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Lanz oder Gottschalk - wer kann's besser?

Keine Frage: Markus Lanz hat eine solide "Wetten, dass ..?"-Premiere hingelegt. Doch kann der Südtiroler seinem Vorgänger Thomas Gottschalk das Wasser reichen? Der große Vergleich der Moderatoren.

Von Martin Jäschke

Markus Lanz versus Thomas Gottschalk: Wer kann besser "Wetten, dass ..?"?

Markus Lanz versus Thomas Gottschalk: Wer kann besser "Wetten, dass ..?"?

Über 20 Jahre lang moderierte Thomas Gottschalk das ZDF-Unterhaltungsschlachtschiff "Wetten, dass ..?". Mit seiner Schlagfertigkeit und Unbekümmertheit hat er Millionen Zuschauer begeistert - oder ist ihnen ganz gehörig auf den Wecker gegangen, je nach Sympathie. Mit Markus Lanz versucht sich nun ein neuer Moderator an Europas größter Fernsehshow. Kann der Südtiroler seinem Vorgänger in den entscheidenden Punkten das Wasser reichen?

Humor

Lanz: An der Quantität gibt es nichts zu meckern - Lanz macht viele Witze. Leider sind sie größtenteils einstudiert, und das merkt man. Sein erster: "Als man mich gefragt hat, hab ich natürlich einen Moment gezögert, so wie es jeder einigermaßen vernünftige Mensch tut. Dann hat man mir gesagt: Die erste Sendung kommt aus Düsseldorf. Und ich dachte: Düsseldorf? Das machst du! Warum? Weil Düsseldorf der einzige Ort auf der Welt ist, an dem die Pelzdichte noch höher ist als in Grönland, wo ich gerne hinfahre." Aha.

Gottschalk: Machen wir uns nichts vor: Auch Gottschalk war sich für keinen platten Witz, für kein unangenehmes Wortspiel zu schade. Und da hat sich in 23 Jahren "Wetten, dass ..?"-Moderation einiges angesammelt. Aber ihm nahm man wenigstens immer ab, dass ihm dieser Witz tatsächlich in dem Moment eingefallen ist - was sich vom akribischen Perfektionisten Lanz nicht behaupten lässt. Bestes Beispiel: Thomas Gottschalk um 21:18 Uhr (beim Supertalent auf RTL, parallel zu "Wetten, dass ..?") zu einer Frau im Bikini, die Poledance vorführen will: "Ich hab ja nie im Leben das Ende einer Kletterstange erreicht." Geht witziger, geht auch unwitziger.

Outfit

Lanz: Dunkelgrauer, perfekt sitzender, mutmaßlich maßgeschneiderter Anzug, Weste, weißes Hemd, keine Krawatte, dafür gefühlte fünf aufgeknöpfte Knöpfe - Lanz wirkt, als wollte er bei einer Hochzeit, bei der er keinen kennt, unbedingt eine Frau aufreißen. Oder mehrere. Ein großes TV-Ereignis braucht stilvolle Kleidung und eine Tube Gel im Haar, dachte er vielleicht. Nach seiner Liegestütz-Challenge ließ er das Sakko weg - Lockerheit ausstrahlen! Leider machte ihn das zum Schiffsjungen, der auf dem Schiff nach Neuengland anheuert.

Gottschalk: Gottschalk und die Klamotten - ein Kapitel für sich. Goldene Anzüge, wildeste Burberry- bis Gardinenmuster, Flokati, Rüschen, Glitzer, Klimbim. Mit einem Wort: Extravaganz. Und - nicht wegzudiskutieren - viel Kreativität und Mut. Ein großer Mann, der einfach alles tragen kann. Da müsste Lanz noch lange reinwachsen. Muss er zum Glück ja aber gar nicht.

Redegewandtheit

Lanz: Sehr, sehr strukturiert und sehr, sehr sachlich. Dabei stets sehr, sehr zuvorkommend und zurückhaltend, sich laufend sehr, sehr herzlich bedankend, also im Großen und Ganzen ganz, ganz flüssig, dafür aber auch wenig, wenig spontan. Etwas störend: Der Zeigefinger am Mund und an der Nase. Den hat er sich auch für "Wetten, dass ..?" nicht abtrainieren können. Sehr störend: das permanente Dazwischenquatschen während der Wetten. Auch, wenn die Kandidaten ausdrücklich um Stille gebeten hatten.

