Eigentlich reicht allein der Name: U2. Die irische Überband mit politischem Unterbau hat ein neues Album aufgenommen und redet auch drüber. stern.de sprach mit The Edge und Larry Mullen Jr. über Hühnersuppe, Bono und den Preis des Ruhms. Von Sophie Albers

Länger berühmt als nicht: Bono, Larry Mullan Junior und The Edge© Dave Hogan/Getty Images
Bei U2 muss man sich entscheiden, ob man über Politik oder Musik reden will. Für die tönende Story einer der größten Bands der Popgeschichte unterhält man sich am besten mit Gitarrist The Edge und Drummer Larry Mullen Junior. Sänger und Charity-Politiker Bono sitzt in einem eigenen Zimmer nebenan.
Es war Mullen Junior, der 1976 als 14-Jähriger in seiner Schule in Dublin einen Zettel ans schwarze Brett hängte, um Musiker für eine Band zu finden. Unter anderem meldeten sich David Howell Evans (The Edge) und Paul David Hewson (Bono), die lange genug dabei bleiben werden, bis 1980 das Album "Boy", 1981 "October" und 1987 "Joshua Tree" erscheint. Der Rest ist Geschichte. U2s Sehnsuchts-Rock mit politischem Anspruch füllte bald Stadien. Der treibende Beat von Mullen Junior, die eingängigen Gitarren-Riffs von The Edge und der schluchzend-dominante Gesang von Bono haben einen Popstandard gesetzt. Bono teilt seine Zeit mittlerweile zwischen Pop und Politik auf.
The Edge und Larry Mullen Junior sitzen aufmerksam und entspannt an einem kleinen Tisch und bemühen sich sehr höflich um die bestmögliche Beantwortung der Fragen. Warum haben diese Superstars das nötig, fragt man sich. Die müssen doch in ihrem Leben keinen Finger mehr krümmen. Oder?
The Edge: Vor einer Woche. Es war der jämmerliche Versuch, Hühnersuppe zu kochen. Ich bin nach Hause gekommen, keiner war da, ich habe den Kühlschrank aufgemacht, und das war das einzige, was da war.
Larry Mullan Junior: Gib's doch zu! Du hast nur aufgewärmt.
The Edge: Nein, ich habe Karotten geschält und Sellerie geschnitten. Du weißt, wie eine Hühnersuppe geht.
Mullan Junior: Mit Liebe.
The Edge: Das habe ich nicht gesagt. (lacht)
Mullen Junior: Vor sechs Monaten. Habe ich Sie jetzt beeindruckt? (lacht) Ich bin mit einem meiner Kinder gefahren. Das war aber mehr zur Unterhaltung.
The Edge: Bei mir ist es schon ein paar Jahre her, aber ich erinnere mich noch daran. Mein Auto ist kaputt gegangen, und ich musste mit der Bahn weiter. Keiner hat mich erkannt. Das hat Spaß gemacht
The Edge: In unserem Leben geht es um Extreme. Es ist extrem seltsam. So wie diese Woche: Wir fliegen durch Europa, treten im Fernsehen auf und geben Interviews. Dann gibt es aber auch wieder Tage, die nicht normaler sein könnten. Wir mussten uns dran gewöhnen, mit diesem Kontrast klarzukommen und haben begriffen, dass beides geht. Und für die eigene Gesundheit musst du fähig sein, ein normales Leben zu leben. Kein Mitglied von U2 hat die Fähigkeit verloren, normal zu sein. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir aus Irland kommen. Wir haben noch viele Freunde, die uns kennen, seit wir 16 sind, aus der Schule. Niemand behandelt uns wie Stars. Das interessiert uns nicht.
The Edge: Ja. Das Dümmste, was du tun kannst, ist, dich mit Leuten zu umgeben, die immer deiner Meinung sind. Das haben wir glücklicherweise frühzeitig begriffen. Wir laden Leute ein, die uns sagen, was ihnen an einem Auftritt oder einem Album nicht passt.
The Edge: Das sind Freunde wie Gavin Friday. Den kennen wir, seit wir 15, 16 sind. Oder mein Bruder. Dem spiele ich CDs vor, und er sagt dann, was ihm gefällt und was nicht. Selbst Leute vom Management. Wir mögen es nicht, wenn Leute uns immer zustimmen. Das ist für uns die Definition eines Stars. Das wollen wir nicht.
The Edge: Das weiß man! Immer. Wir wollen gute Diskussionen. Egal ob für oder gegen unsere Ideen. Wir testen unsere Songs bevor wir rausgehen.
The Edge: Natürlich gab es die. Klar. Aber insgesamt haben wir es, glaube ich, geschafft, nicht völlig abzuheben. Was immer das normale Leben ist, wir haben nicht den Kontakt dazu verloren.
The Edge: Mir wurde klar, dass wir verdammt vorsichtig sein müssen, als wir den Film "Rattle and Hum" (1988, Anm.d.Red.) gemacht haben. Wir waren in Los Angeles, und weil wir einen Film gemacht haben, hatten wir plötzlich mit der Hollywoodmaschine zu tun. Wir haben versucht, ein Album zu machen, mit dem wir uns damals nicht kritisch genug auseinander gesetzt haben. Mir war klar, wenn wir uns weiter in diese Richtung bewegen, könnte das übel enden. Am Ende der Tour war uns klar, dass wir das alles noch mal übrerdenken müssen. Dann kamen wir nach Berlin und haben "Achtung Baby" gemacht. (lächelt milde)
Mullen Junior: (guckt schon länger kritisch) Ruhm ist mir scheißegal. Ich will erfolgreich sein, ich will kreativ sein. Aber ja, es gibt Zeiten, in denen es sich wesentlich normaler anfühlt, in einer Suite zu sitzen und Interviews zu geben als...
Mullen Junior: Das hier (zeigt in die Adlon-Suite) ist unsere normale Umgebung. Damit verdienen wir unser Geld, das treibt uns an. Du machst Alben und verbringst so viel Zeit damit, sie aufzunehmen, weil du dann mit deinem Publikum darüber kommunizieren kannst. Über Leute wie Sie. Und die entscheiden dann, ob sie uns weiter hören wollen oder nicht. Wir machen das schon sehr lange, aber man muss genau unterscheiden zwischen Prominenz und Erfolg. (Pause. Guckt die Wand an, hinter der Bono sitzt)
Ich spreche hier nicht von Bono, der spielt in einer anderen Liga. Der verfolgt andere Ziele. Aber wir, die anderen drei Mitglieder der Band, sind nicht so auf Aufmerksamkeit aus. Das ist nicht unser Stil.
The Edge: Ich habe kein Problem damit, dafür berühmt z usein, dass ich Musik mache, dass ich Konzerte gebe. Ich möchte aber nicht dafür berühmt sein, dass ich berühmt bin. Das wäre sinnlos und banal.
Lesen Sie in Teil 2, ob die Prominenz von Bono seine Kollegen nervt