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Nicht mal geschenkt

Im Netz wird der Protest gegen die geplante Gratis-Ausgabe der "Bild" lauter: 230.000 Bürger wollen sich vom Springer Verlag in der kommenden Woche nicht zwangsbeglücken lassen. Aber auch die Postboten sind nicht begeistert von der Massenauslieferung.

"Bild"-Zeitung umsonst und für alle - die Massenaktion des Axel Springer Verlags stößt auf Protest

"Bild"-Zeitung umsonst und für alle - die Massenaktion des Axel Springer Verlags stößt auf Protest

Der Umschlag ist groß und rot. Sein Inhalt ist streng geheim. Am Samstag kommender Woche sollen bundesweit rund 41 Millionen kostenlose "Bild"-Zeitungen an alle Haushalte verteilt werden. Wer sich dagegen wehrt und Widerspruch einlegt, der wird den besagten roten Brief vom Axel Springer Verlag in seinem Briefkasten vorfinden. Doch um den Inhalt macht der Verlag ein großes Geheimnis.

Überhaupt hält sich der Konzern bedeckt, wenn es um die kostenlose "Bild für alle" geht, mit der der Verlag anlässlich des 60. Geburtstages des Boulevardblattes am 23. Juni die ganze Republik zwangsbeglücken will. "Wie das so ist mit Geburtstagsgeschenken - über diese spricht man nicht im Vorfeld," sagt ein Sprecher gegenüber stern.de. Den Wunsch der "Bild"-Verweigerer, die das Blatt auch nicht geschenkt haben wollen, will man jedoch selbstverständlich respektieren.

Auch auf Facebook wächst der Protest

Und die Zahl derer, die sich gegen das Zwangs-Geschenk des Springer-Konzerns auflehnen, wird immer größer. Über 230.000 Bürger (Stand Mittwochnachmittag) haben bislang über die Website der Aktion "Alle gegen Bild" und der Organisation Campact per Online-Formular dem Gratisblatt eine Absage erteilt. Da es sich dabei um ein Presseerzeugnis handelt, reichen einfache "Keine Werbung"-Aufkleber nicht aus. Auf den Websites müssen Name und Adresse in ein juristisch geprüftes, vorgefertigtes Formular eingefügt werden. Ein expliziter Hinweis auf dem Briefkasten, dass man auf die "Bild" verzichte, reicht jedoch auch.

"Mit einer massenhaften Verweigerung der Zustellung wollen wir eine Debatte über die 'Bild'-Berichterstattung anstoßen", heißt es von der Organisation Campact. Sie begründet ihre Protestaktion damit, dass in dem Boulevardblatt "die Persönlichkeitsrechte der dargestellten Personen verletzt und die Menschenwürde missachtet" würden. Auch auf Facebook wächst der Protest gegen die geplante Aktion des Springer Verlags. Die Stimmung schwankt zwischen "Bild"-Bashing ("Diese deutsche Massenverdummung will ich nicht einmal geschenkt haben") und der Sorge über die massive Papierverschwendung.

Postzusteller fürchten die Massenzustellung

Wie die Financial Times Deutschland am Mittwoch berichtet, beklagen sich nun auch die Postzusteller über die Aktion des Boulevardblattes. Auf einen Rundbrief ihres Arbeitgebers reagierten die Briefträger der Deutschen Post - die für die Verteilaktion einen "niedrigen einstelligen Millionenbetrag" erhalten soll - auf der Internetseite Postboten Forum mit Rebellion. "Eigentlich müssten mal die Verantwortlichen diesen Dreck rausbringen, damit sie wissen, wie schön das ist! Aber die Herrschaften würden sich niemals die Hände schmutzig machen; dafür gibt's ja schließlich die 'Post-Sklaven'", schreibt ein Foren-Mitglied. "Traurig, dass die verantwortlichen Herrschaften zwar alle Aufträge annehmen (…), es ihnen aber völlig wurscht ist, wie das von uns Zustellern gestemmt werden soll!", kommentiert ein Kollege die Pläne des Verlags.

Tatsächlich bedeutet die Auslieferung der Gratiszeitung einen immensen Mehraufwand für die Zusteller. Pro Exemplar kommt ein Mehrgewicht von 107 Gramm auf die Postboten zu, heißt es in einem internen Info-Brief der Deutschen Post, der der "Bild"-kritischen Website Bildblog vorliegt. Da helfen wohl auch die 230.000 "Bild"-Verweigerer wenig. Schließlich sollen laut Info-Brief alle Widersprecher am Aktionstag "eine adressierte, großformatige Infopostsendung in einem auffälligen roten Umschlag" erhalten. Post von der "Bild" gibt es also in jedem Fall.

kmi
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