 Uhr

Der Sänger gab schon immer den Ton an: Natürlich war es Sting, der seine beiden Kollegen zum Comeback von The Police überredete. 1986 hatte sich die Band getrennt, nun geht sie wieder auf Tournee. Was treibt die drei Herren an - Langeweile? Geldsorgen? Von Hannes Roß

Comeback geglückt: Sting, Schlagzeuger Stewart Copeland und Gitarrist Andy Summers (v.l.) nach ihrem Auftritt bei der Grammy-Verleihung im Februar in Los Angeles©

Vielleicht war die Laute Schuld. Eine Laute, deren Schalloch eine hübsche Rose zierte. Sie lehnte an der Wand eines Hotelzimmers in Los Angeles. Sting starrte sie an, immer wieder. Es war später Abend, auf dem Tisch stand eine halbgeleerte Flasche Rotwein. Da kann man schon mal nostalgisch werden. Mit Renaissance-Liedern aus dem 15. Jahrhundert, begleitet von einer Laute, hatte es Sting mit seiner CD "Songs from the Labyrinth" wieder einmal an die Spitze der Charts geschafft. Mit fast allem hatte er zuvor Erfolg gehabt: Pop, Rock, Jazz, Weltmusik. Nebenbei wollte er 1987 mit einer eigenen Stiftung noch den Regenwald von Brasilien retten. Aber was jetzt? "Natürlich hätte ich auch ein zweites Lauten-Album machen können, aber ich wollte etwas anderes. Etwas, was die Leute überrascht. Mich überrascht."

Die ewigen Ex-Mitglieder

Das ist ihm gelungen. Sting rief seine Police-Kollegen Steve Copeland und Andy Summers an. "Erst dachten sie, ich würde einen Witz machen, aber dann waren beide Feuer und Flamme für eine Wiedervereinigung." Kein Wunder: Seit sich die Gruppe 1986 trennte, waren Copeland und Summers nur noch dafür bekannt, dass sie einmal bekannt waren. Die ewigen Ex-Mitglieder. Jetzt sind The Police zurück, zusammen ist die Band inzwischen 173 Jahre alt: Gitarrist Andy Summers, 64, Schlagzeuger Stewart Copeland, 54, und Sting, 55. Nun gehen sie auf Welttour, 80 Konzerte rund um den Globus, vier davon in Deutschland, die Tickets kosten zwischen 75 und 125 Euro. Schon jetzt sind ihre Konzerte so gut wie ausverkauft, in New York dauerte das nur vier Minuten.

Dass alte Rockbands es noch mal wissen wollen, ist ein altes Phänomen. Letztes Jahr veröffentlichte beispielsweise The Who nach 23-jähriger Pause eine neue CD, aber das Comeback von The Police ist etwas anderes. Sting war niemals abgetaucht - im Gegensatz zu Pete Townsend, der nur noch von seinem Rebellen-Image der sechziger Jahre zehrt, dessen größter Hit "My Generation" schon mehr als 30 Jahre alt ist. Sting ist ein Superstar, der seit Jahren Millionen CDs als Solo-Künstler verkauft.

"Ich wäre geisteskrank, würde ich The Police wiedervereinigen"

Die Generalprobe haben The Police schon bestanden. Bei den Grammy-Awards in Los Angeles im Februar stahlen die alten Hasen Sting, Copeland und Steward den jungen Bunnies Beyonce und Christian Aguilera die Show. Es war ihr erster Auftritt seit Jahren, und als die ersten Gitarrenakkorde von "Roxanne" erklangen, ging der Rest des Liedes in einer fast beatleshaften Kreischhysterie unter. Und die fantastischen Drei, Sting, Copeland, Steward wirkten dabei wie eine eingeschworene Alt-Herren-Gang, die nichts auseinander bringen kann. Copeland wirbelte wie der irre Drummer aus der Muppet-Show über seine Becken, Steward lehnte sich so tief nach hinten für seine Gitarrenriffs, dass man Angst bekam, er würde gleich hintenüber fallen, und Sting gab den Leitwolf mittendrin, der mit seinem treibenden Bass und klagenden Gesang das Ganze zusammenhält.

Schon seltsam. "Ich wäre geisteskrank, würde ich The Police wiedervereinigen", hatte Sting noch vor ein paar Jahren behauptet. Müssen wir uns jetzt etwa Sorgen machen? Nein. "Diese Gruppe ist für mich wie eine enttäuschte Liebe, nur habe ich diese Gefühle lange unterdrückt. Diese Tour ist für mich eine Art Vergangenheitsbewältigung." Vorbei sind Zeiten, wo sie sich um die Vorherrschaft in der Band stritten. Das sagen sie jedenfalls. "Sting ist jetzt unser uneingestränkter musikalischer Anführer. Er gibt den Takt vor", sagt Copeland. Fast hört man, wie Streifenpolizist Copeland vor Polizeihauptmann Sting die Hacken zusammenschlägt.

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