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TV-Kritik

Mit Zunge, Schätzchen

Das deutsche Fernsehen hat viel Schreckliches zu bieten. Der stern schaut trotzdem hin. Dieses Mal: "Kiss Bang Love" auf ProSieben. Die Kuss-Show, bei der es wie beim Zahnarzt zugeht.

Kiss Bang Love

Bei "Kiss Bang Love" geht es mit Zunge zur Sache.

Kuppelshows gibt es im deutschen Fernsehen viele: "Bauer sucht Frau", "Nur die Liebe zählt" oder "Schwiegertochter gesucht" zum Beispiel. Bei keiner geht es jedoch so zur Sache wie bei dieser: In " Love" wird geknutscht, gefummelt und sogar geschnackselt.

Worum geht es bei "Kiss Bang Love"?

"Nur durch einen Kuss die große Liebe finden" - das ist das Motto von "Kiss Bang Love". In der fünften Folge der Show trifft Kinderkrankenschwester Alexandra aus Frankfurt nacheinander zwölf Männer. Mit verbundenen Augen und ohne Gerede kommt es zum ersten Kuss. Danach wählt fünf Kandidaten aus, die sie dann sehen und nochmals küssen darf. Mit zwei möglichen Partnern darf sie dann eine Nacht verbringen.

Wer schaut das?

Voyeure, Polygamisten und Menschen, die keine Angst vor Fremdscham haben. Wenn Alex im kahlen und ausgeleuchteten Studio die Zunge reingesteckt bekommt, erinnert das teilweise an die Zahnfleischbehandlung beim Zahnarzt. Gar nicht schön. Für Romantiker ist die Show jedenfalls nichts.

Peinlichster Moment:

Als Alex Kandidat Dominik zu sehen bekommt, fragt der: "Willst du auch mal meine Muckis sehen?" und hebt sein T-Shirt nach oben. Sein Waschbrettbauch ist zwar ganz ansehnlich, trotzdem leidet er unter hoffnungsloser Selbstüberschätzung.

Lustigster Moment:

Der kommt eigentlich erst nach der Show. Alexandra hat sich für Küsser Fabian aus entschieden, will den Fußballer in Hamburg treffen. Doch dazu kommt es nicht. Denn Dominik (der Waschbrettbauch) war über sein Ausscheiden offenbar so erbost, dass er Alexandra per WhatsApp anschrieb. Die ging auf seine Offerte ein, wollte ihn treffen. Doch der hinterhältige Dominik informierte darüber Fabian, der daraufhin den Kontakt abbrach. Eine Geschichte, besser als jedes Drehbuch.

Zitate des Abends:

"Die Zunge kam zu schnell rausgepickt." Alex über Kandidat Dennis, den Friseur aus Hannover. Und: "Das war wie Aschenbecher auslecken", über den Raucher Samuel.

Ist auch was gut?

Ja. Es gibt keine umständliche und peinliche Kennenlernarie. Es wird geknutscht und nicht gequatscht. Zur Sache, Schätzchen.

Fazit:

Anschauungsunterricht für Teenies und Kussdilettanten. Wichtigste Erkenntnis: Vorm Küssen nicht rauchen und nicht picken.


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