Sanfte Töne in bester Tradition

2. Juli 2004, 11:20 Uhr

Das eingängige Debüt-Album des amerikanischen Soul-Sängers Van Hunt besticht durch seine Vielseitigkeit. In den USA gilt der 26-jährige Multi-Instrumentalist als neue Hoffnung am Black-Music-Himmel.

Van Hunt im Juni 2004 in der Batschkapp in Frankfurt: "Ich möchte meine eigenen Songs selbst singen"©

Der junge US-Sänger Van Hunt hat für seine Musik - eine Mischung aus Soul, Funk und Blues - einen eigenen Namen gefunden: Classic American Music. "Ich meine damit zugleich Black Music, denn alle diese Stilrichtungen - Jazz und HipHop nicht zu vergessen - wurden schließlich von Schwarzen erfunden und populär gemacht", erläutert der 26-Jährige aus Atlanta. Seit kurzem ist in Deutschland Van Hunts selbst betiteltes Debütalbum (Capitol/EMI) auf dem Markt.

In den USA hat der Multi-Instrumentalist, der Saxophon, Keyboard, Schlagzeug, Bass und Gitarre spielt, bereits für einiges Aufsehen gesorgt. Der "Rolling Stone" sprach von einem "Album ohne Blindgänger" und die "New York Times" nannte ihn "The artist known as the new Prince".

Hunts Falsettstimme erinnert an Prince

Tatsächlich erinnert van Hunts Falsettstimme des öfteren an den kleinen, exzentrischen Star aus Minneapolis. Doch ist die Musik des Newcomers weniger experimentell als die von Prince. HipHop- oder Disco-Elemente fehlen ganz; Van Hunt orientiert sich dafür lieber am klassischen, von Curtis Mayfield oder Marvin Gaye geprägten Soul der frühen 70er Jahre.

Bestechend ist dabei aber seine Vielseitigkeit, die sich bereits in den ersten Songs offenbart: Der tanzbare Opener "Dust" wird von einem lässigen Gitarrenryhtmus angetrieben, "Seconds Of Pleasure" ist ein gemächlich dahin rollendes Blues-Stück und die Stücke "Hello, Goodbye", "Anything" und "Out Of The Sky" kommen ausgesprochen funky daher. Und mit "What Can I Say" zeigt Van Hunt, dass er auch die klassische Ballade beherrscht.

Im Musikbusiness ist van Hunt schon seit Jahren aktiv, bislang aber vor allem als Komponist und Produzent, so unter anderem für den Neo-Soul-Musiker Rashaan Patterson. Und auch mit Alicia Keys hat er schon gespielt. "Ich habe mich lange selbst nicht als eigenständigen Künstler gesehen, sondern wollte immer hauptsächlich Songs schreiben und Musik produzieren. Aber dann gab es einen Punkt, an dem ich spürte: Ich möchte meine eigenen Songs selbst singen."

Zwölf Songs in zehn Studios

An der Umsetzung dieses Entschlusses hat Van Hunt lange gearbeitet, in knapp zehn Studios haben die zwölf Songs nach und nach ihre Form angenommen. Mitgewirkt haben dabei renommierte Musiker wie etwa Gitarristin Wendy Melvoin (Prince), Schlagzeuger Matt Chamberlain (David Bowie, Tori Amos), Percussionist Lenny Castro (Eric Clapton, Rolling Stones), Keyboarder Patrick Warren (Red Hot Chili Peppers, Macy Gray) und Trompeter Nolan Smith (Marvin Gaye, Gap Band).

Für das Songwriting ist er innerhalb seiner Band, die wiederum aus anderen Musikern besteht, aber allein zuständig - und es läuft nicht immer rund: "Manchmal liegt der Song wie ausgebreitet vor dir, dann fällt das Komponieren leicht und es geht recht schnell. An anderen Tagen wiederum quäle ich mich tagelang und muss dann immer wieder Pausen einlegen oder vor die Tür gehen, ehe ich schließlich fertig werde."

Seine Liedtexte drehen sich hauptsächlich um die Liebe in allen Aggregatzuständen. Sich als Künstler politisch zu engagieren liegt dem 26-Jährigen eher fern, obwohl auch er die Politik der von US-Präsident George Bush geführten Regierung kritisch sieht. "Als Bürger bin ich durchaus besorgt über die gegenwärtige politische Landschaft und würde mich auch privat engagieren. Aber dies findet sich nicht in meiner Musik wieder; so inspirierend und bewegend finde Politik wiederum auch nicht", sagt er mit spitzbübischem Lächeln.

"Alle fünf Minuten eine neue Erfahrung"

Das Leben auf Tour und aus dem Koffer mag er ausgesprochen gern: "Alle fünf Minuten erwartet einen eine neue Erfahrung." An Deutschland hat van Hunt etwa erstaunt, dass alles so grün ist: "Wenn im amerikanischen Fernsehen etwas über Deutschland gezeigt wird, ist es immer der Zweite Weltkrieg: alles ist grau und voller Schlamm." Und an den Menschen in Europa fiel ihm als erstes auf, dass die Menschen den kleinen Dingen im Leben mehr Aufmerksamkeit schenken. "Das gefällt mir."

Das Beste an seiner nun stetig wachsenden Popularität in den USA und Europa ist aus seiner persönlichen Sicht aber, dass sich seine persönlichen, auch finanziellen Verhältnisse nach Jahren der Unsicherheit nachhaltig verbessert haben. "Das ist wirklich eine große Erleichterung. Momentan muss ich mir keine Sorgen um die Versorgung meines kleinen Sohns machen, der nun zwei Jahre alt ist."

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