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Willkommen in der Intrigenhölle

Machtgeil und rachsüchtig: Kevin Spacey brilliert in "House of Cards", nun endlich im deutschen Free-TV zu sehen. Eine Politserie mit hohem Suchtfaktor. Ein Einblick, um Lust auf mehr zu machen.

Von Ulrike Klode

  Gemeinsam spinnen sie Intrigen, die auch tödlich enden können: Francis (Kevin Spacey) und Claire Underwood (Robin Wright) in der Serie "House of Cards".

Gemeinsam spinnen sie Intrigen, die auch tödlich enden können: Francis (Kevin Spacey) und Claire Underwood (Robin Wright) in der Serie "House of Cards".

  • Ulrike Klode

Gleich in der ersten Minute geht es zur Sache: Ohne eine Miene zu verziehen greift Francis Underwood zu - und bricht ein Genick. Es handelt sich um das eines Hundes, der in der Nachbarschaft von einem Auto angefahren wurde und jaulend auf der Straße liegt. Dazu die Worte: "Ich bin nicht sehr geduldig, wenn etwas sinnlos ist. Momente wie dieser erfordern immer jemanden, der handelt." Underwood spricht direkt in die Kamera, redet den Zuschauer an - und der kann ihm direkt ins Gesicht schauen. Kalte Augen, keine Regung. Ein Mann, der zum Äußersten fähig ist, sollte es nötig sein. Willkommen zu "House of Cards", willkommen im Leben von Francis Underwood.

Zu Beginn der Serie, jetzt endlich auch im frei empfangbaren TV in Deutschland zu sehen, wähnt sich der scheinbar sehr höfliche Kongressabgeordnete auf dem Höhepunkt der Macht: Der neugewählte US-Präsident hat ihm den Außenministerposten versprochen. Doch das Triumphgefühl währt nicht lange: Ein politischer Schachzug macht es erforderlich, dass jemand anderes das Amt übernimmt und Underwood der Einpeitscher im Kongress wird. Der, der dem Präsidenten die Mehrheiten verschafft. Damit ist die Tür aufgestoßen zur Intrigenhölle des Politikbetriebs in Washington. Denn Underwood will natürlich mehr und verfolgt eisern sein Ziel: Macht. Und spinnt dabei gemeinsam mit seiner genauso knallharten Ehefrau Claire ein Netz aus Verbündeten und Abhängigen.

Die entscheidenden Faktoren

Wer das Leben der Underwoods einmal betreten hat, kommt nicht mehr davon los. Egal, wie abstoßend diese Arroganz, die Gefühlskälte und die Brutalität sind. Das hat mit der sehr guten Geschichte - sie basiert auf einer britischen Serie von 1990 -, aber vor allem mit der ausgezeichneten Besetzung und dem hervorragenden Regisseur zu tun. Kevin Spacey in der männlichen, Robin Wright spielt die weibliche Hauptrolle. Dass beide alleine gut sind, weiß man. Aber sie passen auch perfekt zu einander. Großartig, wie Kevin Spacey und Robin Wright dieses machtgeile Paar spielen. Kühl, überlegen - und doch in einigen Momenten zerbrechlich und gefühlvoll. Ergänzt wird das Duo von einer Schauspielerin, die bisher noch kaum aufgefallen ist: Kate Mara. Sie spielt eine ehrgeizige junge Journalistin, die sich auf ein gefährliches Spiel mit Francis Underwood einlässt. Kate Mara schafft es tatsächlich, sich gegen den grandiosen Spacey zu behaupten.

Der Regisseur der Serie heißt David Fincher. Und ja, es ist der David Fincher, der Kinofans Filme wie "Sieben", "Fight Club", "Zodiac" oder auch "The Social Network" beschert hat. Ungewöhnliche Schnitte, diffuses Licht, die Hauptperson redet mit dem Zuschauer und macht ihn so zum Komplizen - Fincher schafft es, die sehr gute Geschichte und die ausgezeichneten Schauspieler so zu vereinen, dass die Serie unter die Haut geht. Dass man nicht abschalten kann, obwohl man Underwood einfach widerlich findet. Dass man bewundernd "Wow, was für ein Schachzug!" ausruft, obwohl die Intrige abstoßend ist. Dass man nach den 13 Folgen der ersten Staffel fragt: "Wie, schon zu Ende? Und wann gehts weiter?"

Der Erfolg war berechnet

Glücklicherweise ist schon seit einigen Monaten klar, dass es mit "House of Cards" weitergeht. Der Erfolg war kalkuliert - und die Rechnung ging auf. Die Chefs des Streamingdiensts Netflix, vor mehr 15 Jahren als Video-Verleih-per-Post gegründet und mittlerweile zur wichtigsten Online-Video-Plattform aufgestiegen, wollten es mit einer eigenen Produktion versuchen. Und nutzten dafür das, was eine Online-Plattform gut kann: auswerten. Wer guckt was von wem wann am liebsten? Und sie kamen zu dem Schluss: Politthriller, David Fincher, Kevin Spacey - all das kommt bei den Netflix-Kunden gut an. Für die Ausstrahlung entschieden sie sich gegen das Althergebrachte und stellten alle Folgen auf einmal online. Denn auch das konnten die Netflix-Entscheider aus dem Nutzungsverhalten ihrer Kunden ablesen: Serien werden - wenn möglich - oft am Stück geschaut. Am 1. Februar 2013 war es soweit: "House of Cards" ging online. Die Fernsehkritiker überschlugen sich vor Begeisterung, die Netflix-Nutzer schauten sich die komplette Serie wirklich am Stück an. Der Emmy in der Kategorie beste Serie ging in diesem Jahr zwar nicht an "House of Cards", aber wenn die zweite Staffel nur annähernd so gut ist wie die erste, dürfte der Emmy-Triumph 2014 sicher sein.

Sat1 zeigt "House of Cards" allerdings ganz konventionell ab 10. November sonntags um 23.15 Uhr. Außerdem läuft die Serie seit 6. November mittwochs auf Prosieben Maxx in Originalversion mit Untertiteln.

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