Zeitgleich mit dem Eurovision Song Contest wollen Homosexuelle in Moskau für mehr Rechte demonstrieren. Im Interview mit stern.de spricht der Bundestagsordnete der Grünen, Volker Beck, über die Menschenrechtssituation in Russland und die Gefahren für schwule Grand-Prix-Touristen.

Volker Beck 2006 in Moskau: Von Rechtsradikalen wurde er damals blutig geschlagen© Mikhail Metzel/AP
Grundsätzlich hat sich an der Situation für Schwule und Lesben in Russland nichts geändert. Homosexualität ist dort stärker abgelehnt, als wir das sonst kennen. Und die Miliz ist Teil des Problems statt Teil der Lösung.
Das muss jeder für sich entscheiden, ich kann da niemandem einen Rat geben. Wer teilnehmen will, sollte allerdings wissen, dass die Gefahr besteht, verhaftet oder verprügelt zu werden. Deshalb empfehle ich dringend, vorher die Deutsche Botschaft zu informieren und sich mit der Notfallnummer zu versorgen.
Während der Veranstaltung sicher nicht. Wenn jemand in der Halle eine Regenbogenfahne hoch hält, wird wohl nicht viel passieren. Vielleicht werden die Kameras abgeschaltet. Ich glaube nicht, dass die Sicherheitskräfte sich vor Millionen Fernsehzuschauern die Blöße geben werden, brutal einzugreifen.
Leider viel zu wenig. Die Bundesregierung hat sehr ausweichend geantwortet, weil sie sich seit jeher scheut, die Frage der Menschenrechte und des Demonstrationsrechts bei der russischen Regierung offen anzusprechen.
Grundsätzlich sind Menschenrechte nicht nur Sache der Schwulen, deshalb erwarte ich von allen Teilnehmern Zivilcourage und Unterstützung. Die holländische Band "The Toppers" hat zum Beispiel angekündigt, ihre Teilnahme am Samstag abzusagen, falls es bei Demonstrationen zu Übergriffen kommt. Das ist vorbildlich!
Die Grand-Prix-Bühne ist sicherlich eine gute Gelegenheit, Sichtbarkeit herzustellen, zum Beispiel mit einem T-Shirt oder einer Flagge.
Menschenrechte stehen über der Politik. Und die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe ist ja wohl nicht politisch, oder?