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19. August 2008, 14:27 Uhr

Zu viel Aufwand für zu wenig Programm

Die damit erzielten Einsparungen wären ein Schritt auf dem richtigen Weg, langfristig Gebühren zu sparen. In Großbritannien etwa, bei der offensichtlich effizienteren BBC, sinken die Gelder der Zuschauer ohnehin längst. Das hatte die dortige Medienregulierung beschlossen, als sie erkannte, dass immer weniger die von ihnen direkt bezahlten Programme einschalten und sich lieber der neuen Medienvielfalt im Internet und auf Digitalkanälen bedienen. Hier wird die GEZ hingegen von 2009 an sehr wahrscheinlich nicht mehr monatlich 17,03 sondern bereits 17,98 Euro abbuchen.

In den Sendern finden sie diese Idee natürlich völlig abwegig. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte stern.de: "Die Zuschauer hätten dadurch nicht besseres Fernsehen sondern weniger vom Guten." Dabei könnten sie für ein gemeinsames ARD/ZDF-Olympia-Programm doch gerade von allen Kommentatoren, Moderatoren und Reportern die Besten zusammenziehen – und so auch die Heimatredaktionen entlasten, die jetzt die Bundesliga mit ausgedünnter Mannschaft abdecken müssen.

ARD und ZDF wollen Autonomie verteidigen

Die Verantwortlichen streiten übrigens gänzlich ab, dass eine inhaltliche Zusammenarbeit noch Sparpotenzial in sich berge. Das ist natürlich nur Strategie. Im Kern wollen ARD und ZDF ihre Autonomie verteidigen, wäre eine Zusammenarbeit bei einem Ereignis doch für Kritiker ein willkommener Anlass um eine Debatte zu starten, ob in Zeiten knapper Kassen überhaupt noch ein Nebeneinander zweier öffentlich-rechtlicher TV-Vollprogramme gerechtfertigt ist.

So klammern sich die Verantwortlichen an die systeminterne Dauer-Konkurrenz. Der Programmdirektor des in der ARD für Peking 2008 federführenden NDR, Volker Herres, entgegnete einer Anfrage von stern.de zu einer möglichen Zusammenarbeit beider Sender: "Der journalistische Wettstreit zwischen ARD und ZDF ist einer der Stärken des öffentlich-rechtlichen Systems."

Es gibt keinen Wettstreit

Stimmt grundsätzlich, im Fall Olympia aber nur bedingt. Denn einen Wettstreit gäbe es ja nur, wenn beide Sender parallel ausstrahlen würden - von wenigen hintergründigen Themen wie Doping-Recherchen abgesehen. Und genau dafür könnten ARD und ZDF ja für einige wenige gemeinsame Programmwochen die besten Rechercheure zusammenziehen.Und überhaupt: Wurde etwa der BBC mit ihrem singulären System je nachgesagt, nicht journalistisch genug zu sein?

Bemerkenswert ist übrigens auch folgender Vergleich: Während die BBC offen sagt, ihr Olympia-Einsatz koste knapp vier Millionen Euro, mauern ARD und ZDF. Wie viel den Gebührenzahler der Peking-Einsatz denn nun kostet? Die kühle Abfuhr vom NDR: "Zu Kosten geben wir keine Auskunft." Und ZDF-Chefredakteur Brender sagt: "Am Schluss wird abgerechnet."

Von Daniel Bouhs
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KOMMENTARE (10 von 18)
 
artcore (21.08.2008, 16:41 Uhr)
Populistisches Gehabe
Dass die Printmedien gerne am Fernsehgeschäft mehr mitverdienen würden, quillt hier aus jedem Pixel hervor.
Der Stern bastelt ja gerne mit am neoliberalen Zeitgeist!
Also immer feste Druff auf die Öffentlich Rechtlichen. Das bringt Stimmung!
jsbach (20.08.2008, 18:56 Uhr)
GEZ auf 25% reduzieren
Die Öffentlich-Rechtlichen verpulvern sehr viel Geld für überflüssige und miserable Sendungen, die mit hohem Aufwand produziert werden. Deshalb sind die Gebühren so hoch. Es fragt sich, ob es mit der Verfassung vereinbar ist, Shows, Volksmusik und Sport über Zwangsgebühren zu finanzieren. Mit Grundversorgung hat das nichts zu tun, das kann man getrost den Privaten überlasen. Ein Viertel der heutigen GEZ-Gebühren wäre vollkommen ausreichend, um Programm zu machen. Höchstwahrscheinlich würde es der Qualität guttun.
Sternchen2020 (19.08.2008, 20:04 Uhr)
abmelden nutzt ja nichts
weil jeder Internet-fähige PC auch als Fernseher gilt und gebührenpflichtig ist. Es wäre doch logisch, dass ARD und ZDF Möglichkeiten schaffen müssen, dass - wer nicht will - auch draußen bleibt. Das ist eine technische Sache, die diese Sender anbieten müssen.
Eisenbaer (19.08.2008, 19:56 Uhr)
Soviel Programm...

