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"Was für eine Schei...!"

Exklusiv: Sophia Thomalla, die Tochter von Simone Thomalla, ärgert sich über die Kündigung ihrer Mutter beim Leipziger "Tatort" - ein Brandbrief.

  Springt für Mutter Simone in den Ring: Sophia Thomalle wettert gegen den Rausschmiss beim Leipziger "Tatort".

Springt für Mutter Simone in den Ring: Sophia Thomalle wettert gegen den Rausschmiss beim Leipziger "Tatort".

Erst vor wenigen Wochen hatte die Schauspielerin Sophia Thomalla mit ihrem Auftritt bei "Hart aber fair" für Diskussionen gesorgt. Ihre anschließende Rechtfertigung im stern nötigte auch ihren Kritikern Respekt ab. Hier schreibt die Tochter von Schauspielerin Simone Thomalle exklusiv über das Aus ihrer Mutter beim Leipziger "Tatort".

Liebes Deutsches Fernsehen,

was machst'n da für Sachen? In jeder Firma dieser Welt ist es normal und üblich, dass Menschen, die erfolgreich arbeiten, belohnt werden, befördert werden, Boni kriegen etc. Aber warum ist das im Deutschen Fernsehen anders?

Erfolg, oder in diesem Fall Quote, scheint dort kein Garant mehr zu sein für eine Weiterbeschäftigung. Über genau dieses Thema diskutieren Schauspieler und ihre Zuschauer - oder besser Gebührenzahler - schon länger. Aber spätestens seit der Kündigung eines erfolgreichen "Tatort"-Teams, in dem Fall meiner Mutter und ihres Kollegen Martin Wuttke, hab' auch ich mich dazu entschlossen, mir mal ein paar Gedanken zu machen.

10,5 Millionen Zuschauer an einem Abend! So schnell macht Muttern das erstmal keiner nach! Neun Jahre hat meine Mutter nun die "Tatort"-Kommissarin Eva Saalfeld aus Leipzig gegeben. Immer mit großem Erfolg ermittelte sie in ihrer Heimatstadt und durfte sich damit rühmen, Teil eines der etabliertesten und erfolgreichsten Ermittler-Duos zu sein. Warum sie dann auf einmal nicht mehr Kommissarin sein soll, kann ich mir einfach nicht erklären.

Jugendwahn hat "Tatort" erreicht

Die Quote stimmt nicht nur, sie ist hervorragend. Die Resonanz ist top. Besser geht es doch eigentlich gar nicht. Dann gibt es ja nur eine Erklärung für diese Entscheidung: Der Jugendwahn hat also auch die Bastion "Tatort" erreicht.

Ich frage mich, ob man offenbar der Meinung ist, dass jüngere Schauspieler - Entschuldigung - oder Schauspielerinnen (wir wollen ja genderpolitisch korrekt bleiben) auch jüngere Zuschauer garantieren. Ich bin sicherlich nicht immer die Angepassteste und politisch Korrekteste mit meinen Entscheidungen und Äußerungen. Und ich bin gerne auch mal anders. Aber ich bin in einigen Dingen konservativer, als man sich vorstellen würde. Gewisse Werte und Vorstellungen haben eben neben allem Rock 'n' Roll und Rebellion immer und trotzdem bei mir Bestand. Dazu gehört auch, dass das Alter etwas Ehrenwertes ist, etwas zu Respektierendes, auch Beruhigendes für mich. Nennen wir es anstatt Alter einfach mal Erfahrung.

Wenn Frodo Beutlin zum Beispiel auf seine Reisen geschickt wird, so wird er dies mild und erfahren von einem älteren Gandalf mit langem Bart und endloser Weisheit und Erfahrung. Man vertraut ihm, man glaubt ihm, dem Erfahrenen. Weil, wenn nicht er mit all seiner Erfahrung, wer weiß es dann besser? Die Rolle wäre doch mit einem/einer 25-Jährigen vollkommen falsch besetzt. Egal, wie gut der Schauspieler ist.

"Tatort"-Kommissare sollen authentisch sein

Und wenn im Leipzig-"Tatort" ermittelt wurde, dann habe ich in jeder Falte eines Martin Wuttke oder im stummen, eindrucksvollen Blick meiner Mutter sofort gesehen, was Sache ist. Für mich war es genauso glaubwürdig und nachvollziehbar, dass diese beiden Ermittler vieles einfach mit ihrer Erfahrung meistern. Und nicht nur für mich persönlich. Denn aus meiner so begehrten "Zielgruppe" haben doch tatsächlich über 25 Prozent am letzten Sonntag zugeschaut!

Das ist nicht nur, aber insbesondere, für die ARD sensationell!!!!! Und bestätigt mich nur in meinem Eindruck: Meine "Tatort"-Kommissare sollen authentisch sein. Ich muss ihnen glauben können. Sie sollen mich unterhalten. Und dabei ist es mir nicht nur schnuppe, wie alt sie sind, mir ist es vollkommen egal.

Jung ist erfolgreich - wie Til Schweiger im Hamburger "Tatort". Klappt gut. Weiter geht's, denn wir Gebührenzahler wollen das. Siehe Quote. Erfahren ist erfolgreich - wie Simone Thomalla im Leipziger "Tatort". Klappt gut. Aus, weil zu alt - trotz Hammer-Quote.

Schauspieler austauschen ist der falsche Weg

Zuschauer generell bekommt man immer mit guten Geschichten, und was nicht gut geschrieben ist, wird durch den Dreh auch nicht besser. Wenn man also modernisieren will, frage ich mich, warum man nicht einfach bessere oder modernere Bücher schreibt, als den bequemeren und den absurden Weg zu gehen und die Schauspieler auszutauschen. Das kommt mir so vor, als würde man ein Haus modernisieren wollen und einfach bunte Farbe auf die Fassade klatschen, statt mal darüber nachzudenken, dass eine Kernsanierung keine schlechte Idee wäre.

Ich sage es mal gerade raus: Was für eine Scheiße! Denn auch wir, die sogenannte "jugendliche Zielgruppe", wollen gar keine Verjüngung. Wir wollen glauben können und gut unterhalten werden. Authentisch ist uns wichtig - egal wie alt.

Nicht nur weil Du meine Mutter bist - Du warst für viele Millionen eine tolle "Tatort"-Kommissarin, Mama!

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