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Der Abend der radikalen Mädchen

Nach all den unbefriedigenden Gala-Jahren fragt man sich, worauf der "wichtigste deutsche Musikpreis" denn ein Echo sein soll. Anlässlich des 20. Jubiläums haben vor allem Frauen Antworten gegeben.

Von Sophie Albers

Es gab einige Momente in der 20. Echo-Show, die erklären, warum es den "wichtigsten deutschen Musikpreis" immer noch gibt. Zum Beispiel gleich zu Beginn - um genau zu sein in Minute sieben nach Showstart - nachdem Moderatorin Ina Müller gemeinsam mit Scooter, Cassandra Steen, Peter Maffay, Stefanie Heinzmann und Max Mutzke einen Gänsehaut-Medley der Popmusik abgeliefert hat, der das Publikum ob seiner unerwarteten Schönheit geradezu verwirrte. Von Snaps "Rhythm is a Dancer" bis Katy Perrys "I kissed a Girl" ging Müller samt Duettpartnern dem Pop auf den akustischen Grund. Und plötzlich hatte der philosophierende Boxer Vladimir Klitschko Recht, der kurz darauf als Laudator die Musik mit dem Boxen verglich: "Musik ist wie eine Faust. Kommt ins Ohr, bleibt im Kopf."

Ina Müller selbst fragte sich denn auch, was nun eigentlich noch kommen sollte ("Ich habe gesungen, es hat geknallt"). Dabei war sie selbst die Antwort auf die alljährliche Tristesse dieser Veranstaltung, die sich nie selbst gefunden zu haben schien. An der Moderation lag es also. So angenehm leicht wie diesmal hat sich der Echo jedenfalls noch nie angefühlt. Es entstand eine familiäre Atmosphäre - vor allem wenn Tante Ina ihr loses Mundwerk nicht halten konnte. Und dabei war ihr schnurzpiepegal, ob sie nun den Sony-Chef nach ihren Chancen fragte, sich in den Charts hochzuschlafen, oder darauf hinwies, dass sich auch bei den Jungs von Take That langsam das Haupthaar lichtet.

Die waren samt Robbie Williams angereist, um sich ihren ersten Echo abzuholen (Band International). Dabei war Williams der Unentspannteste in der wiedervereinten Boyband. Trug fast immer Sonnenbrille, und war offenbar nicht ganz bei sich: "Zuhause bleiben ist das neue Ausgehen. Merkt euch das", verkündete er auf dem roten Teppich auf dem Weg in die Berliner Messehalle. Er freue sich an diesem Abend am meisten darauf, ins Hotel zurückzukehren.

Die anderen Spaßbremsen waren Rammstein (bestes Video, "Ich tu dir weh"). Das kennt man zwar schon, aber irgendwie wundert man sich doch immer wieder über das Pennäler-Gezicke, mit dem Preise als vergoldete Beleidigung interpretiert werden. Dafür war Herbert Grönemeyer bestens gelaunt und verlor sich beim Auftritt mit seinem Song "Schiffsverkehr" immer wieder in ausgelassenem Gegröle.

Und natürlich war auch Lena da! "Bitte nicht schreien", versuchte ein Moderator ganz am Anfang die Eurovision-Songcontest-Sängerin auszubremsen. Das klappte aber nur halb. Nach dem üblichen hyperaktiven Rumgezappel und einem kleinen Anfall von Logorrhoe bei der Dankesrede als Newcomerin National wirkte sie immerhin bei der zweiten Echo-Abholung (Künstlerin National) ein kleines bisschen entspannter.

"Königin von Berlin" und "heißer Feger"

Es waren tatsächlich die Frauen, die diesen Abend besonders gemacht haben. Ja, die Kitsch-Gewalt von Unheilig hat mal wieder gewonnen (Gruppe Rock National und Album des Jahres). Und Take That waren selbstredend die Megastars des Abends. Doch die Ansagen kamen ausschließlich von weiblichen Vertretern der Musik: Angefangen mit der bravourösen Moderatorin Ina Müller über den Ehren-Echo für die "Königin von Berlin" und Mutter der Neuen Deutschen Welle Annette Humpe, die Laudator Max Raabe als "radikales Mädchen" und "heißen Feger" beschrieb, die rau-charmante Gianna Nannini, bis zur kämpferischen Andrea Berg (Künstlerin Schlager), die geradezu bissig anmerkte, dass ihre Sparte noch immer das Stiefkind des Abends sei. Und mit dem britischen Stimmwunder Adele gab es wirklich eine ordentliche Faust ins Ohr, um noch einmal Klitschko zu zitieren.

"Die Stimmung war eigentlich nicht schlecht für so eine Preisverleihung", könnte auch für die 20. Echoverleihung gelten. Allerdings stammt das Urteil vom 18. Mai 1992 und von Harald Schmidt. Er war bei der ersten Echo-Gala Laudator.

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