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Edle Zicke sucht reichen Erben

Action, Sex und Crime werden heutzutage überbewertet. Downton Abbey verzichtet auf jeden Schmutz und ist dank exzellenter Schauspieler die beliebteste Serie der Welt. Ab Sonntag im ZDF.

Von Gernot Kramper

Dieses Aufgebot wohnt unter dem Dach von Downton Abbey.

Dieses Aufgebot wohnt unter dem Dach von Downton Abbey.

Die Serie "Downton Abbey" erzählt von einem englischen Herrensitz in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg und seinen Bewohnern. Streng geteilt in die Schar der Dienstboten und die Familie der Lordschaft. Soweit nichts Besonderes, das gab es schon beim "Haus am Eaton Place". Großbritannien ist eben besessen von Filmen aus einem England, das es nicht mehr gibt und vielleicht auch nie gab. Und so führt auch "Downton Abbey" in die Welt eines herausgeputzten Landsitzes, raschelnder Kleider, livrierter Diener und in eine Dorfkulisse wie aus dem Freilichtmuseum.

Anders als in den deutschen TV-Adaptationen von Rosamunde Pilcher wird es in der Märchenwelt von Good Old England niemals peinlich. "Downton Abbey" weiß, Maß zu halten. Die Handlung ist schnell erzählt, es passiert einfach nicht viel in Downton. Es wird sich in mittlerweile drei Staffeln verlobt und auch mal entlobt. Es gibt gefallene Mädchen und den einen oder anderen Todesfall. Und Ränke, vornehmlich aus dem Dienstbotentrakt. "Bild" titelte freudig ein "Intriganten Castle" herbei, das ist doch etwas hoch gegriffen. Da wird dem Leibdiener doch mal glatt die Wäsche verlegt, so dass seine Lordschaft vor dem Besuch im Hemd dasteht!

Das Ende ist nah

Aber stets schweben Landbesitz und das Vermögen in Gefahr. Bei seiner Lordschaft geht es ganz um die ganz irdisch um die Wurst, denn vom Besitz zehren alle Bewohner. In der ersten Staffel bedroht eine unglückliche Erbfolge das lordschaftliche Idyll, welches bedauerlicherweise nur mit verzickten und verfeindeten Töchtern gesegnet ist. Als nun der Erbe und designierte Verlobte der Lieblingstochter mit der "Titanic" versinkt, ist guter Rat teuer. So groß die Not, dass sogar ein Mann aus der arbeitenden Mittelklasse als Partie in Betracht kommt.

Trotzdem bietet "Downton Abbey" weit mehr als die Geschichte, wie eine versnobte Tochter dann doch ihren Erben abbekommt. Das Leben des nichts tuenden Landadels durchzieht eine leise Melancholie. Es ist eine Zeit des Abschieds. Alle in dem grandiosen Schloss wissen insgeheim, dass die Zeit der großen Landsitze und ihrer Bewohner sich dem Ende zuneigt.

Der Zufall ist willig

In Lord Grantham - gespielt von Hugh Bonneville - verkörpert sich das Ende seiner Welt. Ein grundgütiger, doch hilfloser Mann, gefangen in den milden Vorurteilen und Maßstäben einer Zeit, die um ihn herum verblasst, ist der Lord dazu ausersehen, Haus und Vermögen durch schwierige Zeiten zu manövrieren. So ganz glückt es ihm nie. Doch droht ein Ungemach, kommt den Bedrängten stets irgendein Zufall des Drehbuchs zur Hilfe, so dass das Äußerste vermieden werden kann.

Die holprigen Fügungen stören den Zuschauer nicht, denn in den verzahnten Welten von Dienstbotenküche und Herrenhaus gibt es keine Person, die nicht perfekt besetzt wäre. Die Serie hält, wie der Butler Mr. Carson, auf altmodische Standards: Schauspielkunst, Timing und Dialoge sind im englischen Original so perfekt, dass niemand neumodische Effekthascherei vermissen wird. Und die deutsche Synchronversion leider nur abfallen kann.

Immer versöhnlich, immer nett

Die Handlung schreitet dabei so gemächlich voran wie ein Pferdefuhrwerk auf dem Weg nach Canterbury. "Downton Abbey" bietet ein Fest für alle, denen es im Kino zu hektisch zugeht oder zu blutig oder beides. Einziger Einwand: Entzieht man sich den Bann der Akteure doch einmal, muss man zugeben, es geht reichlich süßlich zu in der Welt des Herrenhaus. Der Biss und der sezierende, gesellschaftliche Blick wie in der BBC-Miniserie "Parade's End" nach den Jahrhundertromanen von John Maddox Fox strebt "Downton Abbey" nicht an. In Downton wird es dann doch immer schnell wieder nett und versöhnlich, bevor es zu ungemütlich wird. Dafür macht das Zuschauen immer Spaß.

Die Serie entwickelt sich um das Gerangel der gehobenen Zickenriege im Haus. Männer sind in diesem Universum nur Beiwerk zum Heiraten und neigen dazu, sich in sinnlosen Kriegen in Gefahr zu bringen. Mit rohem Sex und unschicklichen Situationen bleibt der Zuschauer verschont, nur das Thema Romantik wird in extra dicken Scheiben aufgetragen. Und das geht dann in etwa so. Das wohlgeborene Ehepaar liegt im plüschigen Bett. Sie stöhnend: "Nichts, aber auch gar nichts ist mehr sicher auf dieser schrecklichen Welt!" Er entschlossen: "Nein! Nein! Das kann ich nicht akzeptieren. Eines bleibt sicher: Dass ich dich, mein Schatz, lieben werde bis zu meinem letzten Atemzug!" Kuss der Gattin und Abblende.

Hach, ist das nicht schön?

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