Jetzt und in den nächsten Tagen wird es viele Wertungen und Kommentare zu der Entscheidung des ZDF-Verwaltungsrates geben. Wie kann man diese sortieren? Was kann man daran erkennen?
Zunächst das Einfachste: Manch ein Journalist hat sich jetzt dicke hervorgetan mit einem Plädoyer pro Brender und dabei seinen eigenen Mut gefeiert. Es sind oft dieselben, die nicht Manns genug sind, ihrem eigenen Chefredakteur zu widersprechen, wenn es darauf ankäme. Für diese hat die Kontroverse um Brender nur eine "Entlastungsfunktion". Diese meist sehr aufgeregten Stellungnahmen können wir vergessen.
Dann wird es viele geben, die nun in Sorge schreiben, wie sehr das ZDF beschädigt sei und auch der Intendant Markus Schächter. Wie sehr dies die Journalisten im Hause bedrücke und den zukünftigen Chefredakteur belaste. Dies ist in der Regel die Schule der Immanenz. Sie gibt sich zwar jetzt kritisch, ist aber eigentlich nur sauer, dass es diesmal nicht zu einem Kungel-Konsens gekommen ist. Sie versteht nicht, warum Koch und Co so scharf, so kompromisslos waren. Letztlich ist ihr Maßstab das gute alte System, das doch prima geklappt habe, solange alle mitspielten. Diese Kritik wird es massenhaft geben, aber letztlich ist sie uninteressant, weil inkonsequent.
Wichtig ist, ob die Schule der Grundsatzkritik, die guten öffentlich-rechtlichen Rundfunk will, aber im konkreten Fall die Demarkationslinie zwischen Politik und Journalismus gefährlich überschritten sah, zu weiterführenden, konstruktiven Schritten in der Lage ist. Sie wird Nikolaus Brender bedauern und vielleicht auch noch den in dieser Frage gescheiterten Intendanten Markus Schächter, aber nicht den öffentlichen Streit. Dafür kann man sogar dankbar sein und ihn als einen belebenden Auftakt für ein längst notwendiges Reformprojekt begreifen: die Rückgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in die Hand derer, die ihn bezahlen und auf ihn angewiesen sind.