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Lanz und die Last der Traumquote

Sein Debüt bei "Wetten, dass ..?" wollten mehr als 13 Millionen Menschen sehen. Um möglichst viele Zuschauer zu halten, greift Markus Lanz auf ein Rezept zurück, das er selbst verworfen hatte.

Von Carsten Heidböhmer

  "Was Tom Hanks gesagt hat, ist eine Sache,  was daraus gemacht wird, eine ganz andere", meint Markus Lanz

"Was Tom Hanks gesagt hat, ist eine Sache,
was daraus gemacht wird, eine ganz andere", meint Markus Lanz

Markus Lanz gestand jüngst, gerne zur Wahrsagerin zu gehen. "Nicht, weil ich dran glaube, sondern weil es mir Spaß macht." Auf einem Hamburger Jahrmarkt habe ihm eine Dame der Zunft einst ein langes Leben vorhergesagt. "Ich habe mich sehr darüber gefreut. Und seitdem konfrontiere ich andere Wahrsager immer gerne mit dieser Auskunft und bin gespannt, was die dann sagen." Überliefert ist nicht, ob der Südtiroler bei der Gelegenheit auch gleich nach der Quote für den nächsten TV-Auftritt fragt. Im Fall seiner nächsten "Wetten, dass ..?"-Sendung diesen Samstag in Bremen hätte er sich das Geld ohnehin sparen können, was die Zahlen angeht. Man muss gar nicht die Glaskugel bemühen, um zu prophezeien: Es wird für Lanz so gut wie unmöglich sein, die Quote vom Debüt zu erreichen oder gar zu knacken.

Der TV-Star hatte einen Start nach Maß hingelegt, der den Namen Traumquote verdient. 13,62 Millionen Zuschauer beobachteten , wie er mit den Kandidaten umging, den Gästen auf der berühmten Couch zu Rande kam und wie stark er sich vom Kultvorgänger Thomas Gottschalk unterschied. Der 43-Jährige schaffte einen Spitzenwert von 43,7 Prozent des Gesamtpublikums. Doch der Erfolg ist für Lanz schwerer Ballast: Der Südtiroler steht vor der gewaltigen Aufgabe, aus den Zuschauern, von denen viele nur aus Neugier auf den neuen Moderator eingeschaltet haben, Stammgucker zu machen. "Wir gehen davon aus, dass wir diese Zahlen nicht mehr erreichen", stapelt Lanz extra tief. Und ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs betont ausdrücklich, dass es keine Zielvorgabe gebe.

Um der Operation "starke Quote" doch möglichst zum Erfolg zu verhelfen, greift Markus Lanz auf ein Mittel zurück, von dem schon Thomas Gottschalk regelmäßig Gebrauch gemacht hat: Er lädt sich Hollywood-Prominenz ein. Mit Tom Hanks und Halle Berry werden gleich zwei Oscar-Gewinner auf seinem Sofa Platz nehmen. Mit der Rockband Gossip und Popsänger Robbie Williams sind zudem weitere internationale Topstars in der Sendung zu Gast.

Dabei hatte Lanz vor der ersten Show angekündigt, sich stärker auf den Markenkern besinnen zu wollen und sowohl Wetten als auch Kandidaten in den Vordergrund zu rücken, internationale Stars sollten die zweite Geige spielen. Davon aber ist er offenkundig ein Stückweit abgerückt. In Bremen werde es "weniger voll sein auf der Couch", verkauft er die Kurskorrektur. Außerdem komme kein Star, um etwas zu promoten, schließlich blieben Hanks und Berry bis zum Schluss der Sendung.

Was wird aus Cindy?

Die Riege der nationalen Stars wird angeführt von "heute-show"-Moderator Oliver Welke, der erst kürzlich mit zwei Deutschen Comedypreisen dekoriert wurde. Daneben werden Schauspielerin Jutta Speidel und Stargeiger David Garrett zum gemütlichen Palaver auf dem Sofa in Bremen erwartet. Das Publikum wird genau beobachten, ob Lanz die Kritik nach dem Debüt verstanden hat. stern.de befand nach dem Auftakt: "Die Show wirkte wie eine Samstagabendausgabe seiner Talkshow - nur mit Showtreppe. Bei den Wikipedia-Fakten, die er von seinen Kärtchen ablas, wollte kein Gespräch so richtig in Fahrt kommen." Ein weiterer Prüfstein wird der Bereich "Humor" sein. Hier machte Lanz bei der ersten Sendung eine eher traurige Figur.

Gespannt darf man auch auf das erneute Zusammentreffen von Barbara Schöneberger und Robbie Williams sein: Anfang September waren sich beide bei der Verleihung des deutschen Radiopreises in Hamburg begegnet, damals hatte der Popstar auf der Bühne Schönebergers Babybauch geküsst. Damals war Williams' Ehefrau Ayda Field selbst schwanger. Inzwischen hat sie entbunden. Offen ist, ob Markus Lanz wieder eine Assistentin haben wird. Beim letzten Mal sprang ihm Cindy aus Marzahn zur Seite - mit gemischter Resonanz. Während sich ZDF-Intendant Thomas Bellut zufrieden zeigte und Vertragsverhandlungen mit der Komikerin ankündigte, zeigt sich die Fangemeinde auf Facebook weniger amüsiert. Neben zustimmenden Kommentaren gibt es dort viel Kritik: "Cindy ist nicht witzig und das komische Outfit wird auch langweilig"; bringt ein User die Kritik vieler Fans auf den Punkt. Klingt ganz so, als wären nicht alle Zuschauer von der "interessanten Farbe" begeistert, die Cindy in Belluts Worten der Show gegeben haben soll. Der Südtiroler jedenfalls ist begeistert von der ehemaligen Arbeitslosen: Neuerdings spreche er sie stets als "meine Prinzessin" an.

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