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15. Juni 2007, 11:42 Uhr

Harte Reime, weicher Kern

Die Frankfurter Rap-Formation WARheit macht sich mit ihrem explosiven Debütalbum "Betonklassik" zum Sprachrohr einer selbstbewussten Unterschicht. stern.de sprach mit ihnen über umweltbewusste Autos und die Kunst, einen Säugling zu wickeln.

Legen nicht jedes Wort auf die Goldwaage: WARheit aus Frankfurt

Azad, Sie waren bislang nicht für zarte Verse berühmt - Ihr Soloalbum "Der Bozz" steht wegen jugendgefährdender Inhalte auf dem Index. Jetzt beklagen Sie auf Ihrer Single "Hölle auf Erden" das Leiden der Menschen in Afrika und werben für Amnesty International. Woher der Sinneswandel?

Azad: Ich habe tatsächlich einige krasse Texte geschrieben. Aber es ging auch immer wieder um friedliche und positive Themen, doch wenn Du einmal angeeckt bist, dann nehmen die Medien nur noch das wahr, der Rest wird nicht mehr gesehen.

"Hölle auf Erden" ist vor allem eine Attacke gegen die USA. Im Video tragen Sie orangefarbene Overalls, wie sie auch von den Häftlingen in Guantánamo Bay getragen werden. Machen Sie es sich nicht zu leicht, wenn Sie Bush und seine Regierung so pathetisch an den Pranger stellen?

Chaker: Es ist doch wahr, dass es den Amerikanern nur um Profit geht - warum sonst sind sie in den Irak und Afghanistan einmarschiert, in eine Region, die bloß wegen ihrer Ölexporte interessant ist? Warum stürzen sie kein Terrorregime in Afrika.
Azad: Natürlich formulieren wir überspitzt, wenn wir behaupten, "Amerika führt sich auf wie ein Zuhälter" - schließlich wollen wir provozieren und eine Diskussion in Gang setzen.

Kann wenigstens Angela Merkel Ihre Herzen erobern?

Azad: Ich habe den Glauben an die Politik aufgegeben. Es ist für mich egal, welcher Partei jemand angehört, ich halte die alle für Heuchler. Darum gehe ich auch nicht mehr wählen.
Chaker: Ich fand Helmut Kohl klasse! Als der an der Regierung war, sah es doch wirtschaftlich lange gut aus.
Azad: Willy Brandt mochte ich gern, der brachte Herz und Hirn ins Spiel.
Sezai: Wir brauchen eine Revolution!

Was halten Sie von dieser Tischdecke hier? Wir könnten uns ein Transparent daraus basteln und demonstrieren gehen...

Azad: Im Ernst: Ich finde es richtig, für seine Forderungen zu demonstrieren.
Chaker: Die Deutschen lassen sich echt vieles bieten. Es ist unfassbar, dass kürzlich Duftproben von G8-Gegnern genommen und ihre Briefe geöffnet wurden - das sind doch alte Stasi-Methoden! Bis die Leute hier mal für ihre Rechte aufstehen, da haben die Franzosen längst ein paar Autos angezündet.
Sezai: Aber unser Gesellschaftssystem ist doch gar nicht dazu angelegt, dass wir es hinterfragen. Jeder versucht, am Ball zu bleiben, sich mit Jobs über Wasser zu halten und die Konsumwünsche zu befriedigen, die ständig geweckt werden - wir sollen gar nicht erst die Zeit haben, darüber nachzudenken, was wir hier eigentlich machen und was wir tatsächlich wollen.

Apropos Demo: In den nächsten Wochen werden wieder tausende Schwule in deutschen Großstädten auf dem Christopher Street Day für ihre Gleichberechtigung demonstrieren - was halten Sie davon?

Azad: Ich habe damit kein Problem - mir gefällt es, wenn Leute für ihre Sache einstehen.

Erstaunlich, wo Sie doch in Ihren Texten das Wort "Schwuchtel" gerne als Beleidigung verwenden.

Azad: Beim Battle unter Rappern hat ein Schimpfwort nicht die selbe Bedeutung wie im alltäglichen Sprachgebrauch - es geht darum, sich aneinander zu messen und sich abzureagieren. Ach, da darf man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, weißt Du.

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