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Konzert-Kritik

Helene Fischers volles Gymnastik-Programm

Sie singt, sie tanzt, sie schwingt durch die Lüfte: Mit ihrer neuen Show setzt Helene Fischer erneut Maßstäbe und bestätigt ihren Ruf als deutsche Popschlagerkönigin.

Von Fritz Wilhelm

Helene Fischer

Akrobatisch: Helene Fischer beim Auftakt ihrer Deutschland-Tournee in Hannover.

Andere Künstler würden für größenwahnsinnig erklärt werden: die größten Hallen in 13 Städten mit jeweils fünf Konzerten. kleckert nicht, sie klotzt. Auch bei den Ticketpreisen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen am Dienstagabend beim Auftakt ihrer neuen Tour in der TUI-Arena in Hannover. Ausgerechnet Hannover, die Stadt der perfekten deutschen Durchschnittlichkeit. Und so sieht auch das Publikum aus, das sich noch zehn Minuten vor Showbeginn vor der Halle staut. Alle Bevölkerungsgruppen von ganz jung bis ganz alt haben sich versammelt, um der deutschen Popschlagerkönigin zu huldigen.

Die Sängerin weiß natürlich, was sie ihren Fans schuldig ist und feuert gleich zu Beginn der Show drei Party-Hits hintereinander ab: "Nur mit Dir", "Phänomen" und "Das volle Programm". Zumindest die Zuschauer im Parkett hält von den ersten Tönen nichts mehr auf den Stühlen; sie werden sich auch bei langsameren Liedern kaum wieder hinsetzen. Kein Wunder: viele von ihnen sind Wiederholungstäter. Später sollen sie der Künstlerin zurufen, wie häufig sie schon in ihren Konzerten waren. Man hört vor allem zweistellige Zahlen. Die höchste ist 50.

Helene Fischer wagt Seiltänze mit dem Cirque du Soleil

Den ersten Teil des Konzerts bestreitet Fischer in einem sehr amerikanischen Showoutfit. Im Laufe der dreistündigen Show wechselt sie häufiger die Kleidung: mal bodenlanges rotes Kleid, mal schwarzer Zweiteiler mit langer Lederhose, mal weißes Sportdress mit Mantel. Immer so wie es gerade passt, um die Tanz- und Gymnastikeinlagen, die sie einstudiert hat, optimal absolvieren zu können. Und die haben es in sich. Bereits bei den ersten Songs ist die Kooperation mit dem Cirque du Soleil nicht zu übersehen.

Nicht nur die Tänzer, die gern sehr leicht bekleidet oder auch ganz oberkörperfrei auftreten, sondern auch die Sängerin selbst hängt sich an die Seile, schwingt über die Bühne und in ungeahnte Höhen. Und wenn man als Zuschauer denkt, dass man im Laufe der Show nun wirklich alles gesehen hat, was man mit Seilen anstellen kann, setzt sie noch eins drauf. Mit einer gymnastischen Einlage mit einem Tänzer an einer beweglichen Stange in schwindelerregender Höhe überzeugt sie auch den letzten Zweifelnden: Helene Fischer ist ein Ausnahmetalent und spielt – zumindest in – in einer Liga für sich.

Innovative Showideen und perfekte Technik

Doch nicht nur beim Tanz an den Seilen werden Maßstäbe gesetzt. Nachdem Fischer bei ihrer letzten Tour auf einem goldenen Vogel über die Zuschauer hinweggeflogen ist, gibt es diesmal einen riesigen Catwalk in das Publikum, der sich anheben und so um sich herum drehen lässt, dass die Künstlerin wirklich jedem Zuschauer nahekommen kann. Auch die Zuschauer auf den oberen Rängen werden bedacht: Mit einer freischwebenden Konstruktion wird sie bis unters Hallendach gehoben und singt von ganz oben. Technik, die begeistert - und manchmal übers Ziel hinausschießt. So etwa als Fischer einen Springbrunnen-Rock trägt, so dass man denkt, sie sei eine rostige Gießkanne, aus der an allen Ecken und Enden das Wasser herausspritzt.

Am größten ist der Jubel der Fans, wenn Fischer ihre Hits mit einer dynamischen Tanzshow und Showideen präsentiert, wie sie zumindest in Deutschland bisher nicht geboten wurden. Eindeutiges Highlight in dieser Hinsicht ist im zweiten Teil der Show das Lied "Achterbahn". Hier passt alles zusammen. Ein Feuerwerk für sämtliche Sinne, das es mit jeder US-amerikanischen Konzertshow locker aufnehmen kann. Ganz wesentlich trägt dazu auch das Arrangement der Lieder bei. Das sitzt und macht selbst ältere Fischer-Hits fit für das Jahr 2017.

Natürlich darf auch bei dieser Show der Klassiker "Atemlos" nicht fehlen. Bis zur Zugabe müssen die Zuschauer darauf warten. Und obwohl Fischer auch dieses Lied perfekt inszeniert, erzeugt es nicht die Ekstase wie noch bei der letzten Tour. Aus "Atemlos" ist einfach die Luft raus. Doch selbst wenn das neue Album bisher keinen Hit in dieser Kategorie produziert hat: Mit ihrer Show ist Helene Fischer auch so die unbestrittene deutsche Popschlagerkönigin. 


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