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Das Wallehaar, der Schuljunge und blöde Tricks

Wenn Denzel Washington einem Mann zusehen muss, der einen Finger in eine Flasche steckt, dann sei das "Wetten, dass..?". Die "New York Times" erklärt ihren Lesern die deutsche TV-Show.

Von Annette Berger

  Ja, genau so sieht es in der Sendung aus: eine typische Szene aus "Wetten, dass..?"

Ja, genau so sieht es in der Sendung aus: eine typische Szene aus "Wetten, dass..?"

Wetten, dass..?" ist jetzt auch in Amerika ein Thema. Aber das, was die "New York Times" über die ZDF-Sendung schreibt, ist wenig schmeichelhaft. Eine "ergraute Show" mit "schrulligen Tricks" nennt das renommierte Blatt das von Markus Lanz moderierte Fernsehformat in einem aktuellen Artikel.

Unter der Überschrift "Blöde deutsche Tricks, die sich im Fernsehen abgenutzt haben" erklärt die Zeitung ihren hauptsächlich amerikanischen Lesern die Sendung und ihre Geschichte und lästert auf etwa einer halben Seite - beziehungsweise zwei Online-Seiten - über das aus Sicht der New Yorker Zeitung veraltete Format und die, wie die Autoren des Artikels finden, wenig unterhaltsamen Wetten.

Auf Wallehaar folgt Schuljunge

Bei Anekdoten und bösen Lästereien bleibt es aber nicht. Hintergrund zur Sendung liefert der Beitrag auch. Der Unfall des heute querschnittsgelähmten Samuel Koch wird genauso thematisiert wie die Vorwürfe gegen die Gottschalk-Brüder, die mit Schleichwerbung Kasse gemacht haben sollen.

Eine typische Szene aus dieser deutschen Institution sehe etwa so aus, schreibt Autor Nicholas Kulish: Da beobachtet Oscar-Preisträger Denzel Washington, "wie ein deutscher Mann mit Schwimmbrille seinen Finger in eine Flasche steckt und es 'plopp' macht".

Der Artikel, der sich streckenweise ganz amüsant liest, verbreitet sich rasant im Netz und wird häufig über Twitter geteilt. Was der Sinn der Schwimmbrillen-Flaschen-Aktion sei, erläutert die Zeitung natürlich auch: Der Wettkandidat hatte raten müssen, wie viel Wasser sich in einer Reihe von Flaschen befand. Als Preis gebe es bei solchen Wetten - neben Ehre und Ruhm - unter Umständen ein Auto.

Auch die Akteure stellt Kulish treffend vor: Da gebe es den früheren Showmaster Thomas Gottschalk - mit seinem blonden Wallehaar und seinen exzentrischen Aufmachungen eine Berühmtheit. Und jetzt sei Lanz der Gastgeber - zwar jung und gutaussehend, aber eher der "Typ Schuljunge".

Das Format habe sich seit dem Start Anfang 1981 kaum verändert, erklärt das Blatt. Lanz habe zwar jüngst gesagt, dass bei einem Atomkrieg vermutlich zwei Lebensformen weiterexistieren würden: Kakerlaken und "Wetten, dass..?" Die US-Zeitung setzt allerdings eher darauf, dass nur die Kakerlaken durchkommen.

Es war vermutlich die Kritik von Hollywoodschauspielern an der Show, die die Schreiber des Artikels zu diesem exotischen Thema animierte. Denn gleich mehrere US-Berühmtheiten hatten sich jüngst abfällig über die Sendung geäußert. Mit harschen Worten fielen jüngst Tom Hanks und eben auch Denzel Washington auf.

Washington lästerte netter als Hanks

Beide waren zwar in unterschiedlichen Sendungen zu Gast, müssen sich aber ähnlich schlimm gelangweilt haben. Hanks hatte sich hinterher beschwert, dass er während der Live-Sendung rund drei Stunden auf dem Sofa hatte verbringen müssen. "Wenn in den USA jemand eine vier Stunden lange Fernsehshow machen würde, wäre jeder Verantwortliche am Tag darauf gefeuert worden." An einer Stelle der ZDF-Sendung habe er "mit einer Katzenmütze auf dem Kopf" dagestanden und "zugeguckt, wie der Moderator in einem Sack um mich rumhüpft", sagte Hanks. "Wenn das nicht Hochqualitätsfernsehen ist", fügte er spöttisch hinzu.

Tagelang wurde über diese Worte diskutiert. Auch Lanz meldete sich damals zu Wort. Der Ton des Schauspielers sei in den anschließenden Interviews der gleiche gewesen wie in der Sendung, "ironisch und pointiert", sagte er.

Washington brachte seine Kritik zwar etwas netter rüber, aber auch er fühlte sich auf dem berühmten Sofa wohl nicht allzu wohl. Er nannte das aus seiner Sicht wohl reichlich angestaubte Spektakel ein "Showformat aus einer anderen Zeit". Es habe ihn an die Fernsehshows aus seinen Kindertagen erinnert", sagte der Schauspielstar, der immerhin 58 Jahre alt ist. "So etwas haben wir in den USA gar nicht mehr." Allerdings habe er "das Altmodische des Konzepts" auch als "sehr rührend empfunden".

Annette Berger

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