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Exklusiv-Interview

"Es dauert seine Zeit, das zu verarbeiten"

Mit sechs Punkten belegte die deutsche Sängerin Levina beim ESC den vorletzten Platz. Der stern sprach mit der 26-Jährigen über ihre Tränen nach dem Finale, die Rolle des NDR, und ihre Pläne für die Zukunft.

Die deutsche ESC-Kandidatin Levina

Die deutsche ESC-Kandidatin Levina nach der Punktevergabe in Kiew

Levina, wie haben Sie die vergangenen Tage verbracht?
Ich war zu Hause in London und habe entspannt. Nach dem Vorentscheid in Köln waren die vergangenen Tage die ersten ohne Termine. Die habe ich genutzt, um Zeit für mich zu haben, den Koffer auszupacken und solche Dinge. Heute Morgen hatte ich dann meinen ersten Termin seit dem ESC und war beim ARD-Morgenmagazin.

Sie haben nach dem Finale geweint. Was ging da in Ihnen vor?
Ich war traurig, klar. Ich hatte mir ein anderes Ergebnis erhofft und gewünscht. Das Weinen war nicht nur eine Reaktion auf den vorletzten Platz, sondern darauf, dass nach dem Auftritt der ganze Druck von einem abfällt. Ich hatte mich ja drei Monate mit Leib und Seele auf den ESC vorbereitet. Als es vorbei war, war das ein sehr emotionaler Moment.

Konnten Sie schlafen?
Wir haben im Hotel mit dem Team gefeiert. Das war unser letzter gemeinsamer Abend, da wollten wir uns voneinander verabschieden. Am Montag bin ich dann nach geflogen, deshalb war die Nacht kurz.

Das klingt, als hätten Sie das schlechte Ergebnis verdrängt.
Nein, das glaube ich nicht. Verdrängen geht gar nicht. Aber es dauert seine Zeit, das zu verarbeiten. Es ist aber nicht so, dass ich total geknickt durchs Leben gehe. Ich möchte weiter machen, habe ja auch gerade mein neues Album "Unexpected" veröffentlicht. Am 26. Mai erscheint meine neue Single "Stop right there". Ich glaube, da kommt noch was.

Nach dem Finale kam die britische Teilnehmerin Lucie Jones zu ihnen. Was hat sie gesagt?

Sie hat mich getröstet und mich mit Glitzerstaub beworfen. Das war sehr lieb und lustig von ihr. Hinter der Bühne habe ich dann auch noch mit dem Spanier Manel und Blanche aus Belgien gesprochen. Sie hat mich in den Arm genommen und mir gesagt, dass ich meine Sache gut gemacht hätte. Auch der österreichische Kandidat Nathan Trent kam zu mir.

Ann-Sophie, die beim ESC 2015 Letzte wurde, sagte in einem Interview, ein solches Ergebnis sei eine Erniedrigung. Empfinden Sie es auch so?
Nein, absolut nicht. Der ESC ist ein Wettbewerb, da kann es immer passieren, dass man hinten landet. Ich habe danach auch sehr viel positives Feedback erhalten. Sehr viele Leute haben mich angeschrieben und gesagt, dass sie das Ergebnis nicht verstehen und mir alles Gute gewünscht. Das war sehr schön.

Was glauben Sie selbst, warum die Platzierung am Ende so schlecht war?
Das ist schwierig zu sagen. Ich habe mich auf der Bühne sehr wohl gefühlt und habe mein Bestes gegeben. Auch im Team hat alles gepasst. Ich weiß es nicht.

Viele geben dem die Schuld.
Ich suche die Schuld nicht bei anderen. Ich kann nur sagen, dass die Zusammenarbeit mit dem NDR sehr gut war und wir uns im Team super verstanden haben. Ich habe mich sehr unterstützt gefühlt.

Würden Sie es noch einmal machen?
Ja, denn trotz des Ergebnisses war der ESC eine tolle Erfahrung für mich. Das gesamte Team hat mich sehr unterstützt, es war spannend, so viele Orte und Menschen kennenzulernen. Und auch Kiew war beeindruckend. Ich möchte das Positive aus diesen Erfahrungen herausholen.

Sind Sie mit dem Sieger, Salvador Sobral aus Portugal, einverstanden?
Sehr sogar. Ich hatte in Interviews davor gesagt, dass er zu meinen Favoriten gehört. Er hat mich sehr berührt, das war sehr emotional. Ein verdienter Sieg. Herzlichen Glückwunsch.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?
Ich bin sehr stolz auf mein Album, bei dem ich die Titel mit ausgewählt habe und an einigen Songs auch mitgeschrieben habe. Mit meinem Management werde ich jetzt die nächsten Termine planen. Ich werde auf jeden Fall weiter Musik machen. Ich lasse mich nicht unterkriegen.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo