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Voll krass mutig, ey!

Es ist der wahrscheinlich erfolgreichste Quoten-Flop im deutschen Fernsehen: Die Grimme-Preis-gekrönte Integrations-Soap "Türkisch für Anfänger" wird von Kritikern gefeiert, von Zuschauern verschmäht. Heute startet die ARD - dem Misserfolg zum Trotz - die dritte Staffel der deutsch-türkischen Familiensatire. Ganz schön mutig.

Von Katharina Miklis

  • Katharina Miklis

Diverse Flops musste der ARD-Vorabend in diesem Jahr einstecken. Von der Stylingshow "Bruce" bis zur Kuppelshow "Ich weiß, wer gut für dich ist". Alle Versuche scheiterten, den Vorabend im Ersten für Zuschauer interessant zu machen. Der "Problemsendeplatz 18.50 Uhr", von dem Ex- Programmdirektor Günter Struve Anfang des Jahres sprach, wurde letztendlich mit Wiederholungen belegt: "Berlin, Berlin" und die ersten zwei Staffeln der Integrationssoap "Türkisch für Anfänger". Nicht nur weil sich der neue Programmdirektor Volker Herres künftig mehr Serien am Vorabend wünscht, soll es die dritte Staffel der deutsch-türkischen Familiensatire richten. Mutig von der ARD - in zweierlei Hinsicht: Nicht nur, dass die Quoten der mehrfach ausgezeichneten Serie mies waren. Auch die Werbung für die neue Staffel ist gewagt.

Im Internet kursieren seit einigen Wochen Videos, die wie ungenehmigte Making-Of-Aufnahmen wirken. Die Kamera wackelt und nimmt ein scheinbares Privatgespräch in der Drehpause zwischen den Schauspielerinnen Cristina do Rego und Josefine Preuß auf. "Ich hab gleich ne Nacktszene", flüstert Preuß das Catering in sich hineinschlingend, "muss ich vorher noch kotzen gehen". "Echt? Bei mir bringt das ja nichts...", sagt do Rego. "Ja, Christina du musst das auch morgens und abends machen, sonst bringt das nix. Disziplin ist alles". Bulimie-Plausch am Set - so was macht die ARD? Tatsächlich.

"Ideal ist Qualität und Quote"

"Türkisch für Anfänger" ist für die ARD das ideale Projekt zum Austoben. Die Quoten der letzten beiden Staffeln waren so schlecht, dass man die Serie eigentlich hätte absetzen müssen. Die zweite Staffel im Frühjahr 2007 wollten nur 6,9 Prozent aller Zuschauer sehen. Immerhin aber 11,8 Prozent der 14- bis 29-Jährigen. Viele junge Zuschauer für die ARD, viel zu wenig jedoch eigentlich für eine Fortsetzung. Und trotzdem wird es sie heute Abend geben. Entscheidet nach dem Reich-Ranicki-Eklat jetzt etwa Qualität vor Quote? "Nein", sagt Bettina Reitz, Film- und Serienchefin des BR und zuständig für die Serie "Türkisch für Anfänger". "Wir möchten kein Programm unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ideal ist Qualität und Quote." Reitz hofft auf die Fans und die Wirkung des viralen Marketings.

Dass die Multikulti-Soap etwas mehr Beachtung verdient hätte zeigt die Liste der Preise, die sie in den letzten Jahren von Kritikern bekommen hat. 2006 gab es den Deutschen Fernsehpreis für die Beste Serie, die Nymphe d’Or in Monte Carlo, den Prix Italia, 2007 den Grimme-Preis in der Kategorie Unterhaltung und den Civis-Medienpreis.

Die Idee hinter der deutsch-türkischen Familiensatire ist einfach. Und gerade deshalb so gut: Die Serie bedient sich an deutsch-türkischen Klischees und zeigt, wie lustig der Zusammenprall der Kulturen sein kann. Die Patchwork-Mulitikulti-Familie ist zusammengewürfelt aus der 68er-Hippie-Mutter Doris (Anna Stieblich), dem Türken Metin (Adnan Maral) und ihren Kindern Lena (Josefine Preuß), Cem (Elyas M'Barek) und Yagmur (Pegah Ferydoni). Dazwischen treibt Nazi-Opa Hermi (Carl Heinz Choynski) sein Unwesen.

"Kein anderer Sender würde sich das trauen"

Das Besondere an der Serie ist, wie die Grimme-Jury bemerkte, dass sie "keck, witzig und politisch unkorrekt" ist. Eine Szene der heute anlaufenden Staffel: Lena (Josefine Preuß) und Kathi (Cristina do Rego) stehen im Bad. Cem (Elyas M'Barek) kommt hinzu: "Ich müsste mal dringend 'nen Neger abseilen". Kathi: "Das heißt Schwarzafrikaner". Cem: "Mir egal, ich muss aufs Klo". Verantwortlich für diese Dialoge ist Headautor Bora Dagtekin, der auch die erste Staffel des Überraschungserfolges "Doctor's Diary" schrieb. "Kein anderer Sender würde sich trauen, die Sprüche, die in der Serie fallen, zu senden", so Arnel Taci, der den stotternden Griechen Costa spielt, über die Produktion. Ob auch die Zuschauer endlich diesen Mut belohnen, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Türkisch für Anfänger läuft dienstags bis freitags um 18.50 Uhr im Ersten

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