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TV-Kritik

Die Busen-Tussi scheitert am Meerschweinchen

Wie Raab, nur besser aussehend: Mit diesem Rezept will Enissa Amani mit ihrer neuen ProSieben-Show "Studio Amani" den Montagabend erobern. Doch in ihrer ersten Sendung scheitert sie am Meerschweinchen und Otto-Witzen.

Studio Amani mit Enissa Amani

"Studio Amani" mit Meerschweinchen "Trumpi": Enissa Amani auf ihrem beigen Sofa.

Sie wälzt sich auf dem Sofa hin und her und versteckt ihr Gesicht hinter einem Kissen. "Ich hatte bereits schon eine Fernsehkarriere", sagt Enissa Amani und zeigt einen alten Ausschnitt des Home-Shoppingkanals QVC. Darin verhökert sie in Uschi-Glas-Manier eine Make-up-Creme. "Ganz wichtig ist dieser wertige Flakon. Ich brauche nicht viel und habe schon eine herrliche Deckkraft", hören die Zuschauer Amani mit schrecklicher Piepsstimme bei ihrem "Ich war jung und brauchte das Geld"-Moment sagen.

Ja, die Tussi war mal Shopping-Queen. Jetzt soll Enissa Amani TV-Legende Stefan Raab beerben. Zumindest am Montagabend. Um 23.15 Uhr sendet die gebürtige Teheranerin, die einst Jura studierte und danach auf Stand-up-Comedy umsattelte, künftig ihr "Studio Amani". Eine TV-Show, die dem alten Raab-Konzept folgt: Mehr oder weniger lustige Fernseh- und Internetausschnitte, ein bisschen Comedy, ein Studiogast - und vor allem viel Gequatsche.

Enissa Amani ist die Tussi mit dem großen Busen

Amani hat gegenüber TV-Rentner Raab einen natürlichen Vorteil: Sie sieht verdammt gut aus. Das weiß die 32-Jährige und kokettiert geschickt damit. Im engen, weißen Rollpullover räkelt sie sich auf dem Sofa, stolziert in High Heels durchs Studio und wirft den Kopf mit der blonden Lockenmähne in Model-Manier zurück. Wäre sie nicht auf Raabs Sendeplatz gelandet, bei Heidi Klum hätte sie eine Chance. Eine Tussi mehr im Fernsehen.

Aber halt, Amani hat nicht nur eine operierte Nase und große Brüste, sondern auch Köpfchen. Die Trägerin des Deutschen Comedypreises 2015 spielt geschickt mit dem Klischee der "Vollbluttussi", wie sie sich selbst nennt, und verstört damit die Machos zuhause. Was, die kann auch Politik? Ja, kann sie. Amani macht Witze über Rassismus und die Flüchtlingskrise oder über ihre Heimat Iran. Sie ist eine Meisterin darin, Banales mit Anspruchsvollem zu verbinden und schafft damit einen effektvollen Bruch zwischen ihrem Äußeren und Inhalt. Ungefähr so, als würde Daniela Katzenberger plötzlich Rilke zitieren. Boah, ey.

"Studio Amani" scheitert an Otto-Witzen

Warum ihre erste Sendung trotzdem scheiterte? Weil Amani ihre Redaktion nicht im Griff hat. Bei der Produktionsfirma Endemol Shine scheinen die gleichen Leute am Drücker zu sein, die auch für Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf die Gags schreiben: flach und klamaukig. Doch während das bei den beiden Enfant terribles des deutschen Fernsehens funktioniert, geht es bei Amani gründlich daneben.

Meerschweinchen auf dem Schoß, Torten im Gesicht und Zuschauer, die lahme Geschichten erzählen: Selten dürften sich die einstigen "TV Total"-Gucker schlechter unterhalten gefühlt haben als in diesen Momenten. Amani ist stark, wenn sie intelligenten Humor und Stand-up machen kann. Das flache Metier sollte sie den Ottos dieser Welt überlassen. Oder um es mit Hape Kerkeling in "Kein Pardon" zu sagen: "Sonst isses nich' witzisch, sonst isses nur platt." 

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