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Midnight Sister: Verspielter Patchwork-Pop

Berlin - Verspielt und spinnert, episch und elegisch: Es erinnert ein wenig an schräge moderne Hollywood-Soundtracks, was Juliana Giraffe und Ari Balouzian alias Midnight Sister auf ihrem tollen Debütalbum «Saturn Over Sunset» (Jagjaguwar/Cargo) machen.

Midnight Sister

Midnight Sister sind kunterbunt und ein bisschen schräg. Foto: Nicky Giraffe

Verspielt und spinnert, episch und elegisch: Es erinnert ein wenig an schräge moderne Hollywood-Soundtracks, was Juliana und Ari Balouzian alias Midnight Sister auf ihrem tollen Debütalbum «Saturn Over Sunset» (Jagjaguwar/Cargo) machen.

Etwa in der Art eines Jon Brion, der zwischen 1999 und 2004 mit  «Magnolia», «Punch Drunk Love», «Eternal Sunshine Of The Spotless Mind» und «I Heart Huckabees» eine sagenhafte Serie an wunderschön eigensinnigen Filmmusiken schuf. Auch ein kühner Individualist wie Todd Rundgren wäre als Referenz zu nennen. Bei «Daddy Long Legs» und «Hitman» (mit «Dancing Queen»-Zitat) lugt ABBA um die Ecke, bei «Clown» ist es Burt Bacharach.

Da fährt plötzlich ein Orchester mitten hinein in eine zarte Spieldosenmelodie, dissonante Bläser und Streicher stören kurz ein Klimperklavier. Diverse Keyboards wimmern und wabern, Elektronik und sogar ein Bass-Solo (!) werden behutsam eingestreut. Ein Glockenspiel bringt noch mehr Farbe in den ohnehin kunterbunten Sophisticated-Pop-Sound.

Als Highlights sind die Single «Blue Cigar», das irrwitzige «Shimmy», das als Akustikgitarren-Stück beginnende «So Young» und die berührende Ballade «Clown» zu nennen.

Wer nun vermutet, dass Midnight Sister kein Mainstream sind, hat natürlich Recht. Wer allerdings denkt, dass die beiden Frontleute hier ein ungenießbares Durcheinander anrichten, liegt daneben. Denn «Saturn Over Sunset» ist ein äußerst originelles, mordsmäßig unterhaltsames Pop-Album - mit einer ultra-coolen Sängerin, die sich nicht nur wegen ihres Namens Juliana Giraffe bereits jetzt filmreif anhört.

Die Assoziation zu passt übrigens auch insofern, als dieser orchestrale Psychedelic-Pop aus dem San Fernando Valley in Kalifornien stammt. Auf einen Film, den Midnight Sister demnächst musikalisch untermalen, darf man jedenfalls gespannt sein.

dpa
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