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RTL lebt nur noch von der Substanz

Als RTL vor zehn Jahren "DSDS" an den Start brachte, war die Show ein echter Straßenfeger. Inzwischen hat sich das Format abgenutzt - wie so vieles bei dem Kölner Privatsender.

Ein Kommentar von Carsten Heidböhmer

  Immer weniger Zuschauer wollen "DSDS" einschalten, daran können auch Dieter Bohlen (l.) und Co-Juror Bill Kaulitz nichts ändern.

Immer weniger Zuschauer wollen "DSDS" einschalten, daran können auch Dieter Bohlen (l.) und Co-Juror Bill Kaulitz nichts ändern.

Die Zuschauer bleiben weg, die Macher von "Deutschland sucht den Superstar" reagieren alarmiert: Jetzt werde "kein Stein auf dem anderen bleiben", kündigte Poptitan Dieter Bohlen an. Und RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger ergänzte, man werde die neue Staffel des Erfolgsformats "sehr, sehr deutlich verändern".

Gefallen sind diese markigen Sprüche vor ziemlich genau einem Jahr. Gerade war die neunte Staffel der Castingshow zu Ende gegangen - mit der zweitschlechtesten Quote aller Staffeln. Für die neue, zehnte Ausgabe, sollte alles besser werden.

Ein Jahr später lässt sich bilanzieren: Es ist nichts besser geworden. Im Gegenteil. Das Zuschauerinteresse ist geringer als je zuvor. Und wieder melden sich die beiden wichtigsten Männer bei "DSDS" zu Wort. Unterhaltungschef Sänger kündigt erneut den großen Wurf an: "Aufgrund des Lebenszyklus des Formates reicht es nach zehn Jahren nicht mehr, an kleinen Rädchen zu drehen. Wir müssen drastischer sein, am großen Rad drehen", sagte er dem "Spiegel". Und die "Bild"-Zeitung berichtet, Bohlen wolle künftig ausschließlich auf deutsche Töne setzen und Schlagermusik in die Sendung holen. Herzschmerz und Heimattümelei gegen den Quotenschwund? Wenn's denn hilft.

Fast überall Abnutzungserscheinungen

Ob die diesjährigen starken Worte ähnlich schnell verpuffen wir vor einem Jahr? Fakt ist: RTL lebt von seiner Substanz. Nicht nur bei "DSDS", wo der Absturz der Quoten nur besonders sichtbar ist. Das Finale der ersten Staffel sahen 2003 am Schluss mehr als 15 Millionen Zuschauer. Von diesen Höhen aus ist es ein weiter Weg zu den 3,58 Millionen Zuschauern, die am Ostersamstag 2013 noch einschalten wollten.

Doch auch sonst zehrt der Kölner Sender vom Ruhm vergangener Zeiten. Die meisten Erfolgsformate sind bereits in die Jahre gekommen: Unterhaltungsshows wie "Das Supertalent", "Wer wird Millionär?" oder "Let's Dance". Ratgeber-Formate wie "Rach, der Restauranttester" oder "Raus aus den Schulden". Die Seifenoper "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" läuft sogar seit mehr als 20 Jahren. Fast allen Formaten sind Abnutzungserscheinungen anzumerken, in den meisten Fällen sinkt die Quote langsam, aber stetig. Beim Gesamtpublikum musste man sich im Jahr 2012 sogar dem ZDF geschlagen geben. Hier rangiert RTL zusammen mit der ARD nur noch auf Rang 2.

Lebensverlängernde Maßnahmen

Selbst in Fällen, wo ein altes Format noch beim Publikum ankommt, geben die Kreativen zu, dass sie eine Auszeit bräuchten: "So ungern ich das auch sage - jetzt wäre mal wieder ein Jahr Pause gut für das Format", sagte Jens Oliver Haas, der die lustigen Texte für das Dschungelcamp schreibt, im Interview mit dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier.

Höchstwahrscheinlich wird das Dschungelcamp seine kreative Auszeit nicht bekommen - mit seinen herausragenden Einschaltquoten hat die Show RTL quasi im Alleingang den Januar gerettet. Und selbst das schwächelnde "DSDS" sehen noch immer genug Menschen, um dem Privatsender den Tagessieg zu bescheren.

Eine Kuh, die noch Milch gibt, wird eben weiter gemolken - bis zum bitteren Ende. So dementierte RTL schnell Gerüchte, man wolle die Castingshow ganz einstellen. Mit den nun angekündigten Änderungen wird der der Kölner Sender nur lebensverlängernde Maßnahmen einleiten. Er wäre besser beraten, neue und innovative Formate zu entwickeln, um RTL für die Zukunft zu rüsten.

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