Die damit erzielten Einsparungen wären ein Schritt auf dem richtigen Weg, langfristig Gebühren zu sparen. In Großbritannien etwa, bei der offensichtlich effizienteren BBC, sinken die Gelder der Zuschauer ohnehin längst. Das hatte die dortige Medienregulierung beschlossen, als sie erkannte, dass immer weniger die von ihnen direkt bezahlten Programme einschalten und sich lieber der neuen Medienvielfalt im Internet und auf Digitalkanälen bedienen. Hier wird die GEZ hingegen von 2009 an sehr wahrscheinlich nicht mehr monatlich 17,03 sondern bereits 17,98 Euro abbuchen.
In den Sendern finden sie diese Idee natürlich völlig abwegig. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte stern.de: "Die Zuschauer hätten dadurch nicht besseres Fernsehen sondern weniger vom Guten." Dabei könnten sie für ein gemeinsames ARD/ZDF-Olympia-Programm doch gerade von allen Kommentatoren, Moderatoren und Reportern die Besten zusammenziehen – und so auch die Heimatredaktionen entlasten, die jetzt die Bundesliga mit ausgedünnter Mannschaft abdecken müssen.
Die Verantwortlichen streiten übrigens gänzlich ab, dass eine inhaltliche Zusammenarbeit noch Sparpotenzial in sich berge. Das ist natürlich nur Strategie. Im Kern wollen ARD und ZDF ihre Autonomie verteidigen, wäre eine Zusammenarbeit bei einem Ereignis doch für Kritiker ein willkommener Anlass um eine Debatte zu starten, ob in Zeiten knapper Kassen überhaupt noch ein Nebeneinander zweier öffentlich-rechtlicher TV-Vollprogramme gerechtfertigt ist.
So klammern sich die Verantwortlichen an die systeminterne Dauer-Konkurrenz. Der Programmdirektor des in der ARD für Peking 2008 federführenden NDR, Volker Herres, entgegnete einer Anfrage von stern.de zu einer möglichen Zusammenarbeit beider Sender: "Der journalistische Wettstreit zwischen ARD und ZDF ist einer der Stärken des öffentlich-rechtlichen Systems."
Stimmt grundsätzlich, im Fall Olympia aber nur bedingt. Denn einen Wettstreit gäbe es ja nur, wenn beide Sender parallel ausstrahlen würden - von wenigen hintergründigen Themen wie Doping-Recherchen abgesehen. Und genau dafür könnten ARD und ZDF ja für einige wenige gemeinsame Programmwochen die besten Rechercheure zusammenziehen.Und überhaupt: Wurde etwa der BBC mit ihrem singulären System je nachgesagt, nicht journalistisch genug zu sein?
Bemerkenswert ist übrigens auch folgender Vergleich: Während die BBC offen sagt, ihr Olympia-Einsatz koste knapp vier Millionen Euro, mauern ARD und ZDF. Wie viel den Gebührenzahler der Peking-Einsatz denn nun kostet? Die kühle Abfuhr vom NDR: "Zu Kosten geben wir keine Auskunft." Und ZDF-Chefredakteur Brender sagt: "Am Schluss wird abgerechnet."