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Ein feines Spinnennetz aus Betrug und Lügen

Leider keine Eigenproduktion: Mit dem Dreiteiler "Mammon" bietet die ARD den Zuschauern zu Jahresbeginn einen spannenden Polit- und Medienthriller aus Norwegen. Warum das Einschalten lohnt.

Von Christian Ewers

  Ein anonymer Tippgeber führt den Journalisten Peter Verås (Jon Øigarden) auf die Spur eines ungeheuerlichen Finanzbetrugs.

Ein anonymer Tippgeber führt den Journalisten Peter Verås (Jon Øigarden) auf die Spur eines ungeheuerlichen Finanzbetrugs.

Ist das eine Mode, oder bleibt das für immer? Diese blassen, farbentsättigten Bilder, monochrom fast, dazu sphärische Klänge, die vom Jenseits künden. Jede, wirklich jede ehrgeizige Krimiserie setzt auf diese Ästhetik. Ob "Tatort", "Polizeiruf 110" oder die großen Produktionen aus Skandinavien.

Jetzt kommt die dreiteilige norwegische Serie "Mammon" ins deutsche Fernsehen (erste Folge am 1.1., ARD, 21:45 Uhr), und auch sie wurde ins grau-braune Farbbad getaucht. Jedes Bild ist aufgeräumt, Ess- und Schreibtische wie aus einem Möbelkatalog, die Frauen geschminkt, als trügen sie Masken - so viel Kunstwille ist schon ermüdend. Hat man ja irgendwo alles schon mal gesehen.

Korruption in der norwegischen Finanz- und Wirtschaftswelt

Die Geschichte, die in "Mammon" erzählt wird, wirkt dagegen frisch. Die Handlung wird langsam entfaltet; es geht um Korruption in der norwegischen Finanz- und Wirtschaftswelt; um die Verwobenheit von Politik und Medien in diesem feinen Spinnennetz von Betrug und Lügen. Drehbuchautor Gjermund Eriksen mutet dem Zuschauer eine Menge schweres Zeug zu, auch das Personaltableau ist riesig, aber Eriksen und Regisseurin Celilie Mosli portionieren den Stoff gut. Immer wieder gibt es entlastende und orientierende Passage, die - anders als im "Tatort" - nicht redundant und wie Nachhilfe für Schnarchnasen wirken.

Wie alle in allen guten Thrillern ist auch in "Mammon" ein Metathema wie Korruption mit einer menschlich-dramatischen Geschichte unterlegt. Der Journalist Peter Veras (gespielt von Jon Øigarden) entdeckt im Zuge einer Recherche, dass sein Bruder Daniel in einen Wirtschaftsskandal verwickelt ist. Als Daniel davon erfährt, erschießt er sich in der Garage seines Hauses. Peter Veras, der sich immer als harter, investigativer Journalist verstanden hat, ist erschüttert. Er kann seinen Job nicht mehr machen und lässt sich ins Sportressort versetzen. Doch die Geschichte geht weiter, und Peter Veras nimmt - gegen den Willen der Chefredaktion - die Recherchen wieder auf. Er gräbt und wühlt verbissener als je zuvor. Und kommt einem riesigen Betrugssystem auf die Spur.

Amerikaner und Skandinavier beherrschen den Markt

Der Dreiteiler (weitere Sendetermine: 2.1. und 4.1.) schmückt die ARD in den ersten Tagen des neuen Jahres. Gleichwohl stellt sich die Frage, warum gut gemachte Krimiserien wie "Mammon" stets importiert werden müssen. Die ARD scheint wie traumatisiert, nachdem Dominik Grafs "Im Angesicht des Verbrechens" vor vier Jahren nicht die erhofften Quoten gebracht hat. Es passierte lang nichts mehr auf diesem Feld; Amerikaner und Skandinavier beherrschen den Markt und feiern weltweit Erfolge mit ihren Produktionen, während sich die ARD schamvoll zurückhielt.

Erst im nächsten Jahr versucht man ein Comeback. In Kooperation mit dem Pay-TV-Kanal Sky werden die Krimis von Volker Kutscher unter dem Label "Babylon Berlin" verfilmt. Die Regie führt Tom Tykwer. Bis das Werk ins öffentlich-rechtliche Fernsehen kommt, wird noch viel Zeit vergehen. Zwei, drei Jahre mindestens. Zeit, in der man in den USA, Dänemark und Norwegen bequem und vor allem teuer Programm einkaufen wird.

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