Vor 70 Jahren wurde John Lennon geboren. Im stern-Interview erinnert sich seine Witwe Yoko Ono an das gemeinsame Leben, ihre Musik - und erklärt, warum Frauen stärker sind als Männer.
Ich betrachte es als meine Aufgabe und Verantwortung, mich um Johns Werk zu kümmern. Dazu gehört auch die Aufbereitung seiner Songs. Ich hoffe, dass jüngere Leute entdecken können, wie gut John war. Und ich wünsche mir, dass die Menschen Kraft und Inspiration aus seiner einzigartigen Begabung ziehen.
Als abgespeckte Version, zusätzlich zum Original. Wir haben ein paar Instrumentalspuren weggenommen, damit man Johns Stimme klarer hört. Das Album hat eine spezielle Bedeutung für mich. Musikalisch und persönlich. Persönlich ist es schwierig, denn da ist dieser Song drauf: "Starting Over". Und davon hat er erzählt: vom Neuanfang, vom Wiederdurchstarten. Er war so voller Energie. Und drei Wochen später war er tot.
Aus meinem Archiv. Aber das steht nicht im Mittelpunkt. John war ein unglaublicher Künstler mit unglaublicher Energie. Seine Texte sind zeitlos und wahrhaftig. Darum geht es.
Meistens haben wir Johns Songs zuerst aufgenommen. Und meine immer erst um 2 Uhr morgens. Aber bei "Double Fantasy" war das anders. Er ging sehr sorgfältig mit meiner Arbeit um. War kreativ mit ihr. Das hat mich überrascht.
Nein. Ich habe seine Arbeit sehr respektiert. Wir haben uns gegenseitig bewundert. Das brachte viel positive Energie. Wir haben nicht gegeneinander gekämpft und uns verschwendet. So dumm waren wir nicht. Unsere Arbeit basierte auf Liebe zueinander und aus Liebe zu dem, was wir tun. Wir waren sehr glücklich damit, weil wir das wirklich fühlten. Alles, was wir machten, sollte einen Ausdruck haben. Manchmal war das für Außenstehende schwer zu verstehen. Wir haben gemeinsam gearbeitet, aber einzeln.
Wir waren politisch auf einer Linie, aber wir haben nicht zusammen Songs geschrieben. In der Gegenwart des anderen ja, aber nicht gemeinsam. Jeder hatte seine Eigenheiten. Er war ein sehr unabhängiger Songschreiber und ich auch. Wir haben uns gegenseitig inspiriert, aber wir hingen nicht voneinander ab.
Ja. Aber das ist doch keine Politik.
Gleichberechtigt, ja. Aber ich habe uns in der Beziehung nicht als besonders "gleich" gesehen. Ich denke nicht, dass Frauen so sind wie Männer. Sie sind viel belastbarer und stärker. Frauen sollten nicht versuchen, so zu sein wie Männer. Sie sollten ihre eigenen spezifischen Stärken ausleben und entfalten. Wenn Frauen versuchen, wie Männer zu sein, beschränken sie sich. Es reduziert sie.
Ich war kein Opfer. Weil ich mich selbst nie als Opfer gesehen habe. Ich wusste immer: Wenn Leute mich attackierten, dann kannten sie mich entweder nicht sehr gut oder sie waren eifersüchtig. Ein Opfer ist eine Person, die sich selbst als Opfer betrachtet. So habe ich nie von mir gedacht.
Ja. Der Mörder meines Mannes soll im Gefängnis bleiben. So ist es.