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Tokio Hotel bespielen ersten Club in London

Sie sind wieder da: Tokio Hotel, die Gruppe um Bill Kaulitz und Zwilllingsbruder Tom, starten ihre Tournee in London. Im Publikum: Junge Frauen in den Zwanzigern, die sich noch einmal wie ein Teenie fühlen wollen. 

Es ist fast wie früher: Sänger Bill Kaulitz strahlt seinen Fans entgegen, das vorwiegend weibliche Publikum kreischt vor Freude. Zwölf Jahre ist es her, da gelang der Band aus Sachsen-Anhalt der große Durchbruch: Ihr Song "Durch den Monsun" wurde in Deutschland ein riesiger Hit, kurz darauf feierten Tokio Hotel auch im Ausland Erfolge.

Eines hat sich bis heute nicht verändert: Stundenlang stehen die jungen Frauen in der Schlange, um bei ihren Stars in der ersten Reihe zu stehen - dem Londoner Nieselregen zum Trotz.

In der britischen Hauptstadt spielen Hotel das erste Konzert ihrer Welttournee. Der "KOKO"-Club im angesagten Stadtteil Camden ist ausverkauft. 1500 Fans sind an diesem Sonntagabend gekommen. Während der circa 90-minütigen Show voller Lichteffekte und Ohrwürmer fällt es nicht schwer sich vorzustellen, dass die vier Magdeburger mal vor der zehnfachen Zahl an Leuten gespielt haben.

Tokio Hotel hat einen neuen Sound

Mit den Songs ihres neuen Albums "Dream Machine" nehmen sie ihre Anhänger mit in eine Traumwelt.

Die besteht aus sphärischem Synthie-Pop, Disco-Bass und hohem, bis zur Unkenntlichkeit verzerrtem Gesang. Der ist leider so unspektakulär, dass ihn Bill mit seinen nicht viel besseren, aber perfekt einstudierten Tanzmoves locker übertrifft. Auch die Gitarre von Bills Zwillingsbruder Tom Kaulitz schien selten überflüssiger. Während der meisten Stücke steht der mit Baggy-Hosen, Basecaps und Dreadlocks bekannt gewordene Gitarrist nur noch lässig nickend über Soundcomputern und Effektboards.

Doch trotz aller vermeintlichen musikalischen Defizite machen die 27-Jährigen eine verdammt gute Figur: in silbern glitzernden futuristischen Kostümen und Tom etwa bei seinem angedeuteten Drumsolo mit Schlagzeuger Gustav Schäfer, 28. Der bildet mit Bassist Georg Listing, 29, die gewohnt souveräne Rhythmusgruppe, die stets bewusst im Schatten der Kaulitz-Brüder steht.

Die Zwillinge zogen sich zurück

So waren es auch die Zwillinge, die 2010 von Deutschland nach Los Angeles zogen – sogar regelrecht fliehen mussten. 

Denn die Privatsphäre der Brüder war praktisch nicht mehr vorhanden: Ständig lagerten Fans vor ihrer angemieteten Villa bei Hamburg, die von Sicherheitsleuten bewacht wurde und von einer zwei Meter hohen Mauer umgeben war. "Das hat uns gerettet – sowohl musikalisch als auch privat", sagte Kaulitz kürzlich in der "ZDF"-Sendung "Markus Lanz". Listing und Schäfer wohnen dagegen noch in der Heimat.

Natascha Windheuser, heute 25, war schon mit 13 Jahren ein Tokio-Hotel-Fan der ersten Stunde. "Als ich gehört habe, dass sie in London spielen, musste ich einfach hingehen", erzählt die Koblenzerin. Über die paar Stunden Schlange stehen kann sie nur lächeln. Bei einem ihrer letzten Tokio-Hotel-Konzerte vor zehn Jahren musste sie noch 20 Stunden warten, um einen guten Platz zu bekommen.

Ein Konzert wie ein Flashback

"Als wütender Teenager habe ich Tokio Hotel geliebt", sagt auch Lauren Selway (24) aus Essex, "die Jungs waren einfach anders und in England kannte sie keiner. Das war cool."​ Die Engländerin lernte sogar Deutsch, um die Texte ihrer Idole verstehen zu können. An diesem Abend will sie sich in ihre Teenie-Zeit zurückversetzen.

Um diesen Flashback geht es womöglich vielen der überwiegend weiblichen Fans, die an diesem Abend gekommen sind. Denn trotz aller Wandlungen – Club-Tour statt Stadion-Konzert, Elektro-Pop statt Rockballade und Drei-Tage-Bart statt Manga-Frisur – sind Tokio Hotel auf eine merkwürdig authentische Art eine Teenie-Band geblieben.

sve/DPA

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