Gottschalk: Ja! Mein Lieber! Herrschaften! Hoppla! Ja, jetzt, oha! Das muss man sich mal vorstellen! – Polternd, egozentrisch und rhetorisch nicht gerade einwandfrei, dafür einzigartig, echt und liebenswert.

Liegestütz mit Bierkiste auf dem Rücken: Mangelnden Einsatz konnte man Markus Lanz bei seiner Premierensendung nun wirklich nicht vorwerfen.

Liegestütz mit Bierkiste auf dem Rücken: Mangelnden Einsatz konnte man Markus Lanz bei seiner Premierensendung nun wirklich nicht vorwerfen.

Team

Lanz: Hallo? Was war denn da los? Wer, bitte, hatte die Idee, kommentarlos die Günther-Jauch-Parodie aus "Switch Reloaded" als Außenmoderator einzusetzen? Wer mochte dem armen Mann im Trecker keinen Reporter an die Seite stellen? Und wer soll noch durchsteigen, wenn Campino erst Gast, dann Act und dann auf einmal Stadtwettenmoderator ist? Immerhin: Ilka Bessin alias Cindy aus Marzahn schlug Michelle Hunziker nicht nur in puncto Gewicht, sondern mindestens im gleichen Verhältnis in puncto Humor.

Gottschalk: Olli Dittrich als Außenmoderator war nun wirklich nicht die schlechteste Wahl. Oli Pocher hingegen schon. Michelle Hunziker sah immer gut aus und kann viele Sprachen sprechen.

Tuchfühlung

Lanz: Mehr körperliche Entfernung zu den eigenen Gästen geht kaum. Kein Bussi mit J.Lo nach ihrem Auftritt - erst, als sie nach 45 Minuten wieder zur Sitzgruppe trippelt, und dann auch erst beim zweiten Anlauf. Sylvie van der Vaart muss Lanz am Ende bei der Blumenstraußvergabe ihre Küsschen fast schon aufnötigen und auch die stürmische Umarmung der Wettkandidatin Monika Thaler war ihm zu viel. Was Gottschalk nie passiert wäre: Zwischen Lanz und Jennifer Lopez sitzt Karl Lagerfeld auf der Couch. Der gibt sich seinem Schicksal hin und fummelt in memoriam an Thommy ein bisschen an Jenny herum. Als J.Lo noch während der Sendung gehen muss, schaut Lanz ihr verklärt hinterher und schwärmt: "Sehr unkompliziert, oder?"

Gottschalk: Der König des beiläufigen Körperkontakts. Thomas Gottschalk beherrscht es perfekt, immer knapp vor der Grenze zur sexuellen Belästigung zu agieren. Küsschen hier, Hand auf Schulter/Hüfte/Bein dort. Immer auch direkt an der Grenze zum Fremdschämen, aber unterhaltsam.

Quoten

Lanz: 13,62 Millionen Zuschauer - ein Marktanteil von 43,7 Prozent. Jeder sechste Deutsche hat Lanz' erstes Mal bei "Wetten, dass ..?" verfolgt. Ein Spitzenwert.

Gottschalk: Gottschalk zerrte mit seiner Abschiedssendung im Dezember 2011 noch mehr Menschen vor die Empfangsgeräte: 14,73 Millionen, Marktanteil: rund 46 Prozent. Von dieser besonderen Sendung abgesehen erreichte Lanz aber die höchste Einschaltquote einer "Wetten, dass ..?"-Ausgabe seit 2005.

Überziehungsfaktor

Lanz: Schlappe 13 Minuten! Und das, obwohl eine Dreiviertelstunde vor Schluss bereits 25 angekündigt wurden und das "Aktuelle Sportstudio" bei Twitter gar 40 Minuten Verlängerung prophezeit hatte. Am Ende wirkte aber auch alles arg schnell abgewickelt.

Gottschalk: Unter der angekündigten Überziehung bleiben? Nichts für Thomas Gottschalk. Für einen Großteil der insgesamt bei "Wetten, dass ..?" bis Dezember 2011 überzogenen 3942 Minuten dürfte er verantwortlich sein. Seit Bestehen der Sendung waren es im Schnitt 19,8 Minuten. Lanz hätte also noch knapp sieben Minuten lang Danke sagen können.

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