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Friede, Freude, Stuhlumdrehen

Prosieben vermittelt Lebensweisheiten: Selbst, wenn du nicht so aussiehst, als gehörtest du ins Fernsehen, kannst du trotzdem eine tolle Stimme haben. Die Juroren erlebten zum Auftakt von "The Voice of Germany" so manche Überraschung.

Von Katharina Gipp

Bei einem guten Essen gilt der Spruch "Das Auge isst mit". Wenn es um den Konsum von Musik geht, hört das Auge meistens auch mit. Das gilt insbesondere für TV-Castingshows, wo ein ansprechendes Äußeres den Kandidaten ganz sicher nicht schadet. Wer nicht gut genug singen kann, präsentierte sich bei "DSDS" Dieter Bohlen einfach im knappen Outfit - und oft passte das dann schon irgendwie mit dem Potenzial.

Die Casting-Show "The Voice of Germany" will es anders machen. Hier soll es allein auf die Stimme der Kandidaten ankommen. So sitzt die Jury aus Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey und der Band The Bosshoss mit dem Rücken zum Kandidaten und muss sich allein auf ihr musikalisches Gehör verlassen. Da ist die Überraschung beim Umdrehen schon programmiert. Ein Exempel wird statuiert. Auch Menschen, die unförmige Körper, scheußliche Frisuren oder eine unheimliche Körpersprache haben, können in einer Castingshow in die zweite Runde kommen. Was macht schließlich die Optik, wenn auf Viva und MTV eh keine Musik gespielt wird?

Ziehen und Zerren um die Kandidaten

Wenn den Juroren eine Darbietung gefällt, buzzern sie und bewerben sich so als Mentor für den Kandidaten. Der Stuhl dreht sich, und der Juror darf sich auch endlich ein optisches Bild von dem Kandidaten machen.

Am Donnerstagabend wurde eigentlich ständig auf den roten Knopf gedrückt. Oft mussten sich die Kandidaten zwischen mehreren Juroren entscheiden. Die meisten Teilnehmer wollten von Reamonn-Sänger Garvey und Nena betreut werden. The Bosshoss mussten sich als selbsternannte "Underdogs" mit einer Kandidatin zufrieden geben und Xavier Naidoo war ziemlich wählerisch.

Man kann nicht gerade behaupten, die Juroren hätten um ihre Kandidaten gekämpft. Jeder hat brav sein Plädoyer gehalten und dann abgewartet, was passiert. Spannung sieht anders aus. Selbst die Kandidaten, für die niemand buzzern wollte, brachten nicht die nötige Portion Drama - denn auch sie waren alle "eigentlich gut". Bei einem der weniger Glücklichen handelte es sich um Sebastian Deyle, einen ehemaligen Soap-Darsteller auf der Suche nach Aufmerksamkeit oder einer neuen Geldquelle. Mit Udo Jürgens' "Ich glaube" habe er Xavier Naidoo beeindrucken wollen - hat er aber nicht.

Im weiteren Verlauf der Show sollen die Juroren - stellvertreten durch ihre Kandidaten - gegeneinander antreten. Hier wird der Weichspülgang der Sendung vorübergehend unterbrochen, um künstlich ein wenig Dramatik hinzuzufügen: Die Teilnehmer begegnen sich im Boxring.

Fremdschämen für den Moderator

"The Voice of Germany" hat im Vergleich zu anderen Formaten des Genres einen recht niedrigen Fremdschämfaktor. Der größte Teil der gezeigten Kandidaten ist einigermaßen talentiert, sie werden nicht gezwungen, traurige Geschichten zu erzählen, und die Jurymitglieder sind nicht krampfhaft lustig. Die hin und wieder eingeblendeten Moderationsversuche von Stefan Gödde hätten allerdings noch herausgeschnitten werden können.

Mit der Quote kann Prosieben mehr als zufrieden sein. Die Attacke der Konkurrenz hat man souverän abgewehrt: RTL hatte außer der Reihe eine Ausgabe von "Das Supertalent" am Donnerstag gesendet - um Prosieben den Start zu verhageln. Der Versuch ist gescheitert: In der für Privatsender wichtigen werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen verbuchte "The Voice of Germany" einen Marktanteil von 23,8 Prozent (3,06 Millionen Zuschauer) und lag damit klar vor dem RTL-Pendant, das nur 22,8 Prozent (2,99 Millionen Zuschauer) sehen wolten. Beim gesamten Publikum waren die Verhältnisse allerdings umgekehrt: "Das Supertalent" sahen 5,83 Millionen Zuschauer (18,1 Millionen Marktanteil), das Prosieben-Format 3,89 Millionen (12,4 Prozent).

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