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Lüsterne Landwirte im Liebesrausch

Wo hat RTL nur wieder diese Bauern her? Die erste Folge der neuen Staffel von "Bauer sucht Frau" war zwar ermüdend, dafür zeigt sie wieder, was den Quotenerfolg der Fremdschäm-Doku ausmacht: Es gibt einen kleinwüchsigen Biobauern, einen singenden Schäfer und jede Menge peinlicher Momente.

Von Katharina Miklis

  • Katharina Miklis

Wenn paarungswillige, schlecht frisierte Städterinnen mittleren Alters sich in Dirndl pressen, rosige Ferkelchen vergnügt in die Kamera grunzen und RTL die alten Kuschelrock-Hits rausholt, dann ist wieder Brunftzeit beim Privatsender. Dann kann man sich sicher sein, dass RTL-Redakteure mit Alliterations-Fetisch ganze Arbeit geleistet und sich wieder illustre Wortspiele für die zu verkuppelnden Junggesellen ausgedacht haben.

Und tatsächlich: Diesmal gibt's den gemütlichen "Getreidebauern Georg", den "Hühnerwirt Hansi aus Hessen", den "singenden Schäfer" oder den "Jungbauern Jan". Ob lüsterne Landwirte im Liebesrausch oder bräsige Bauern in Balzlaune: Gestern startete die vierte Staffel von "Bauer sucht Frau", die erfolgreichste Kuppelserie im deutschen Fernsehen.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

RTL bleibt seinem bewährten Vorführ-Konzept treu und schafft es, die neun gutgläubigen Bauern zu verhöhnen, ohne auch nur ein gehässiges Wort zu verlieren. Das ist das Scheinheilige an "Bauer sucht Frau" und gleichzeitig der Erfolg: Getarnt als harmlose, grundsympathische Schmuseschmonzette werden die medienfernen Landwirte, in der Hoffnung auf die große Liebe vor die Kamera gelockt und können nicht anders, als sich selbst vorzuführen. Sie haben keine Chance. Sie wissen nicht, was sie tun.

Wenn der "ehrliche Rinderwirt" Uwe beispielsweise erzählt, dass er zwar noch nie eine Freundin hatte, dafür aber 1982 und 1990 eine Verabredung, dann bedarf es keiner aus dem Off gesprochener Häme mehr. Da reicht es wenn Ozzy Osbournes "Dreamer" erklingt und der schnauzbärtige Uwe mit zittriger Stimme sagt: "Ich frage mich: wieso... wieso bin ich immer noch alleine?" und in seiner hässlichen Sofagarnitur zusammensackt. Oder wenn der "sportliche Milchbauer" mit penibel rasierter Brust einen ganzen Korb voll Zuschriften von willigen Frauen bekommt und der "singende Schäfer" nur drei Briefe. Auch da bedarf es keiner Worte mehr. Vor allem nicht, wenn man den Mann dazu sieht - ein verschrobenes kleines Kerlchen, der seinen Schafen vorsingt und ihre Wolle in den Ohren trägt. Gegen Ohrenschmerzen.

Anerkennung von Günther Jauch

Was macht aber den Erfolg von "Bauer sucht Frau" aus? Durchschnittlich 7,5 Millionen Zuschauer verfolgten die letzte Staffel der kitschigen TV-Balzerei. Als es mal über acht Millionen waren, rief Günther Jauch persönlich bei Moderatorin Inka Bause an und sprach ihr seine Anerkennung auf den Anrufbeantworter. Zum Vergleich: "Gräfin gesucht", der im Sommer ausgestrahlte Abklatsch auf Sat1, erreichte durchschnittlich nur 2,48 Millionen Zuschauer.

Was fasziniert die Menschen daran, wenn der "attraktive Schweinebauer" Torsten oder Frank, der "romantische Schwarzwälder", auf Brautschau gehen? "Ich denke, dass die Menschen altmodischer sind als man denkt", erklärt Moderatorin Inka Bause stern.de vor der Ausstrahlung. "Von einem Tag auf den anderen ändern sich unsere Pin-Nummern, Steuernummern, Adressen, wir werden gekündigt, entlassen. Kein Wunder wenn sich die Menschen auf wiederkehrende Formate wie zum Beispiel auch 'Bauer sucht Frau' freuen."

Jungfräulicher Junggeselle trifft biedere Bäckereifachangestellte

Ist es das? Oder ist es einfach nur dieses grenzwertige Gefühl zwischen Faszination und Fremdschämen. Das Gefühl, das einen überkommt, wenn tollpatschige, zum größten Teil jungfräuliche Bauern auf spröde kaufmännische Angestellte mit ausgefransten Dauerwellen und Bäckereifachverkäuferinnen mit strammen Waden treffen, die ihre besten Zeiten - wenn sie welche hatten - längst hinter sich haben. Zu gruseligen Kuschelrock-Hits tauschen sie beim Kennenlern-Scheunenfest ihre Geschenke aus. Das ist Pflicht seit der ersten Staffel, in der man gemerkt hat, dass die ersten Momente eher unbeholfen und wortkarg verlaufen - wie im übrigen auch alle weiteren Folgen. Und so wechseln groteske Blumengestecke, selbst gemachte Marmeladen, hässliche Teekannen, Hundeknochen und Schafswolle ihre Besitzer.

Und der Zuschauer zu Hause bekommt wieder dieses beruhigende Gefühl, das den Reiz von "Bauer sucht Frau" ausmacht: Zum Glück sitze ich jetzt nicht da und muss mich für die Schafswolle oder Knochen bedanken. Die in die Länge gezogenen Kennenlerngespräche, die stets mit einem "Best of" der Schnulzensongs der letzten Jahrzehnte unterlegt werden, laufen immer gleich ab: "Wie viele Kinder möchtest du haben?" "Wie lange bist du schon allein?" "Könntest du dir ein Leben auf dem Hof vorstellen?". Dass es nicht unbedingt um die große Liebe geht, gibt nicht nur der "einsame Biobauer" Thilo offen zu: "Wenn ich auf dem Hof die ganze Arbeit alleine machen muss und mir abends auch noch das Essen alleine machen muss... Das find ich nicht so gut. Ich brauche eine Frau".

Mit weniger Charme und Unterhaltungswert hätte man die neue Staffel kaum beginnen können. Aber RTL wird ganz sicher mit Teil vier von "Bauer sucht Frau" wieder einen Quotenhit landen. Wie war das noch mit den dümmsten Bauern und den dicksten Kartoffeln? Eben.

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