...und ich habe keine einzige Sendung von Olympia gesehen. Wozu auch?
ritchie (19.08.2008, 19:54 Uhr)
Insel der Glückseligen
ja, es gibt sie noch solche Inseln, sie werden zwar knapper aber es gibt noch welche: manche Lehrer an manchen Schulen (nicht gerade Neuköln), Hinterbänkler im Bundestag oder Sportreporter. Während der Rest der Republik gnadenlos jeden Tag seine Leistung liefern muß geben solche Überversorgungsinseln ihre Besetzern ausreichend Raum für Kohle satt und Reisen pur. Ach ja, Seriendarsteller im Traumschiff wie z.B. C. Kohlund. Alles Jobs wovon man nur träumen kann. Ich gebe es zu: ich bin neidisch.
Sanjoaquin (19.08.2008, 19:50 Uhr)
Fernseher abmelden
Ich hab meinen Fernseher vor Jahren schon abgemeldet, aber ich werde jetzt, jedem, den ich kenne, diesen Artikel mailen und ihn auffordern seinen Fernseher ebenfalls abzumelden. Schimpfen hilft gar nix, tun muss man was.
steinhaus (19.08.2008, 19:45 Uhr)
Durch 700 Mitarbeiter von ARD und ZDF
wird die Leistung der deutschen Sportler auch nicht besser... Da wohl der Wunsch Vater des Gedankens. Olympia ist aus deutscher Sicht 2008 der "Langweiler". Ein Boykott wäre da sicher effektiver gewesen...
Zur Übertragungsqualität der Spiele kann ich nichts sagen. Ich habe vor 13 Jahren ARD + ZDF den Laufpass gegeben und mein Fernsehgerät für immer verschrottet. Wir schauen nicht fernsehen.
hiro42 (19.08.2008, 19:44 Uhr)
Kein Einzelfall
Was die ÖR an aufwendigen (Volksmusik-)Shows und (Kitsch-)Fernsehfilmen produzieren ist im normalfall schlicht nicht guckbar. Nachrichten, Verbraucher- und Politmagazine - da sind sie besser als die Privaten. Aber ist das über 200,- Euro im Jahr wert???
Blaubeersammler (19.08.2008, 19:39 Uhr)
Doppelübertragung
Die Krönung der doppelten Übertragung war das letzte Fußballspiel der Frauen gegen Brasilien. Nicht nur, dass ZDF und ZDFInfokanal das gleiche Bild gesendet haben, sondern sie haben sich auch zwei verschiedene Kommentatoren "geleistet". Das kann doch wirklich nicht wahr sein. Und das Basketballspiel gegen USA wurde zu der Zeit weggelassen (aus deutscher Sicht sicherlich nicht die falsche Entscheidung aber es war trotzdem ein Fest für den interessierten Zuschauer).
Den Internetlink von Clibanarius kann ich wirklich nur empfehlen. Da habe ich Basketball geschaut. Alles live und ohne nervige Kommentare. Stimmung pur.
Sternchen2020 (19.08.2008, 19:35 Uhr)
Grundversorgung
Ich frage mich, ob wir Bürger eine solche überzogene und dann auch noch doppelt gemoppelte Grundversorgung tatsächlich finanzieren müssen? Hätte das Bestand vor dem Verfassungsgericht? Inzwischen reisen Wetterfrösche auf unsere Kosten durch die Welt, nur um uns das zu sagen, was mir ein Wetterdienst auch sagt. Doppelt und dreifache Übertragungswagen ziehen über Kontinente, 800-Hunderter Mannschaften gleich mit. Alles Grundversorgung? Ich glaube das nicht. Auch nicht, dass wir Bürger völlig wehrlos gegen solche Giermaschinen sind.
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